Die Crosshair-Reihe zählt seit vielen Jahren zu den Aushängeschildern innerhalb der Republic of Gamers und markiert bei ASUS traditionell die Oberklasse der AMD-Plattform. Mit dem X870E-Chipsatz hat der Hersteller diese Baureihe erneut überarbeitet und stellt mit dem ROG Crosshair X870E Dark Hero ein Modell an ihre Spitze, das sich weniger über einzelne Ausstattungsmerkmale definiert als über sein Gesamtkonzept.
Während viele Hauptplatinen dieser Preisklasse ihre Daseinsberechtigung über immer größere Displays, aufwendige Beleuchtungskonzepte und stetig wachsende Featurelisten begründen, verfolgt das Dark Hero einen deutlich zurückhaltenderen Ansatz. Zwanzig Power Stages für die Kernspannung, fünf M.2-Steckplätze, zwei USB4-Anschlüsse mit 40 Gbit/s sowie 10- und 5-Gigabit-Ethernet beschreiben zwar den Ausstattungsrahmen, erklären jedoch noch nicht, weshalb ASUS für dieses Modell rund 650 Euro aufruft. Gut 150 Euro trennen es vom regulären X870E Hero, ein Aufpreis, der sich über eine bloße Aufzählung kaum rechtfertigen lässt.
Unabhängig von Hersteller und Plattform gilt für ein Mainboard eine Anforderung, die sich in keinem Datenblatt abbilden lässt. Neben der Ausstattung und den reinen Leistungskennwerten muss es vor allem eines sein, nämlich zuverlässig. In der Vergangenheit hatten wir bereits mehrere ausgezeichnete ASUS-Modelle auf Basis der Chipsätze Z690 und Z790 im Test. Umso naheliegender war für uns der Wunsch, den Hersteller nun auch auf der AMD-Plattform genauer zu betrachten. Ursprünglich war dafür das ROG Crosshair 2006 vorgesehen, mit dem ASUS in diesem Jahr das zwanzigjährige Bestehen der Republic of Gamers feiert. Nachdem sich dessen Verfügbarkeit zerschlug und das Dark Hero technisch jedoch nahezu identisch aufgebaut ist, fiel unsere Wahl auf dieses Modell.
Ein Mainboard lässt sich dabei nur schwer über einzelne Messwerte beurteilen. Seine eigentliche Qualität zeigt sich erst im täglichen Betrieb, wenn Speicherprofile zuverlässig geladen, Lastwechsel sauber abgefangen und sämtliche Komponenten stabil angesprochen werden. Genau dort setzen wir in den folgenden Kapiteln an und klären, an welcher Stelle sich der Aufpreis tatsächlich bemerkbar macht und für welche Zielgruppe eine Investition jenseits der 600 Euro sinnvoll ist.
Verpackung, Inhalt, Daten
Verpackung


Bereits die Verpackung lässt keinen Zweifel daran, in welchem Segment sich das ROG Crosshair X870E Dark Hero bewegt. Der mattschwarze Karton verzichtet auf bunte Produktabbildungen und setzt stattdessen auf ein zurückhaltendes Grafikkonzept, aus dem lediglich das holografisch schimmernde Logo der Republic of Gamers sowie der Schriftzug des Modells hervortreten. Ein dezenter Hinweis auf das Jahr 2006 erinnert daran, dass ASUS seine Gaming-Sparte inzwischen seit zwei Jahrzehnten führt.
Nach dem Aufklappen des Deckels setzt sich dieser Eindruck fort. Die Innenseite bleibt nicht ungenutzt, sondern erläutert bebildert die wichtigsten Montagehilfen des Mainboards. M.2 Q-Release, Q-Slide, Q-Latch sowie der PCIe Slot Q-Release werden Schritt für Schritt erklärt, noch bevor man die Hauptplatine überhaupt in Händen hält. Darunter ruht das Board in einem passgenauen Schaumstoffbett und wird zusätzlich von einer geprägten Abdeckung geschützt.


Den eigentlichen Reiz macht jedoch die darunterliegende Zubehörschublade aus. Sie lässt sich an einer Stofflasche herausziehen und trennt das Mainboard konsequent vom übrigen Lieferumfang. Was zunächst nach reiner Inszenierung aussehen mag, folgt bei genauerer Betrachtung einem klaren Gedanken. Struktur und Ordnung bestimmen den gesamten Auspackvorgang und vermitteln von der ersten Sekunde an, dass hier ein Premiumprodukt vor einem liegt. Genau diese Philosophie zieht sich vom ersten Kontakt mit der Verpackung über den ersten Hautkontakt mit dem Board bis hin zu den späteren Benchmarks.
Inhalt

Der Lieferumfang fällt entsprechend umfangreich aus. Neben vier SATA-Kabeln, der WLAN-Antenne und dem Q-Connector finden sich Montagematerial für die M.2-Steckplätze, ein zusätzliches Wärmeleitpad für Laufwerke im Format 22110 sowie die obligatorischen ROG-Beigaben in Form von Aufklebern und Lüfterlabels im Karton. Sämtliche Bestandteile sind sauber sortiert und eindeutig gekennzeichnet, wodurch sich der Überblick zu keinem Zeitpunkt verliert.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen zwei Beigaben. ASUS legt dem Board einen 60 mm großen ROG-Lüfter samt Halterung sowie einen separaten Halter für einen DDR5-Lüfter bei. In unserem Testsystem kamen beide nicht zum Einsatz, da das Antec FLUX Pro Noctua Edition bereits mehr als ausreichend Frischluft bereitstellt. Wer ein Mainboard für 650 Euro erwirbt, sollte ohnehin auch bei den übrigen Komponenten ein angemessenes Niveau anlegen und gerade bei der Belüftung nicht sparen. Dennoch verdeutlicht diese Beigabe, dass ASUS auch das kleinste Detail berücksichtigt und die Entscheidung letztlich dem Anwender überlässt.
Daten
| Technische Daten – ASUS ROG Crosshair X870E Dark Hero | |
|---|---|
| Allgemeines | |
| Chipsatz / Sockel | AMD X870E / AM5 |
| Formfaktor | ATX, 30,5 × 24,4 cm |
| Spannungsversorgung | 20+2+2 Power Stages (20 × 110 A, 2 × 110 A, 2 × 80 A), Extreme Engine Digi+ |
| Speicher | |
| Steckplätze / Kapazität | 4 × DDR5 DIMM, max. 256 GB |
| Taktraten | bis 8600+ MT/s (OC) mit Ryzen 9000, EXPO, NitroPath DRAM |
| Erweiterung und Datenträger | |
| PCIe | 2 × PCIe 5.0 x16 (x16 oder x8/x8) |
| M.2 | 5 Steckplätze, davon 2 × PCIe 5.0 x4, 3 × PCIe 4.0 über Chipsatz |
| SATA | 4 × SATA 6 Gbit/s |
| Anschlüsse (Rückseite) | |
| USB | 2 × USB4 40 Gbit/s Type-C, 6 × USB 10 Gbit/s Type-A, 3 × USB 10 Gbit/s Type-C |
| Weitere | BIOS FlashBack, Clear CMOS, optischer S/PDIF-Ausgang |
| Anschlüsse (intern) | |
| USB | 1 × USB 20 Gbit/s mit bis zu 60 W PD/QC4+, 2 × USB 5 Gbit/s, 3 × USB 2.0 |
| Lüfter | CPU, CPU OPT, AIO-Pumpe, W_PUMP+, 4 × Gehäuse |
| Netzwerk und Audio | |
| LAN | 1 × 10 Gbit/s, 1 × 5 Gbit/s (Realtek) |
| WLAN / Bluetooth | Wi-Fi 7 (MediaTek MT7927), Bluetooth 5.4 |
| Audio | SupremeFX ALC4082 mit ESS ES9219 Quad DAC, 120 dB SNR |
| Sonstiges | |
| Komfortfunktionen | Q-Release, M.2 Q-Latch, Q-Slide, Q-Code, FlexKey, AI Overclocking, AI Cache Boost |
| Garantiezeitraum | 3 Jahre |
| Preis | 650 € |
Details
Verarbeitung und Aufbau

Nimmt man das ROG Crosshair X870E Dark Hero zum ersten Mal in die Hand, fällt unmittelbar das hohe Gewicht auf. Verantwortlich dafür sind die durchgehend massiv ausgeführten Kühlkörper sowie die vollflächige Backplate auf der Rückseite. Beide Elemente sind weit mehr als eine optische Zugabe. Während viele Hauptplatinen ihre Wertigkeit über bedruckte Abdeckungen und Beleuchtung transportieren, entsteht der Eindruck hier über die Konstruktion selbst.

Besonders deutlich wird dies beim Zusammenbau. Beim Anziehen der Kühlerschrauben arbeitet das Board spürbar steif und gibt an keiner Stelle nach. Gerade bei schweren Kühllösungen und Grafikkarten der aktuellen Generation ist dies keineswegs selbstverständlich. Die Backplate im Dark-Hero-Design mag auf den ersten Blick als Designelement erscheinen, erfüllt jedoch eine klar funktionale Aufgabe. Sie vermittelt nicht nur Stabilität, sie stellt sie tatsächlich her.
Sockel und Speicherbereich


Der AM5-Sockel liegt großzügig frei und wird von den Kühlkörpern der Spannungsversorgung eingerahmt, ohne dass diese den Zugang beeinträchtigen. Auch mit montiertem Radiator bleibt ausreichend Raum für den Wechsel des Prozessors. Darüber hinaus liefert ASUS neben dem CPU-Sockel den sogenannten AIO Q-Connector, der speziell für den nahtlosen Anschluss an ROG STRIX LC IV AiO entwickelt wurde. Auch diese befindet sich gerade bei uns im Test und wartet auf Veröffentlichung.


Rechts daneben befinden sich die vier DDR5-Steckplätze. Über ihnen hat ASUS eine feine, aber gut lesbare Beschriftung aufgebracht, die die korrekte Bestückung unmittelbar am Bauteil erklärt. Wer nur zwei Module verbaut, erkennt auf einen Blick, welche Steckplätze zu bevorzugen sind. Was zunächst nach einer Kleinigkeit klingt, erspart in der Praxis den Griff zum Handbuch und verhindert genau jene Fehlbestückung, die anschließend zu instabilem Speicherbetrieb führt.
Spannungsversorgung und Kühlung


Mit zwanzig Power Stages für die Kernspannung sowie jeweils zwei weiteren für SoC und Nebenspannungen ist das Dark Hero deutlich über dem dimensioniert, was ein Ryzen 9 9950X im Serienbetrieb abruft. Genau darin liegt der Sinn dieser Auslegung. Nicht die maximale Belastbarkeit ist entscheidend, sondern die Reserve, mit der die einzelnen Bauteile arbeiten.
Die Kühlkörper über der Spannungsversorgung fallen entsprechend massiv aus und sind über eine Heatpipe miteinander verbunden. Wie wirksam diese Konstruktion arbeitet, zeigte sich während


Ebenso hochwertig präsentieren sich die Stromanschlüsse. Sowohl die beiden ProCool-Anschlüsse für die CPU-Versorgung als auch die Steckplätze für Erweiterungskarten und die DIMM-Sockel sind nach militärischem Standard ausgeführt und mit vollflächigen Metallhülsen versehen. An dieser Stelle findet sich jedoch auch der einzige Punkt, an dem wir uns eine andere Entscheidung gewünscht hätten. Sämtliche Stromanschlüsse ragen senkrecht aus der Platine. Eine um 90 Grad abgewinkelte Ausführung hätte das Kabelmanagement spürbar erleichtert, gerade in einem Gehäuse mit Sichtfenster.

Neben dem 24-poligen Hauptanschluss fällt ein zusätzlicher achtpoliger Anschluss auf. Dieser versorgt nicht etwa die Erweiterungskarten, sondern den internen USB-Anschluss mit 20 Gbit/s und ermöglicht dort eine Ladeleistung von bis zu 60 Watt. Wer die Front-Buchse lediglich zur Datenübertragung nutzt, kann ihn unangetastet lassen.
Datenträger und Erweiterung


Fünf M.2-Steckplätze verteilen sich über die gesamte Platine und werden von zwei großzügig dimensionierten Kühlkörpern abgedeckt. Beide lassen sich vollständig werkzeuglos entfernen, ebenso wie die darunterliegenden Module dank Q-Latch und Q-Slide ohne einzige Schraube fixiert werden.
Was auf dem Datenblatt nach Marketing klingt, erweist sich im Alltag als echter Gewinn. Wer wie wir regelmäßig Komponenten wechselt, spart mit diesen Mechanismen nicht nur Zeit, sondern schont auch das Material. Winzige Schrauben, die im Gehäuse verschwinden, oder Gewinde, die nach dem dritten Wechsel nachgeben, gehören damit der Vergangenheit an.


Gleiches gilt für die beiden PCIe-5.0-Steckplätze. Der obere Steckplatz lässt sich über einen Druckknopf entriegeln, was den Ausbau der Grafikkarte erheblich vereinfacht. Wir hatten Bedenken, ob dieser Mechanismus auch mit einer schweren Karte wie unserer KFA2 GeForce RTX 5070 Ti HOF zuverlässig arbeitet. Diese Sorge erwies sich als unbegründet. Der Knopf bleibt auch unter Last der Karte leichtgängig und entriegelt zuverlässig.
Anschlüsse & Peripherie

Das rückseitige Anschlussfeld ist bereits ab Werk mit einer festen Blende versehen, wodurch der separate Einbau vollständig entfällt. Ein Detail, das den Zusammenbau tatsächlich erleichtert und inzwischen zum guten Ton dieser Preisklasse gehört.
Die Ausstattung selbst bewegt sich in der Oberliga. Zwei USB4-Anschlüsse mit jeweils 40 Gbit/s, neun weitere USB-Anschlüsse mit 10 Gbit/s, ein 10-Gigabit- sowie ein 5-Gigabit-Netzwerkanschluss und Wi-Fi 7 lassen kaum Wünsche offen.
Zwei kleinere Punkte sind uns dennoch aufgefallen. Der Audiobereich beschränkt sich auf zwei Klinkenanschlüsse nebst optischem Ausgang, was für ein Board dieser Klasse etwas knapp ausfällt. In der Praxis relativiert sich dieser Punkt allerdings, da viele Anwender heute auf Bluetooth-Lösungen zurückgreifen und in unserem Testsystem ohnehin eine dedizierte Soundkarte zum Einsatz kommt. Ebenso hätte das Anschlusskabel der WLAN-Antenne etwas länger ausfallen dürfen, um bei größeren Gehäusen mehr Freiheit bei der Platzierung zu bieten.


Im Inneren stehen ausreichend Anschlüsse für Lüfter, Pumpen und Frontpanel zur Verfügung. In unserem Testsystem übernahm die Steuerung des Antec FLUX Pro Noctua Edition die Verwaltung sämtlicher Gehäuselüfter, sodass das Board hier kaum gefordert wurde. Für den Betrieb einer Wasserkühlung nebst mehrerer Lüfter reichen die vorhandenen Anschlüsse jedoch problemlos aus, zumal moderne Lüfter in dieser Preisklasse ohnehin zunehmend über Daisy-Chain-Verkabelung miteinander verbunden werden.
Bedienelemente und Diagnose

Am unteren Rand der Platine hat ASUS jene Bedienelemente untergebracht, die den Unterschied zwischen einem gewöhnlichen Mainboard und einem Enthusiasten-Produkt ausmachen. Neben einem Start- und einem FlexKey-Taster findet sich hier eine zweistellige Q-Code-Anzeige, die im Fehlerfall unmittelbar Auskunft über den Zustand des Systems gibt.
Im normalen Betrieb wird man diese Elemente kaum benötigen. Sobald jedoch ein Fehler eingegrenzt werden muss, zeigt sich ihr Wert. Anstatt auf gut Glück Komponenten zu tauschen, liefert die Anzeige einen konkreten Hinweis.
UEFI und Software
Aufbau und Bedienung

Nach dem ersten Start empfängt uns das UEFI im EZ-Modus und fasst dort zusammen, was für die Inbetriebnahme zunächst genügt. Temperaturen von Prozessor und Hauptplatine, die erkannten Speichermodule samt Bestückung, eine grafische Lüfterkurve sowie die Boot-Reihenfolge liegen auf einer Seite. Wer lediglich ein System aufsetzen möchte, verlässt diese Ansicht in der Regel nicht mehr.


Der erweiterte Modus folgt der bekannten ASUS-Struktur und war für uns entsprechend schnell erfasst. Bemerkenswert ist dabei weniger die Fülle der Einstellungen als die Tatsache, dass wir uns trotz des Plattformwechsels zu keinem Zeitpunkt neu orientieren mussten. Die Menüführung ist logisch aufgebaut, sämtliche Einträge sind eindeutig benannt und die permanent eingeblendete Hardware-Überwachung am rechten Rand liefert jederzeit den aktuellen Zustand des Systems.
Ein Unterschied zu den ASUS-Modellen auf Intel-Basis ist uns dennoch aufgefallen. Während unsere Z790-Boards eine automatische Übertaktung anbieten, die die Leistungsreserven der verbauten CPU selbstständig ermittelt und anwendet, fehlt diese Funktion hier. Das UEFI bewertet zwar weiterhin die Güte des Prozessors sowie die installierte Kühllösung und zeigt beides samt Spannungsprognose an, überlässt die Umsetzung jedoch dem Anwender. Wer den Weg der Automatik sucht, findet ihn stattdessen über Precision Boost Overdrive und den AI Cache Boost.
Speicher und EXPO


Das eigentliche Kernstück des UEFI liegt für uns jedoch an anderer Stelle. Über den Ai Overclock Tuner stehen mit EXPO I, EXPO II und EXPO Tweaked gleich mehrere abgestufte Speicherprofile bereit, ergänzt um die Möglichkeit, diese im laufenden Betrieb zu wechseln.
Ebenso wichtig wie die Verfügbarkeit dieser Profile ist ihr Verhalten in der Praxis. Beim Wechsel zwischen den vorgegebenen EXPO-Stufen verlängerte sich der Startvorgang um etwa zwanzig bis dreißig Sekunden, da das Board den Speicher neu anlernt. Anschließend startete das System wieder in gewohnter Geschwindigkeit. Für einen Vorgang, der ausschließlich bei der Umstellung anfällt, bewegt sich das vollständig im Rahmen.
Anders verhält es sich, sobald zusätzlich in die Taktraten des Arbeitsspeichers oder in die Ratio des Prozessors eingegriffen wird. Hier waren durchaus drei bis vier Neustarts erforderlich, bis sich das System auf die neuen Vorgaben eingependelt hatte. Wer diesen Weg beschreiten möchte, sollte also etwas Geduld mitbringen. Wichtig ist jedoch, dass das Board in keinem dieser Fälle hängen blieb oder eine manuelle Rücksetzung erforderte. Es lernte den Speicher schlicht so lange neu an, bis der Betrieb stabil war, wobei wir hier auch noch im moderaten Bereich von knapp 100 MHz übertaktet haben. Größere Sprünge erfordern dementsprechende wesentlich mehr Zeit, Erfahrung und evtl. Kühlreserven.
Überwachung und Lüftersteuerung


Der Bereich zur Überwachung fällt umfangreich aus und gliedert sich in Temperaturen, Lüfterdrehzahlen, Spannungen sowie die Q-Fan-Konfiguration. Sämtliche Sensoren lassen sich einzeln einsehen, was insbesondere bei der Fehlersuche hilfreich ist.
Die Lüftersteuerung selbst arbeitet mit frei definierbaren Kurven und erkennt angeschlossene Lüfter zuverlässig. In unserem Testsystem übernahm diese Aufgabe die Steuerung des Antec FLUX Pro Noctua Edition, sodass am Board lediglich der Prozessorlüfter sowie die Pumpe der Noctua NL-LC1-36 hingen. Beide wurden korrekt erkannt und ließen sich unabhängig voneinander regeln.
Software

Unter Windows setzt ASUS die Überwachung mit der Armoury Crate fort. Das Dashboard fasst Frequenzen, Temperaturen, Spannungen und Lüfterdrehzahlen übersichtlich zusammen und ermöglicht Anpassungen, ohne das System neu starten zu müssen. Wer sein System einmal eingerichtet hat, wird die Software im Alltag kaum benötigen. Für einen schnellen Blick auf den Zustand des Rechners erfüllt sie ihren Zweck jedoch zuverlässig.
Praxis
Testsystem und Einbau
Für unseren Test kam dasselbe System zum Einsatz, das bereits das Antec FLUX Pro Noctua Edition und die Noctua NL-LC1-36 beherbergte. Neben dem ROG Crosshair X870E Dark Hero arbeiten darin ein AMD Ryzen 9 9950X, 32 GB Crucial Pro OC DDR5 in zwei Modulen, eine KFA2 GeForce RTX 5070 Ti HOF, eine Samsung 980 Pro sowie ein Antec Signature Titanium mit 1.000 Watt. Sämtliche Messungen erfolgten bei einer Raumtemperatur von 24 °C.
Der Zusammenbau selbst verlief ohne jede Auffälligkeit. Die Noctua NL-LC1-36 ließ sich dank der freiliegenden Sockelumgebung montieren, ohne dass Kühlkörper oder Speichermodule im Weg gewesen wären. Auch die Samsung 980 Pro fand ihren Platz, ohne dass ein einziges Werkzeug nötig gewesen wäre. Der Kühlkörper wird angehoben, das Laufwerk eingesetzt, der Q-Latch verriegelt. Was in dieser Kürze beschrieben werden kann, dauert in der Praxis kaum länger.
Beim Einsetzen der Grafikkarte zeigt sich der Vorteil des werkzeuglosen Konzepts erneut. Der Steckplatz nimmt die schwere KFA2 GeForce RTX 5070 Ti HOF sicher auf, während sich der Ausbau über den Q-Release-Knopf jederzeit ohne Verrenkungen erledigen lässt. Wer schon einmal versucht hat, den Verriegelungshebel eines PCIe-Steckplatzes unter einer ausladenden Grafikkarte zu ertasten, weiß diesen Komfort zu schätzen.
Benchmarks
Ein Mainboard beeinflusst die Leistung eines Systems nicht unmittelbar. Wohl aber entscheidet es darüber, welche Reserven sich aus den übrigen Komponenten überhaupt abrufen lassen. Genau hier setzt unsere Messreihe an.
Wir haben das System in vier Zuständen vermessen. Den Ausgangspunkt bildet der Auslieferungszustand, in dem der Arbeitsspeicher mit 5.600 MHz und den Timings 46-45-45-90 arbeitet. Darauf folgen die drei Profile, die das UEFI über den Ai Overclock Tuner bereitstellt: EXPO I, EXPO II sowie EXPO Tweaked. Sämtliche Einstellungen entstammen dem Menü des Boards. Manuell eingegriffen haben wir zu keinem Zeitpunkt während der Ergebnisreihe.
Gerade diese Vorgehensweise erschien uns sinnvoll. Wer ein Mainboard dieser Klasse erwirbt, sollte nicht gezwungen sein, sich mit Spannungen und Subtimings auseinanderzusetzen, um die Leistung seines Speichers abzurufen.
AIDA64 Cache & Memory
Im Speicherbenchmark zeigt sich unmittelbar, worum es bei diesen Profilen geht. Im Auslieferungszustand erreichte unser System einen Lesedurchsatz von 64.984 MB/s, schrieb mit 69.651 MB/s und kopierte mit 59.977 MB/s. Die Latenz lag bei 97,4 Nanosekunden.
Bereits die Aktivierung von EXPO I verändert dieses Bild grundlegend. Der Speicher arbeitet nun mit 6.400 MHz bei deutlich schärferen Timings von 32-40-40-103, während der Takt des Speichercontrollers von 1.400 auf 1.600 MHz steigt. Der Lesedurchsatz klettert auf 77.148 MB/s, das Schreiben auf 83.014 MB/s und das Kopieren auf 72.660 MB/s. Noch aussagekräftiger fällt jedoch die Latenz aus, die von 97,4 auf 80,7 Nanosekunden fällt.
EXPO II lieferte in unserem Fall keine nennenswerte Veränderung. Mit 77.430 MB/s beim Lesen und 80,9 Nanosekunden Latenz bewegen sich beide Profile innerhalb der Messtoleranz. Das ist keine Schwäche des Boards, sondern eine Eigenschaft der Speichermodule, deren zweites Profil hier schlicht keine weiteren Reserven freilegt.
Der eigentliche Sprung gelingt erst mit EXPO Tweaked. Hier erreichte unser System 82.074 MB/s beim Lesen, 89.517 MB/s beim Schreiben und 78.224 MB/s beim Kopieren, während die Latenz auf 74,5 Nanosekunden sank. Gegenüber dem Auslieferungszustand entspricht dies einem Zuwachs von rund 26 Prozent beim Lesedurchsatz bei gleichzeitig um knapp ein Viertel reduzierter Latenz. Erreicht wurde dies durch die Auswahl eines einzigen Menüpunkts.
Cinebench R23
Deutlich nüchterner fällt das Ergebnis in der Anwendungsleistung aus. Im Multi-Core-Durchlauf erreichte der Ryzen 9 9950X im Auslieferungszustand 42.828 Punkte. Mit EXPO I waren es 42.335, mit EXPO II 42.271 und mit EXPO Tweaked 42.449 Punkte. Auch im Single-Core-Test bewegen sich sämtliche Werte zwischen 2.158 und 2.172 Punkten.
Diese Zahlen verdienen eine Einordnung. Sämtliche Abweichungen liegen unterhalb von 1,3 Prozent und damit innerhalb dessen, was zwischen zwei Durchläufen ohnehin schwankt. Ein Renderer wie Cinebench arbeitet nahezu vollständig innerhalb der Recheneinheiten und des Caches. Der Arbeitsspeicher spielt dabei kaum eine Rolle, weshalb sich auch ein um 26 Prozent höherer Durchsatz nicht in Punkten niederschlägt.
3DMark Steel Nomad
Ein vergleichbares Bild ergibt sich in der Grafikleistung. Unsere KFA2 GeForce RTX 5070 Ti HOF erreichte im Auslieferungszustand 7.039 Punkte, mit EXPO I 7.052, mit EXPO II 7.051 und mit EXPO Tweaked 7.028 Punkte. Die Bildraten bewegten sich durchgehend um 70,3 bis 70,5 Bilder je Sekunde.
Auch hier gilt: Der Test läuft vollständig im Grenzbereich der Grafikkarte. Solange der Prozessor nicht limitiert, verändert ein schnellerer Arbeitsspeicher an diesem Ergebnis nichts. Wer sich vom Wechsel des Speicherprofils höhere Bildraten erhofft, wird an dieser Stelle enttäuscht.
CrystalDiskMark
Die Samsung 980 Pro lieferte über sämtliche Zustände hinweg konstante Leseraten zwischen 6.681 und 6.731 MB/s im sequenziellen Zugriff. Beim Schreiben bewegten sich Auslieferungszustand, EXPO I und EXPO II einheitlich bei rund 2.240 MB/s.
Der Durchlauf unter EXPO Tweaked fiel mit 4.950 MB/s beim sequenziellen Schreiben deutlich aus der Reihe. Dieses Ergebnis dem Speicherprofil zuzuschreiben, wäre jedoch unseriös. Ein Wert, der sich verdoppelt, während der Lesedurchsatz unverändert bleibt, deutet auf den Zustand des SLC-Caches des Laufwerks hin, der zum Zeitpunkt der Messung offenbar vollständig zur Verfügung stand. Festzuhalten bleibt daher lediglich, dass die Anbindung der Laufwerke von den Speicherprofilen unberührt bleibt.
Temperaturen und Betriebsverhalten
Im Leerlauf pendelte sich der Ryzen 9 9950X bei durchschnittlich 49,9 °C ein, bei einer Leistungsaufnahme von rund 44 Watt. Die Hauptplatine meldete konstant 33 °C, die Speichermodule 33,8 beziehungsweise 33,3 °C. Der Prozessorlüfter drehte dabei mit 568 U/min, die Pumpe der NL-LC1-36 mit rund 2.118 U/min.
Unter Volllast stieg die Temperatur des Prozessors auf maximal 78,5 °C, während sich über den gesamten Durchlauf ein Mittelwert von 68,4 °C ergab. Die Leistungsaufnahme erreichte dabei Spitzenwerte von 200 Watt bei einem Durchschnitt von knapp 149 Watt. Eine thermische Drosselung trat zu keinem Zeitpunkt auf.
Bemerkenswert bleibt vor allem die Hauptplatine selbst. Trotz dieser Leistungsaufnahme erwärmte sie sich lediglich auf 34 °C. Deutlicher lässt sich kaum belegen, wie großzügig die Spannungsversorgung dieses Boards ausgelegt ist. Sie arbeitet schlicht nicht an ihrer Grenze.
Alltag versus Custom OC
Über den gesamten Testzeitraum hinweg gab sich das Dark Hero keine Blöße. Sämtliche Komponenten wurden zuverlässig erkannt, das System startete stets ohne Verzögerung und auch nach dem Wechsel zwischen den Speicherprofilen kehrte der Rechner jedes Mal in einen stabilen Zustand zurück. Ein manueller Eingriff war zu keinem Zeitpunkt erforderlich. Genau darin liegt aus unserer Sicht die eigentliche Qualität dieses Mainboards. Es verlangt keine Aufmerksamkeit. Nach der Einrichtung tritt es vollständig in den Hintergrund und überlässt die Bühne den Komponenten, die es versorgt.
Wer es jedoch genau wissen will und sich nicht vom Gewährleistungsanspruch beeindruckt fühlt, kann hier etwas tiefer in die Trickkiste des UEFIs greifen. Wir wollen herausfinden, welche Reserven darüber hinaus in diesem Board schlummern.


Dazu haben wir Precision Boost Overdrive aktiviert, die Grenzwerte dem Mainboard überlassen und den Scalar manuell auf 10X gesetzt. Ergänzt wurde dies um ein Boost Clock Override von 200 MHz sowie einen Curve Optimizer, der beide CCDs um jeweils 25 Stufen negativ verschiebt. Letzteres senkt die anliegende Spannung und schafft damit erst den thermischen Spielraum für die höheren Taktraten.

Das Ergebnis fiel deutlicher aus als erwartet. Die beiden bevorzugten Kerne erreichten bis zu 5.920 MHz, während sich die übrigen bei rund 5.650 MHz einpendelten. Im Cinebench R23 stieg das Multi-Core-Ergebnis auf 46.167 Punkte. Gegenüber dem Auslieferungszustand mit 42.828 Punkten entspricht dies einem Zuwachs von 7,8 Prozent.
Bemerkenswert ist dabei weniger das Ergebnis selbst als die Erkenntnis dahinter. Während sämtliche Speicherprofile in der Anwendungsleistung wirkungslos blieben, zeigt sich hier, woran ein Mainboard tatsächlich Anteil hat. Nicht der Speicher entscheidet über diese Reserve, sondern die Spannungsversorgung.
Kostenlos ist dieser Zugewinn allerdings nicht. Die Temperatur des Prozessors stieg auf 89,8 °C, während an den beiden CCDs knapp über 94 °C anlagen. Auch die Spannungsversorgung erreichte mit 69,8 °C ein deutlich höheres Niveau als im Serienbetrieb, blieb damit jedoch nach wie vor weit von einem kritischen Bereich entfernt.
Wir betrachten diesen Ausflug ausdrücklich nicht als Teil unserer Bewertung. Eine Übertaktung fällt weder unter die Zusicherungen des Herstellers noch unter die Gewährleistung, und wer sie nicht benötigt, verzichtet auf nichts. Festzuhalten bleibt lediglich, dass das ROG Crosshair X870E Dark Hero auch diesen Betriebspunkt ohne Anzeichen von Instabilität trug.
Fazit
Mit dem ROG Crosshair X870E Dark Hero hat ASUS ein Mainboard geschaffen, das seine Qualitäten nicht über Effekte, sondern über seine Konstruktion transportiert. Massive Kühlkörper, eine vollflächige Backplate, zwanzig Power Stages für die Kernspannung und eine durchgehend werkzeuglose Mechanik ergeben ein Gesamtbild, das während unseres gesamten Testzeitraums keinerlei Zweifel aufkommen ließ.
Besonders deutlich zeigt sich dies bei den Temperaturen. Selbst bei einer Leistungsaufnahme von 200 Watt an unserem Ryzen 9 9950X erwärmte sich die Hauptplatine auf lediglich 34 °C. Eine thermische Drosselung trat zu keinem Zeitpunkt auf, ebenso wenig ein instabiler Zustand, ein fehlerhafter Start oder eine Komponente, die nicht sofort erkannt worden wäre. Genau darin liegt die eigentliche Stärke dieses Boards. Es arbeitet nicht an seiner Grenze, sondern weit darunter, und genau das macht es unerschütterlich.
Die Messwerte verdienen dabei eine ehrliche Einordnung. Über die abgestuften EXPO-Profile stieg der Lesedurchsatz des Arbeitsspeichers von 64.984 auf 82.074 MB/s, während die Latenz von 97,4 auf 74,5 Nanosekunden sank. Ein Zuwachs von rund 26 Prozent, erreicht durch die Auswahl eines einzigen Menüpunkts. In Cinebench und im Steel Nomad blieb davon jedoch nichts übrig. Sämtliche Abweichungen bewegten sich unterhalb von 1,3 Prozent und damit im Bereich der Messtoleranz. Wie viel Reserve tatsächlich in diesem Board steckt, zeigte sich abseits unserer eigentlichen Messreihe. Mit aktiviertem Precision Boost Overdrive und angepasstem Curve Optimizer stieg das Multi-Core-Ergebnis unseres Ryzen 9 9950X um 7,8 Prozent, während die Spannungsversorgung bei 69,8 °C verharrte. Notwendig ist dieser Schritt für niemanden, und abgesichert ist er ebenso wenig. Er verdeutlicht jedoch, wofür der Aufpreis dieses Mainboards letztlich steht. Nicht für höhere Bildraten, sondern für Reserven, die nur derjenige abruft, der sie tatsächlich benötigt.
Ganz ohne Kritik bleibt auch das Dark Hero nicht. Sämtliche Stromanschlüsse ragen senkrecht aus der Platine, wo eine um 90 Grad abgewinkelte Ausführung das Kabelmanagement spürbar erleichtert hätte. Der Audiobereich fällt mit zwei Klinkenanschlüssen knapp aus, und auch das Anschlusskabel der WLAN-Antenne hätte in größeren Gehäusen etwas mehr Spielraum vertragen. Sämtliche Punkte bewegen sich auf einem Niveau, das den Gesamteindruck nicht trübt, in dieser Preisklasse jedoch erwähnt werden darf.
Damit kommen wir zur entscheidenden Frage. Rund 636 Euro sind eine Ansage, zumal der Einstieg in denselben Chipsatz bereits bei etwa 210 Euro beginnt und das reguläre Crosshair X870E Hero rund 146 Euro günstiger ausfällt. Wer ein System aus einer Grafikkarte, einer SSD und einem gewöhnlichen Heimnetz betreibt, wird von diesem Board nicht ein einziges zusätzliches Bild pro Sekunde erhalten. Für den ein oder anderen Spieler ist es schlicht überdimensioniert, und die Differenz wäre in einer stärkeren Grafikkarte deutlich besser aufgehoben. Seine Berechtigung findet das Dark Hero bei einer anderen Zielgruppe. Wer zehn Gigabit im Heimnetz betreibt, mehrere NVMe-Laufwerke gleichzeitig ansprechen möchte, USB4-Peripherie einsetzt und seine Hardware regelmäßig wechselt, verfügt über genau jene Infrastruktur, die dieses Board voraussetzt, um seine Stärken auszuspielen. Für Enthusiasten, die ihrer Plattform alles abverlangen und dabei auf absolute Zuverlässigkeit angewiesen sind, ist es eine ausgesprochen konsequente Wahl. Dass es dabei auch noch zeitlos aussieht, ist ein angenehmer Nebeneffekt, aber eben nicht mehr als das.
Ein Mainboard bemerkt man in der Regel erst dann, wenn es Fehler macht. Das ROG Crosshair X870E Dark Hero haben wir während des gesamten Testzeitraums nicht bemerkt.
Pro:
+ Hervorragende Verarbeitung und massive Bauweise
+ Großzügig dimensionierte Spannungsversorgung mit ausreichend Reserven
+ Vollständig werkzeuglose Montage von M.2-Laufwerken und Erweiterungskarten
+ Umfangreiche Anschlussausstattung mit zwei USB4-Ports sowie 10- und 5-Gigabit-Ethernet
+ Fünf M.2-Steckplätze
+ Abgestufte EXPO-Profile ohne manuellen Eingriff
+ Übersichtliches UEFI mit umfangreicher Sensorik
Kontra:
– Keine um 90 Grad abgewinkelten Stromanschlüsse
– Audiobereich mit nur zwei Klinkenanschlüssen
– Kurzes Anschlusskabel der WLAN-Antenne
– Keine automatische Übertaktung wie auf den Intel-Modellen

























