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Neumünster will FTTH statt Vectoring

Beinahe sah es so aus, als würde sich die Telekom endlich dem dringend notwendigen Ausbau von FTTH (Fiber to the Home, Glasfaser bis zum Haus) geschlagen geben. Doch nun meint man in Vectoring eine zwar deutlich weniger nachhaltige, aber dafür deutlich günstigere Lösungsstrategie gefunden zu haben, die man die kommenden Jahre verfolgen will. Das stößt nicht ohne Grund auf viel Missfallen bei Gemeinden und Verbrauchern. Nun haben sich die Stadtwerke der Gemeinde Neumünster entschieden, das Unheil auf eigene Faust abzuwenden. Bis 2022 sollen 27% der Gemeinden Schleswig-Holsteins mit der schnellen Glasfaser-Anbindung erschlossen werden. Dafür sollen mehrere Ausschreibungen getätigt und mit kommunalen Zweckverbänden kooperiert werden. Das Gesamtinvestitionsvolumen aller Beteiligten beläuft sich dafür bis 2022 auf 420 Mio. Euro. Zunächst sollen nur 50 oder 100 MBit/s angeboten werden. Anders als beim Vectoring gibt es auf den Glasfasern bei der Übertragungsgeschwindigkeit in Zukunft aber noch viel Raum nach oben.

Ein Angebot für eine Investitions- und Ausbauzusage wurde bereits bei der Bundesnetzagentur eingereicht. Damit sich der Ausbau auch in den ländlichen Regionen rechnet, hoffen die Stadtwerke Neumünster auf das alleinige Ausbaurecht, auch in den lukrativen Nahbereichen um die Netz-Hauptverteiler. Das würde dem exklusiven Vectoring-Ausbau der Telekom entgegen wirken, die bis 2018 alle Hauptverteiler mit Vectoring erschlossen haben wollten. Beim Vectoring werden aber lediglich die alten Kupfer-Drähte weiter ausgereizt, während der notwendige Glasfaserausbau verschleppt wird. Deutschland ist im internationalen Vergleich der durchschnittlichen Breitbandanbindung seit Jahren von Vorreitern wie Süd-Korea weit abgeschlagen, während das Internet wirtschaftlich besonders für Start-Ups und ländliche Regionen immer wichtiger wird. Dementsprechend hoffen wir auf ein gutes Gelingen des Vorstoßes der Stadtwerke Neumünster und eine daraus möglicherweise resultierende Einsicht der großen Netzbetreiber.

Quelle: Golem.de