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Arozzi Torretta XL – Grundsolider Gamer-Stuhl mit viel Platzangebot

Hallo liebe Leser, heute haben wir seit Längerem endlich wieder einen Gaming-Chair unter die Lupe genommen. Dabei handelt es sich um den Arozzi Torretta XL in Schwarz.

Arozzi ist eine schwedische Design-Firma, die erst seit 2013 dabei ist. Trotzdem können sie schon ein beachtliches Portfolio und eine stetig wachsende Fanbase vorweisen. Die Markenzeichen ihrer Stühle sind das markante Racing-Design und durchweg robuste Qualität.

Dabei ist die Torretta-XL-Serie der jüngste Zugang und erst seit wenigen Wochen erhältlich. Anders als in den vorherigen Modellen liegt das Augenmerk hier auch auf Kunden, die besonders groß sind oder sich einfach mehr Platz beim Sitzen wünschen. Die Stühle verfügen im Vergleich zum normalen Torretta-Modell über eine 6cm breitere Sitzfläche und Rückenlehne und sind auf bis zu 180kg Belastung ausgelegt.

Wie gut sich der Stuhl im Gaming-Alltag schlägt und ob er sich auch für durchschnittliche Körpermaße eignet, erfahrt ihr in diesem Test. Viel Spaß beim Lesen!

Für die Bereitstellung des Testsamples und das uns damit entgegengebrachte Vertrauen bedanken wir uns herzlich bei CaseKing. Wir hoffen auf eine weiterhin gute und ergiebige Zusammenarbeit.​

Autor: Kim

Verpackung und technische Daten

Wie zu erwarten ist der gelieferte Karton groß. Verdammt groß sogar und mit 25kg bringt er einiges auf die Waage. Er ist schlicht in Braun gehalten und nur die Arozzi-Aufschrift sticht ins Auge. Auf einer kleinen Tabelle ist das enthaltene Modell abgehakt: Torretta XL – black.

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Zuoberst liegt der fünfbeinige Standfuß aus Vollmetall, dessen mehrlagige Umhüllung Kratzer vermeidet. Unter der Papplage findet sich die breite Rückenlehne. Sie ist in dünne Luftpolsterfolie eingeschlagen und füllt die Kartonfläche vollständig aus.

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Außerdem finden sich in der untersten Ebene noch die breite Sitzfläche mit vormontierten Scharnieren und Armlehnen, sowie ein kleinerer Karton mit allen anderen Zubehörteilen. Das Ganze wirkt wenig aufgeräumt und auch die Luftpolsterfolie ist an einigen Stellen eingerissen. Bei so großen Teilen ist das aber zu erwarten und die Teile selbst sind zum Glück nicht beschädigt.

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Der kleinere Karton beherbergt den eisernen Sitz-Unterbau, das Hydraulik-Modul für die Höhenverstellbarkeit und dessen Teleskop-Verkleidung, Plastikschalen für die großen Scharniere, sowie die 5 Rollen und die benötigten Schrauben mit passendem Inbus-Schlüssel. Außerdem finden sich darin ein kleineres Nackenkissen und ein größeres für den Rücken. Beide werden mit Gummizügen über bzw. durch die Rückenlehne gezogen.

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Dabei hat die Teleskop-Verkleidung leider zu viel Druck beim Transport erfahren und ist an der unteren Kante eingedellt. Ob das zu Problem führt, werden wir später sehen.

Technische Daten:

– Gesamthöhe (mit Basis): ca. 122 – 128 cm
– Höhe Unterkante Sitzfläche: ca. 33 – 40 cm
– Höhe Rückenlehne: ca. 88 cm
– Breite Rückenlehne (Schulterhöhe): ca. 57 cm
– Breite Rückenlehne (Beckenhöhe): ca. 45 cm
– Breite Sitzfläche: ca. 48 cm
– Tiefe Sitzfläche: > 46 cm
– Gewicht: ca. 21 kg
– Material: Hartschaum (Polsterung), Stoff (Bezug)
– Farbe: Schwarz
– Maximalbelastung: 180 kg
– Stabile Stahlrahmenkonstruktion
– Bis zu 6 cm breitere Version für Extra-Komfort
– Komfortable Polsterung
– Ergonomisches Design
– Flexible Sitzflächenhöhe
– Armlehnen mit Höhenanpassung und Rotation
– Einstellbare Wippfunktion
– Säule mit Druckluftheber
– Stabile 5-Punkt-Basis

Aufbau und erster Eindruck

Die Montageanleitung besteht aus einer einfachen DIN-A4-Seite die die einzelnen Arbeitsschritte bebildert aufführt.

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Als aller erstes verbindet man Sitzfläche und Rückenlehne. Dazu klappt man am besten das einfache linke Scharnier zur Seite und beginnt mit dem Federscharnier. Man führt die Rückenlehne mit den vorgestochenen Löchern in der Seite hinter die beiden Schraublöcher des Scharniers und zieht 2 breite Schrauben in das dahinter liegende Gewinde. Dabei ist es sehr hinderlich, dass die Löcher nur „reingepiekst“ sind und man sie zuerst mit den Schrauben aufbohren muss. Währenddessen sieht man nämlich nicht, wo genau das Gewinde liegt und muss mehrfach ansetzen, bis man es trifft. Bei diesem Schritt arbeitet es sich leichter, wenn eine zweite Person die Rückenlehne in Position hält.

Danach muss man mit relativ viel Kraft die andere Seite der Lehne hinter das zweite Scharnier drücken. Durch den hohen Anpressdruck trifft man das Gewinde der 2 Schrauben auf dieser Seite etwas leichter. Sind beide Seiten fest angezogen, werden die Scharniere mit den zugehörigen 4 Plastikschalen verkleidet. Diese werden jeweils durch 1-2 kleine Kreuzschlitz-Schrauben gehalten und sitzen fest an Ort und Stelle.

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Der massive Unterbau mit Hebel und Drehknauf zum Einstellen von Höhe und Kippwinkel wird auf der Unterseite der Sitzfläche befestigt. Dazu müssen wieder 4 massive Schrauben durch die kleinen Löcher im Außenmaterial getrieben werden. Das funktioniert auch hier erst nach mehreren Versuchen.

Jetzt ist der Fuß an der Reihe. Als erstes drückt man die Rollen mit ihrem Stil in die Löcher der 5 Arme. Da halten sie ohne Probleme und drehen sich angenehm leicht in alle Richtungen. Der hydraulische Zylinder wird einfach mittig in den Fuß gesetzt und die Teleskop-Kappe darübergestülpt. Die Delle an der Unterseite ist dabei zum Glück nicht im Weg und alles passt aufeinander.

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Abschließend setzt man die fertige Oberschale mit dem Loch auf der Unterseite mittig auf die Zylinderspitze. Alles greift wie es soll und der Stuhl ist einsatzbereit.

Auf den ersten Blick wirkt der Stuhl wirklich sehr breit. Sowohl Sitzfläche als auch Rückenlehne bieten viel Spielraum zu beiden Seiten und der ergonomische Schnitt empfindet den Körperbau nach. Die vielen Stahlbauteile an den Lastpunkten zeugen von der Stabilität und auch die Polster sind jeweils von einer Seite mit Metallringen zusammengefasst.

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Das Sitzpolster besteht aus stabilem Textilgewebe. Die Nähte sehen gut aus und es gibt keine abstehenden Fäden, Fransen oder sonstige Merkmale billiger Produktion. Leider lassen sich die Sitzpolster nicht zum Reinigen lösen. Von hinten ist der Stuhl in Kunstleder mit einer hübschen Musterung eingefasst. Dabei gefällt uns insgesamt das sportliche Design, das an Rennsitze angelehnt ist. Die schwarze Variante ist dabei die mit Abstand am wenigsten auffällige. Wer es bunter mag, kann aus 6 Varianten mit Akzentfarbe auswählen. Die da wären: Blau, Grau, Rot, Azur, Grün und Orange.

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Als erster Eindruck bleibt ein grundsolider und großer Stuhl, der abgesehen von den Kissen und dem Design ziemlich schnörkellos bleibt.

Praxistest

m Stuhl sitzt man wie angegossen. Trotz der breiten Auslegung passe ich mit meinen 70kg Körpergewicht in die Sitzschale, als wäre sie für mich gemacht. Das liegt an den ergonomisch angehobenen Rändern. Bei breiteren Beinen würden sie einfach mehr auf der Schräge aufliegen. Nur nach hinten ist ungewöhnlich viel Platz.

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Gerade da kommt das bewegliche Rückenkissen sehr gut zur Geltung. Dessen Höhe im Rücken kann man je nach Vorliebe zurechtschieben. Zusammen mit dem bequemen Nackenkissen habe ich schnell eine angenehme Sitzposition gefunden, die ich nicht mehr missen möchte.

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Die weichen Nylon-Räder gleiten über meinen Laminatboden, ohne dass man viel nachdrücken muss. Meist reicht eine einfache Fußbewegung und man bewegt sich in die gewünschte Richtung. Auch das Drehen von Sitz und Rädern geht mit sehr wenig Widerstand vonstatten.

Die Armlehnen sind großzügig über eine Rasterung in der Höhe verstellbar. Dazu zieht man einfach einen Hebel unter der Lehne und bringt sie in Position. Sie lassen sich auch etwas nach innen oder außen drehen. Wer also Angst hat, die Armlehnen wären bei diesem Stuhl zu weit entfernt, kann unbesorgt sein. Einfach etwas nach innen drehen, und schon sind sie dichter beim Körper. Natürlich lässt sich über die Hydraulik an der Unterseite auch die Sitzhöhe verstellen. Die 7cm Spielraum sind in Ordnung, könnten aber auch etwas mehr sein.

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Über den Hebel am linken Scharnier lässt sich die Rückenlehne zurückklappen. Etwa 70° geht’s hier nach hinten, also man liegt quasi auf dem Rücken, wenn man den Stuhl ganz öffnet. Durch den stabilen Fuß muss man trotzdem keine Angst haben, nach hinten über zu kippen. Das liegt sich sehr bequem und man kann damit super den Rücken durchstrecken, um sich zu entspannen. Wir hatten das Problem, dass wir die Lehne nicht ganz 90° nach oben richten konnten, sodass man immer ein Stück zurück gelehnt saß. Mit etwas Muskelschmalz konnte man die Lehne aber weiter nach vorne holen, bis man sich gerade anlehnen konnte.

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In den Grunddisziplinen eines guten Büro- und Gamingstuhls kann der Torretta XL also restlos überzeugen. Bei allen Feinheiten, die darüber hinausgehen, sieht es leider nicht so gut aus.

Ein sehr wichtiges Kriterium für einen ergonomischen Stuhl ist, dass der Nutzer angeregt wird, sich zu bewegen. Die Sitzschale des Torretta XL kann zwar „kippeln“, es ist allerdings sehr begrenzt. Über den Knauf auf der Stuhlunterseite kann der Spielraum des Kippelns von „nicht vorhanden“ bis „im Rücken gefühlte 2cm“ eingestellt werden. Gerade wenn die Lehne ganz nach oben geklappt ist, muss man sich regelrecht mit Kraft dagegen stemmen, damit die Lehne sich bewegt.

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Außerdem sollten sich Rückenlehne und Sitzfläche unterschiedlich zueinander bewegen und nach Möglichkeit sollte die Bewegung ganz entkoppelt sein (Synchron- /Asynchronmechanik). Das ist bei dieser Stuhlbauweise leider nicht möglich. Rückenlehne und Sitzfläche sind miteinander verbunden und kippeln nur minimal und gleichzeitig. Auch wie lang die Sitzfläche nach vorne ragt, lässt sich nicht verändern.

Wer jetzt glaubt, das sollte bei so einem teuren Stuhl doch wohl gegen sein, der täuscht. Professionelle ergonomische Schreibtischstühle sprengen gerne die 500€-Marke. Auch die viel empfohlenen, rückenschonenden Swopper-Hocker kosten 550€. Daher ist das, was dieser Stuhl abliefert durchaus vertretbar.

Wer für sein Geld auf Robustheit und das schicke Design verzichten will und lieber etwas mehr Ergonomie möchte, kann sich die preislich vergleichbaren Topstar-Produkte ansehen. Hier achtet man mehr auf ergonomische Vorgaben, dafür gibt es viele Probleme mit klemmenden Rollen und durchgesessenen Polstern. Auch eine günstige Swopper-Alternative ist vorhanden.

Fazit

Mit dem Torretta XL liefert Arozzi einen sehr stabilen und hübschen Stuhl, der in allen Kerndisziplinen restlos überzeugt. Was ergonomische Features angeht, ist wie üblich noch Raum nach oben. Der Preis von 240€ liegt im oberen Mittelfeld. Wer auf die 6cm zusätzliche Breite verzichten kann, sollte auch einen Blick auf den nur 199€ teuren Arozzi Torretta werfen.

Kaum ein Nutzer wird den Kauf bereuen. Das Geld ist hier in ein gutes und langlebiges Produkt angelegt, auf dem man super sitzen und arbeiten kann. Allerdings würde uns die ein oder andere rückenschonende Maßnahme und ein etwas einfacheres Anziehen der Schrauben noch glücklicher machen.

Positiv:
+ Angenehmes Sitzen und Arbeiten
+ Super Rollen und leichtgängige Mechanik
+ Stabile Qualität
+ Viel Platz
+ Zum Liegen aufklappbar
+ Rücken- und Nackenkissen

Negativ:
– Unzureichende Wipp-Funktion
– Länge der Sitzfläche nicht verstellbar
– Schwieriges Zusammenschrauben

Durch die überzeugende Leistung zeichnen wir den Arozzi Torretta mit unserem Gold-Award aus und wünschen allen Käufern viel Spaß mit diesem Stuhl! (CaseKing, Preisvergleich noch nicht verfügbar)

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