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NZXT Kraken X61 – Spielzeug oder ernsthafter Gegner?

Mit dem NZXT Kraken X61 will NZXT auch bei größeren All In One-Kühllösungen mitmischen und einige Funktionen anbieten, die ihre Kraken X61-Wasserkühlung von der Konkurrenz abheben. Die besagten Funktionen sind: Miltucolor-LED auf dem CPU-Kühlerblock, CAM-Software und App (aktuell nur iOS, Android soll Q1 2015 kommen, war aber zum Review-Zeitpunkt nicht verfügbar) um die Kühlung über den PC sowie passende Apple-Geräte zu steuern.
Die Kraken X61 Wasserkühlung ist das größte (mit 280mm) erhältliche Modell von NZXT, die anderen 2 Modelle sind jeweils die Kraken X31 & X41, 120 & 140mm groß.

Wir danken Caseking für die Bereitstellung dieser Wasserkühlung und das entgegengebrachte Vertrauen und hoffen weiterhin auf eine hervorragende Zusammenarbeit!

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Autor: cryonic

Verpackung und Hardware

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Die Verpackung ist stabil. in einem großen Karton kommt die AiO-Wasserkühlung an und sie ist gut verpackt. Alle Schrauben und Befestigungselemente sind in Plastiktüten verpackt, der 280mm große Radiator kommt mit einer Kartonschale überzogen und über den CPU-Kühler mit bereits aufgetragener Wärmeleitpaste ist eine Plastikabdeckung, die guten Schutz für die empfindliche Kupferoberfläche vom CPU-Kühler und die darauf aufgetragene Wärmeleitpaste bietet. Das ganze ist in einer Schale untergebracht, so wie sie auch für Eierkartons benutzt wird. Sicher und umweltfreundlich, so mögen wir das. Die Verpackung schützt gut beim Transport, hilft leider nicht bei Beschädigungen die beim Herstellungs-&Verpackungsvorgang passieren. So hat der Radiator einige verbogene Lamellen – dies wirkt sich zwar nicht auf die Kühlleistung aus, sieht aber nicht schön aus und sollte bei neuen Produkten nicht passieren.

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Die Hardware ist schön und sauber verarbeitet. Die Kabel sind gesleeved in schwarz und das praktisch auf die ganze Länge. Die Lüfter sind schwarz/weiß, vorne ist kein Aufkleber oder Logo zu sehen, was diese Lüfter gerade mit UV-Beleuchtung zum richtigen Hingucker macht.
Die Wärmeleitpaste ist zwar kreisförmig angebracht, dafür aber gleichmäßig und sauber. Oben auf dem Waterblock ist ein Aufkleber „Connect pump before turning on!“ – dieser geht leicht ab und hinterlässt keine Kleberspuren. Allgemein ist diese Warnung nicht schlecht und nicht jeder Hersteller hat eine. Jeder der eine Wasserkühlung kennt, weiß es, aber für absolute Neulinge die über eine Kompaktwasserkühlung den Einstieg in diese Welt machen, ist es eine gute Sache.
Ich hätte mir etwas mehr Zubehör gewünscht, wie z.B. mehr Schrauben falls man diese verliert etc. Es sind genau so viele beiliegend, wie für die Installation benötigt werden, mehr nicht. Diese sind aber in einem hervorragenden Zustand und können sich sehen lassen.

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Installation

Die Installation gestaltet sich nicht all zu schwierig, allerdings ist die Anleitung nicht dafür geeignet. In der Anleitung werden wir auf die offizielle NZXT-Seite geschickt wo wir eine detailreiche und animierte Anleitung passend für den eingesetzten Sockel bekommen. Diese sieht zwar sehr gut aus, aber man darf nicht von jedem Nutzer erwarten, ein funktionsfähiges Gerät mit Internetzugang bei der Installation bereitzustellen um die Anleitung auch abrufen zu können. Ein CPU-Kühler sollte ein gutes Handbuch erhalten um auch im schlimmsten Fall ohne Internetzugang eine saubere, ordentliche Installation gewährleisten zu können. Ansonsten sind alle Kleinteile dabei, die Installation nimmt etwa 5-10 Minuten in Anspruch bei einem erfahrenen Nutzer und lässt sich auch ohne Anleitung durchführen, wenn entsprechende Erfahrung mit kompakten Wasserkühlungen vorhanden ist.
Mit 400mm Länge sind die Schläuche lang genug, um auch in einem Big Tower den Radiator vorne oder unten anzubringen. In einem kleinen Gehäuse dürfte dies störend auffallen, diese Kühlung ist mit 280mm Radiatorgröße und angepeilter Leistung eher auf highend ausgelegt und verlangt ein entsprechendes Gehäuse um installiert zu werden.

Ja auf dem Bild unten ist die ganze einseitige Anleitung und der Hinweis, auf der Homepage von NZXT die vollständige (animierte!) Anleitung runterzuladen.

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Mit folgenden Sockeln ist diese Wasserkühlung kompatibel:
Intel LGA 2011-3, 1366, 1156, 1155, 1150 CPUs
AMD FM2, FM1, AM3+, AM3, AM2+, AM2 CPUs

Damit sich die Kühlung nicht langweilt, wird sie auf dem 2011-V3 Sockel installiert – da tummeln sich bei Intel die Prozessoren, die nach leistungsfähiger Kühlung schreien und sich am besten unter Wasser fühlen. Theoretisch sollte die Kühlung mit den älteren 2011 Prozessoren kompatibel sein, angeben ist aber nur 2011-V3 und daran halten wir uns.

Um das größere Modell entsprechend testen zu können, kommt das folgende System zum Einsatz:

– ASUS X99-A Motherboard
– Intel i7 5820K CPU, OC 4,4GHz @ 1,25V
– Crucial Ballistix Sport DDR4 2400Mhz RAM @ 2666MHz CL16
– Phanteks Enthoo Luxe Gehäuse
– 4x Enermax TB.Silence 140mm Lüfter, 650RPM (fixed).
– Gigabyte GTX 970 Windforce 3x GPU, die im idle kaum Abwärme produziert.
– Be Quiet! Pure Power 530W L8 CM Netzteil

Wegen der nicht ausreichend aufgetragenen Wärmeleitpaste kommt die Arctic MX-4 zum Einsatz, eine sehr beliebte, weit verbreitete und günstige WLP.
Auf den Einsatz der Gelid GC-Extreme und der Coollaboratory Liquid Ultra wurde verzichtet, diese sollten aber noch einige °C rausholen können, das sind 2 der besten WLP auf dem Markt.

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Software

NZXT bietet für Windows die CAM-Software zum download an (keine CD beiliegend!). Für iOS gibt es eine App, für Android noch nicht, das offizielle Datum auf der Seite: Q1 2015.
Da hier keine iOS Geräte von Apple vorhanden sind, lassen wir den Test von der App aus und reichen diesen später in der Textversion oder als Video nach, dasselbe gilt für die Android-App sobald diese verfügbar ist.
Unter Windows funktioniert die Software problemlos, lässt sich schnell installieren und recht einfach bedienen. Sie bietet folgende

Funktionen und Einstellungen:

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Basic Mode: Anzeigen von Temperaturen für CPU (einzelne Kerne & Package), CPU/GPU/RAM/NET/HDD/FAN-Auslastung bzw. Geschwindigkeiten, einen Login bei NZXT (für diesen sollte man sich bei NZXT registrieren, der Login ist mit der Cloud verbunden und ist für die App notwendig) und ein Notifications-Fenster an wo alle relevanten Warnungen angezeigt werden (unter anderem CPU & RAM-Auslastung und Temperaturen für das Motherboard und die CPU, dazu die Hinweise welche Temperaturen für die Hardware über längere Zeit gefährlich werden können).

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Advanced Mode (Kraken):
LED-Steuerung bestehend aus 3 Modi (blinken, atmen und leuchten) + Temperaturwarnung über LED-Farbe mit einstellbarer max. Temperatur.
Pumpen-&Lüftersteuerung, voreingestellte Profile „silent“ und „performance“ sowie „custom“ & „manual“ für die Steuerung durch den Benutzer.
Kurve für die Pumpe und die Lüfter um diese im „manual“ & „custom“-Mode entsprechend einzustellen.
Temperaturanzeige für Liquid, also Flüssigkeitstemperatur, gibt es nur in dem Advanced Mode.

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Die Software an sich läuft stabil, hat eine Autostart-Funktion bei Windows. Dazu gibt es mehrere Sprachen, unter anderem Deutsch, Englisch und Russisch, die Übersetzung ist gut. Die Lüfter-&Pumpensteuerung funktioniert einwandfrei und immer, die LED-Steuerung ist zickig und funktioniert in 1 von 5 Versuchen. Leider ist der Grund dafür nicht auffindbar, da die Software noch frisch ist und sich teilweise noch in Entwicklung befindet (App für Android), lassen wir dies noch als „early version bug“ durchgehen.
Was allerdings gar nicht geht, ist die hohe CPU-Auslastung durch die CAM-Software, sie gönnt sich bis zu 15% CPU-Auslastung (Advanced Mode), im Schnitt liegt sie über 10% CPU-Auslastung, auch wenn die Anwendung minimiert wird. Dies kann man nicht mehr durch eine frühe Version entschuldigen, es gab mehrere Updates wo das Problem nicht behoben wurde. Eine entsprechende Fehlermeldung wurde an NZXT gesendet (Forumpost), bislang keine Auskunft darüber. Vergesst nicht, getestet wurde die i7 5820K CPU mit 4,4GHz, bei kleineren Modellen dürfte sich die Software schnell ihre 30% CPU-Auslastung sichern was absolut unbrauchbar ist.
Auch ohne die Software funktioniert die Kühlung wunderbar, lässt sich aber natürlich nur über PWM/FAN-Voltage steuern.

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Kühlleistung und Lautstärke

Als aller erstes kommen wir zum ersten Problem. Das hätte bei der Installation stehen sollen, ist aber recht speziell und sollte eher selten ein Problem darstellen. Die mitgelieferte und bereits aufgetragene Wärmeleitpaste ist kreisförmig aufgetragen und leider ist der Kreis zu klein für eine 2011-V3 CPU. Nach dem ersten Installationsversuch und erschreckenden Temperaturmessungen und anschließender Demontage vom Kühler das Fazit: Nur knapp 60% vom Heatspreader sind mit der Wärmeleitpaste bedeckt, die Wärmeübertragung leidet merklich darunter, also weg damit und neu machen. Wer eine CPU mit einem großen Heatspreader einsetzt, sollte gleich die Wärmeleitpaste mitbestellen und sie vor dem ersten Einsatz auswechseln. Hierbei empfehlen wir die Gelid Solitions GC-Extreme (nicht leitfähig) oder die Coollaboratory Liquid Pro (leitend, Flüssigmetall) für übertakten oder eine günstige, bewährte Wärmeleitpaste wie die Arctic MX-4 für den Alltag oder für Prozessoren unter 100W TDP.
Auf jeden Fall ist nach der ersten Installation eine Temperaturmessung angesagt, ist die Temperatur zu hoch, lohnt sich ein Blick auf den CPU-Kühlerblock und die Wärmeleitpaste – ist die Wärmeleitpaste auf dem kompletten Heatspreader verteilt und ist der Anpressdruck hoch genug?

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Temperatur:

Die Messung erfolgt über die mitgelieferte CAM-Software sowie CoreTemp in 3 Stufen: Idle, Alltagslast und Stresstest.
Dazu wird jeder Modus einzeln durchgetestet: Manual, Custom, Silent & Performance.
Pumpen-&Lüftersteuerung erfolgt über die hauseigene Software, so wie es auch von NZXT geplant ist.

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Lautstärke:
Lautstärke wird mit einem Kondensatormikrofon & einem Mikrofonvorverstärker gemessen, in einem nicht abgeschirmten Raum mit Hintergrundgeräuschen, in einem Abstand von 50cm über dem Gehäuse (der Radiator wird oben installiert, somit wird „outtake“ gemessen“). Die restlichen Lüfter (Gehäuse) werden dabei ausgeschaltet, Netzteillüfter & Grafikkartenlüfter laufen entsprechend weiter und werden nicht heruntergeregelt.

Silent Mode (Voreinstellung 25% Fan Speed): 40,9db(A)
Performance Mode (Voreinstellung 75% Fan Speed): 52,2 db(A)
Manual Mode (100% Fan Speed eingestellt): 57,7db(A)
Custom Mode (75% Fan Speed ab 70°C): 51,9db(A)

Fazit Lautstärke: Im Silent Mode ist die Kühlung leise, aber hörbar aus 1,5m Entfernung.
Alles über 50% Fan Speed meldet sich sofort mit lautem Krach, 100% sind auch durch eine geschlossene Tür deutlich hörbar und erinnern stark an einen Staubsauger im Zimmer. So hohe Einstellungen sollten nur zum testen und starkem übertakten benutzt werden, es ist einfach zu laut für den Alltag. Für einen leisen Betrieb fehlt der Kühlung einfach die Radiatorfläche. Sie ist zwar mit 280mm schon ordentlich, allerdings ist der Radiator nur 27mm dick und das macht sich bemerkbar. Um bei dieser geringen Radiatorfläche eine starke Kühlung zu erreichen, sind schnelle, laute Lüfter nötig, wie sie von NZXT auch mitgeliefert werden. Durch einen Lüftertausch könnte man ein wenig rausholen, aber der Radiator setzt hier sehr schnell Grenzen.

Fazit

Mit der NZXT Kraken X61 Wasserkühlung ist NZXT ein interessantes Produkt gelungen.
Preislich weit oben angesiedelt (159,90 bei Caseking.de am 14.03.2015), bietet die Wasserkühlung einige Vorteile gegenüber der Konkurenz.
LED-Beleuchtung (NZXT-Logo auf dem waterblock) lässt sich farblich auf die restlichen Komponenten abstimmen, die Software ist funktional (zickt aber etwas rum) und kann die Wasserkühlung schnell und einfach steuern, für Apple-Nutzer gibt es noch eine App die auch Unterwegs dank Cloud-Funktion einsetzbar ist und die gut gewählten Voreinstellungen rechtfertigen den Preis. Die Installation ist einfach und die kleinen Probleme wie der Onlinezwang für die Software & das vollständige Handbuch und die nicht zu 100% ausgereifte Software sowie die leicht verbogenen Lamellen und die nicht passend aufgetragene Wärmeleitpaste trüben den guten Eindruck nur minimal.
Wer will, kann weiter investieren, Lüfter & Wärmeleitpaste tauschen. Dann kommt man allerdings in einen Bereich, wo auch eine custom Wasserkühlung der unteren Preisklasse reinpasst, die deutlich flexibler ausfallen würde.

Die Wasserkühlung schafft es, eine stark übertaktete i7 5820K CPU unter Prime95 stabil zu halten, die Lautstärke hält sich in vernünftigen Grenzen und dank der Software kann man schnell die Lautstärke und die Leistung an die eigenen Anforderungen anpassen.
Wer das nötige Kleingeld sowie genug Platz für einen 280mm-Radiator hat, kann hier bedenkenlos zugreifen. Für einen Silent-PC ist diese Wasserkühlung nicht geeignet, wobei hier alle All In One Wasserkühlungen versagen – zu laute Lüfter, zu wenig Radiatorfläche und eine hörbare Pumpe verhindern den Einsatz in einem (nahezu) unhörbarem System.
Alles in allem eine gute Kompaktwasserkühlung mit wenigen Macken die auch behoben werden können (Softwareupdates), guter Hardware, interessantem Design und ordentlicher Leistung die sich durch neue Funktionen von der massiven Konkurrenz in diesem Bereich abheben kann. Die Schwächen sind typisch für AiO Wasserkühlungen und lassen sich erst durch deutlich mehr Aufwand und zu einem hohen Preis einer custom Wasserkühlung umgehen.

Pro:
+ Leistungsstark
+ Einfach zu installieren
+ Softwaresteuerung
+ Farblich anpassbar

Contra:
– Laut
– Teuer
– Unausgereifte Software
– 280mm Radiator schränkt die Gehäusekompatibilität stark ein

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