Prusa Research wurde 2012 von Josef Průša gegründet und entwickelt im tschechischen Prag 3D-Drucker, deren Hardware und Software in weiten Teilen quelloffen sind. Gefertigt wird innerhalb der EU, angeboten werden die Geräte sowohl fertig montiert als auch als Bausatz.
3D-Drucker dieser Art arbeiten im FDM-Verfahren, auch FFF genannt. Dabei wird ein Kunststofffaden, das Filament, aufgeschmolzen und Schicht für Schicht zu einem dreidimensionalen Objekt aufgetragen. Das Verfahren ist vergleichsweise einfach und materialgünstig und deckt ein breites Feld ab, vom funktionalen Ersatzteil über Prototypen bis zu dekorativen Objekten. Entsprechend reicht die Nutzung vom Hobbybereich bis in professionelle Werkstätten.
Für diesen Test haben wir uns den Original Prusa MK4S vorgenommen, in der Bausatzvariante. Er gehört zur i3-Linie, also zur klassischen Bauform mit einem auf der Y-Achse beweglichen Heizbett, und ist innerhalb dieser Reihe das aktuelle Spitzenmodell. Darüber hinaus reicht das Portfolio vom kompakten Einstiegsmodell MINI über die MK-Reihe und den geschlossenen CoreXY-Drucker CORE One bis zum großformatigen XL, der mit Werkzeugwechsler und einem Bauraum von 36 x 36 x 36 cm arbeitet. Prusa deckt damit ein weites Feld ab, von kompakten Geräten für Einsteiger bis zu großvolumigen Mehrwerkzeug-Systemen für anspruchsvollere Anwendungen.
Den MK4S gibt es fertig montiert oder als Bausatz. Wir haben uns bewusst für den Bausatz entschieden, denn der Aufbau ist hier kein notwendiges Übel, sondern ein eigener Teil des Produkts. Wer den Drucker selbst zusammensetzt, lernt jede Baugruppe kennen und kann ihn später gezielt warten und reparieren. Dieser Test ist der erste Teil einer mehrteiligen Reihe und behandelt ausschließlich den Aufbau, von der ersten Schraube über die acht Montagekapitel bis zur Endkontrolle und ersten Inbetriebnahme. Gelötet oder gecrimpt werden muss nichts, das benötigte Werkzeug liegt vollständig bei. Druckqualität, Materialverhalten und Alltagsbetrieb folgen im darauffolgenden Test.
Verpackung, Inhalt, Daten
Verpackung

Der MK4S kommt in einem schlichten braunen Wellpappkarton, ohne Hochglanz oder Farbfotos. Der Aufdruck ist durchgehend einfarbig schwarz gehalten. Auf der Vorderseite prangt groß der Schriftzug ORIGINAL PRUSA MK4S KIT, wobei das Wort KIT in einem abgerundeten schwarzen Feld steht. Daneben zeigt eine feine Strichzeichnung den fertig aufgebauten Drucker. Die Oberseite wiederholt den Modellnamen mit dem Zusatz 3D printer by Josef Prusa und trägt einen umlaufenden Streifen mit kleinen Abbildungen und Musterflächen. Insgesamt wirkt die Verpackung betont funktional und zurückhaltend.
Die Rückseite bietet erwartungsgemäß wenig Zusätzliches. Entscheidender ist ohnehin das Innere: Die Bauteile sind hervorragend verpackt und durch die Kartonage zuverlässig geschützt, Transportschäden sind damit unwahrscheinlich.
Inhalt
Der Bausatz kommt vorsortiert. Die Bauteile sind auf beschriftete Schachteln und Beutel verteilt, jedes Etikett nennt Inhalt und Stückzahl. Anders als bei früheren Prusa-Druckern sind die Verbindungselemente nicht nach Kapiteln, sondern nach Schraubentyp in einzelne Beutel aufgeteilt. Ein Beutel mit Ersatzteilen sowie Ersatzschrauben in den jeweiligen Beuteln sind ebenfalls enthalten.
Im Lieferumfang befinden sich:
- Aluminiumrahmen und 3030-Aluminiumprofile
- Die ab Werk gedruckten Kunststoffteile (Serien E, F und Gx)
- Schrittmotoren für X-, Y-, Z-Achse und Extruder
- Glatte Führungsstangen sowie vorgeschmierte Linearlager
- Nextruder-Bauteile inklusive Planetengetriebe, All-Metal-Hotend, High-Flow-Düse (Messing, 0,4 mm) und Lüfter
- Magnetisches Heizbett mit glatter PEI-Federstahlplatte
- Elektronik: xBuddy-Mainboard, xLCD-Display und abnehmbares ESP-WLAN-Modul
- Netzteil (240 W) mit Power Panic
- Spulenhalter für bis zu zwei Spulen
- Befestigungselemente in nach Typ sortierten Beuteln plus Ersatzteilbeutel
- Werkzeugpaket in der Fasteners & ELE Box: Spitzzange, Kreuzschlitz-Schraubendreher (PH2), Universalschlüssel, 13-mm-Schraubenschlüssel, ein Satz Innensechskantschlüssel, ein Satz Innensechsrundschlüssel sowie Schmiermittel
- Eine Tüte Gummibärchen, die die Anleitung als kleine Pausenbelohnung kapitelweise einplant
Das mitgelieferte Werkzeug reicht für den gesamten Aufbau aus. Selbst beisteuern muss man lediglich eine Schere zum Öffnen einzelner Beutel, einen dunklen Permanentmarker zum Markieren von Lagern und Magneten sowie Papiertücher oder einen Lappen, um Konservierungsöl von Stangen und Lagern abzuwischen. Ergänzend lässt sich von der Prusa-Website ein Cheatsheet herunterladen, das die Schrauben in Originalgröße abbildet. Bei einem Ausdruck in 100 Prozent lassen sich die Schrauben direkt darauf ablegen und so zweifelsfrei zuordnen.
Daten
| Technische Daten – Prusa MK4S | |
|---|---|
| Bauraum | 250 x 210 x 220 mm |
| Schichthöhe | 0,05 bis 0,30 mm |
| Filamentdurchmesser | 1,75 mm |
| Extruder | Nextruder, Direct Drive, Planetengetriebe 10:1 |
| Düse | High-Flow Prusa Nozzle, Messing CHT, 0,4 mm |
| Hotend | All-Metal, Aluminium-Kühlkörper |
| Max. Düsentemperatur | 290 °C |
| Max. Heizbett-Temperatur | 120 °C |
| Druckoberfläche | magnetisches Heizbett mit glatter PEI-Federstahlplatte |
| Bettkalibrierung | automatisch, Mesh Bed Leveling über die Druckfläche |
| Mainboard | xBuddy, 32 Bit, STM32 |
| Schrittmotortreiber | Trinamic 2130 |
| Schrittmotoren | 0,9 Grad (X und Y) |
| Sensoren | Filamentsensor, Loadcell, Power Panic, 4 Semitec-Thermistoren, Lüfterdrehzahl-Überwachung |
| Input Shaper | ja (Beschleunigungssensor optional) |
| Display | 3,5 Zoll Farbdisplay (65k), Touch-Bedienung |
| Konnektivität | Ethernet, NFC, abnehmbares ESP-WLAN-Modul |
| Steuerung und Druckmedien | USB-Stick, LAN, Prusa Connect, Prusa Mobile App |
| Netzteil | 240 W (Delta), mit Power Panic |
| Leistungsaufnahme | ca. 80 W (PLA), ca. 120 W (ABS) |
| Materialien | PLA, PETG, Flex, PVA, PC, PP, CPE, PVB (ABS, ASA, HIPS, PA nur mit optionalem Enclosure samt Filtration) |
| Abmessungen | 500 x 550 x 400 mm (B x T x H) |
| Gewicht | ca. 7 kg (ohne Spule) |
| UVP (EU, inkl. MwSt.) | Bausatz 719 €, montiert 999 € |
Details
Bauform und Rahmen
Der MK4S folgt der klassischen i3-Bauform: Das Heizbett bewegt sich auf der Y-Achse vor und zurück, während der Druckkopf über zwei glatte Stangen auf der X-Achse und über zwei Spindeln auf der Z-Achse geführt wird. Tragendes Element ist ein Rahmen aus Aluminium, ergänzt um 3030-Aluminiumprofile für die Basis. Die Achsen laufen auf gehärteten Stangen mit Linearlagern, die ab Werk geschmiert sind. Diese offene Bauform ist gut zugänglich und lässt sich ohne Gehäuse betreiben. Für Materialien wie ABS oder ASA bietet Prusa ein separates Enclosure an.
Nextruder
Den Druckkopf bildet der Nextruder, ein Direktantrieb mit einem Planetengetriebe im Verhältnis 10:1. Das Filament wird damit unmittelbar am Druckkopf gefördert, ohne langen Bowden-Schlauch. Das Hotend ist vollständig aus Metall aufgebaut und kommt im Heizbereich ohne PTFE-Auskleidung aus, was Düsentemperaturen bis 290 Grad zulässt. Werkseitig sitzt eine High-Flow-Düse aus Messing (Prusa-Bezeichnung CHT) mit 0,4 mm Durchmesser. Hinzu kommt ein Loadcell-Sensor: Der Druckkopf erkennt über eine Kraftmesszelle, wann die Düse das Druckbett berührt, und richtet die erste Schicht dadurch automatisch ein, ohne manuelles Einstellen eines Z-Abstands. Für die Bauteilkühlung sorgt ein Turbinenlüfter.
Heizbett und Druckoberfläche
Das Heizbett erwärmt sich auf bis zu 120 Grad und trägt eine magnetisch gehaltene, abnehmbare Federstahlplatte mit glatter PEI-Beschichtung. Fertige Drucke lassen sich durch leichtes Biegen der Platte ablösen. Vor dem Druck tastet der Drucker das Bett ab und erstellt eine Höhenkarte (Mesh Bed Leveling), um Unebenheiten rechnerisch auszugleichen. Geheizt wird die gesamte Bettfläche, unabhängig von der Größe des Objekts.
Elektronik und Sensorik
Im Zentrum steht das xBuddy-Mainboard auf 32-Bit-Basis mit STM32-Mikrocontroller, die Schrittmotoren werden über Trinamic-2130-Treiber angesteuert. An X- und Y-Achse sitzen Motoren mit 0,9 Grad Schrittwinkel, die feinere Schritte als die üblichen 1,8-Grad-Typen erlauben. Bedient wird der Drucker über das xLCD, ein 3,5 Zoll großes Farbdisplay mit Touch-Bedienung, ergänzt um eine RGB-Statusleiste. Zur Ausstattung gehören ein Filamentsensor, eine Power-Panic-Funktion, die den Druck bei Stromausfall sichert, vier Thermistoren zur Temperaturüberwachung sowie eine Drehzahlüberwachung der Lüfter. Input Shaping zur Reduzierung von Schwingungen ist in der Firmware aktiv, ein Beschleunigungssensor zur erneuten Kalibrierung ist als Zubehör erhältlich. Die Anbindung erfolgt wahlweise per USB-Stick, Ethernet oder über das mitgelieferte, abnehmbare ESP-WLAN-Modul, dazu kommt ein NFC-Empfänger. Den Strom liefert ein 240-Watt-Netzteil von Delta.
Aufbauhilfen
Für den Zusammenbau legt Prusa mehrere Hilfen bei. Das herunterladbare Cheatsheet bildet sämtliche Schrauben in Originalgröße ab; bei einem Ausdruck in 100 Prozent lassen sich die Schrauben direkt darauflegen und zweifelsfrei zuordnen. Die Verbindungselemente sind nach Typ in einzelne, beschriftete Beutel sortiert, jeder enthält zudem eine Reserve. Das komplette benötigte Werkzeug liegt bei. Wiederkehrend kommt die sogenannte Schrauben-Einzug-Technik zum Einsatz, bei der eine Mutter mithilfe einer Schraube von der Gegenseite in das gedruckte Teil gezogen wird, falls sie sich nicht von Hand einsetzen lässt. Die gedruckten Teile tragen Versionsnummern: Teile der Serien E, F und Gx werden ab Werk gedruckt und liegen bei, Teile der Serien R, S und Tx lassen sich bei Bedarf von der Prusa-Website nachdrucken.
Praxis
An den kniffligeren Stellen verweisen wir jeweils auf die passende offizielle Prusa-Ressource, die Knowledge Base oder das Prusa-Forum, in denen sich Hinweise und Erfahrungen anderer Erbauer bündeln. Den gesamten Montagebereich findet man im Prusa-Forum zur MK4S-Montage.
Vorbereitung und Arbeitsumgebung
Der Aufbau ist kein Projekt für einen Feierabend. Je nach Erfahrung sollte man mehrere Stunden einplanen, realistisch verteilt auf zwei oder mehr Sitzungen. Wer entspannt arbeitet, macht weniger Fehler, und Zeitdruck ist beim MK4S der schlechteste Begleiter.
Vor dem ersten Handgriff lohnt sich ein aufgeräumter, gut beleuchteter und ausreichend großer Arbeitsplatz. Sobald die Bauteile ausgepackt sind, füllt sich die Fläche schnell, deshalb ist es ratsam, jeden Beutel erst dann zu öffnen, wenn er gebraucht wird, und ihn danach wieder zu verstauen. Das verhindert zugleich, dass man Kleinteile oder die nach Typ sortierten Schraubenbeutel im Durcheinander verliert. Ein freier, sauberer Boden hilft, denn die kleinen Schrauben und Muttern rollen erfahrungsgemäß gern vom Tisch. Eine Sitzhöhe wie am Schreibtisch schont bei der langen Sitzung den Rücken. Entgegen der eigenen Empfehlung haben wir stehend zusammengebaut, was sich gefühlt an sportliche Höchstleistungen annäherte.
Wir haben das Cheatsheet in Originalgröße ausgedruckt und die sortierten Beutel bereitgelegt. Wie sich später herausstellte, wäre der Ausdruck gar nicht nötig gewesen, denn das Cheatsheet liegt bereits bei. Dass die Verbindungselemente nach Typ statt nach Kapitel sortiert sind, ist für Umsteiger von älteren Prusa-Bausätzen zunächst ungewohnt, wird aber schnell zur Routine. Das beiliegende Werkzeug deckt den gesamten Aufbau ab, aus dem eigenen Haushalt kommen nur Schere, ein dunkler Permanentmarker und ein Lappen dazu. Dass ausgerechnet der Marker nicht im Karton liegt, fällt auf, da er schon früh zum Markieren der Lager gebraucht wird. Gelötet oder gecrimpt wird an keiner Stelle, was den Zusammenbau entsprechend vereinfacht.
Anleitung und Begleitmaterial
Die Stärke des Bausatzes liegt in der Anleitung. Jeder Schritt ist mit klaren, mehrfarbig hervorgehobenen Abbildungen versehen, einzelne Handgriffe sind farblich getrennt, und kein Arbeitsschritt wird als selbstverständlich übersprungen. Regelmäßige Kontrollbilder zeigen, wie ein Zwischenstand aussehen soll, sodass sich Fehler früh bemerkbar machen, etwa wenn eine Führungsstange nicht weit genug sitzt. Die Anleitung gibt es gedruckt und online, wobei die Online-Fassung zusätzlich hochauflösende Bilder und Kommentare unter jedem Schritt bietet. Auflockernde Hinweise und die kapitelweise Gummibärchen-Ration nehmen dem langen Prozess etwas von seiner Trockenheit. Diese Gummibärchen haben wir allerdings schon unmittelbar nach dem Öffnen der Verpackung ausgiebig getestet. Um uns weiterhin an die Anleitung halten zu können, mussten wir eine weitere Packung nachkaufen.
Schwächer ist die Anleitung dort, wo es um Kräfte und Mengen geht. Wie fest eine Schraube sitzen soll, wie viel Druck eine Stange verträgt oder wie viel Schmiermittel auf ein Lager gehört, bleibt oft unscharf, und gerade beim Fett lässt sich kaum kontrollieren, wie viel tatsächlich austritt. Die zahlreichen Etiketten sind hilfreich, ermüden auf Dauer aber die Augen, und die Beschriftung der M3nS-Muttern lässt sich leicht mit anderen Typen verwechseln. Genaues Hinschauen ist hier also absolute Pflicht.
Rahmen und Achsen
Der Zusammenbau startet mit dem Rahmen und geht hier noch zügig von der Hand. Schon jetzt wird aber die Grundlage für das spätere Druckergebnis gelegt: Auf einen rechtwinklig und sauber montierten Rahmen kommt es an, denn ein Verzug zeigt sich erst viel später bei der Kalibrierung. Die M5-Schrauben in die Aluprofile ziehen wir mit Gefühl an, um Gewinde und Profil nicht zu überlasten.
Mit der X-Achse beginnt der erste fummeligere Abschnitt. Wiederkehrend müssen Muttern und Stangen in die gedruckten Teile eingesetzt werden, und die Toleranzen sind eng. Mal sitzt eine Vierkantmutter stramm, mal muss eine Aufnahme erst vorsichtig freigeräumt werden, bevor eine Führungsstange hineingleitet. Hier ist Geduld wichtiger als Kraft, denn zu beherztes Drücken könnte ein gedrucktes Teil beschädigen. An den Linearlagern zahlt sich Sorgfalt aus: Sie sollen sich nach der Montage leichtgängig bewegen lassen, bevor die Klemmschrauben endgültig angezogen werden. Zu fest gesetzte Lager oder ein zu straffer Riemen sind die typische Ursache, wenn die Achse später im Self-Test auffällt. Beim Aufschieben der Lager können einzelne Kugeln herausfallen, ein bis zwei sind laut Anleitung unkritisch, bei mehr sollte das Lager getauscht werden. Die zuvor mit dem Marker gesetzten Lagermarkierungen helfen, die Lager richtig auszurichten.
Insgesamt kommen im MK4S zwei Zahnriemen zum Einsatz, je einer für die X- und die Y-Achse. Ihre Spannung gilt als klassischer Unsicherheitsfaktor, lässt sich beim MK4S aber objektiv prüfen: Prusa bietet einen Belt tuner an, der über das Mikrofon von Smartphone oder Rechner die Frequenz des angezupften Riemens erfasst und anzeigt, ob die Spannung stimmt. Das nimmt dem Schritt das Rätselraten, in unserem Aufbau waren die Riemen damit unkritisch.
An der Z-Achse ist vor allem wichtig, die Trapezspindeln nicht zu verspannen. Sie müssen frei laufen können, werden sie gezwängt oder die obere Fixierung zu fest gesetzt, drehen sich die Spindeln nur noch schwer.
Weiterführend bei Prusa: Riemenspannung einstellen (Knowledge Base) und der Prusa Belt tuner, außerdem Selftest-Fehler an X- und Y-Achse (Knowledge Base) sowie der Forenbeitrag schwergängige Z-Spindeln.
Nextruder
Der Nextruder ist die anspruchsvollste und eine der zeitraubendsten Baugruppen. Hier reihen sich viele kleine Teile aneinander, und es ist der Punkt, an dem man zwischendurch den Überblick verlieren und nur noch der Anleitung folgen kann. Beim Planetengetriebe kommt es darauf an, die Zahnräder nicht zu tief in den Zahnkranz zu drücken, sondern nahezu bündig zur Oberfläche zu setzen. Sitzen sie zu tief, kann es im Betrieb zu einem deutlichen Schleifgeräusch kommen. Ebenso gehört die kleine Unterlegscheibe auf der Motorwelle zwingend an ihren Platz, und die Deckplatte sollte nicht überdreht werden. Die Spannschrauben des Idlers stellen wir so ein, dass ihre Spitzen bündig mit der Vorderfläche der Idler-Nut abschließen. Zu fest, und der Antrieb mahlt das Filament an, zu locker, und das Förderrad greift nicht zuverlässig.
Positiv fällt auf, an wie viele kleine Hilfen Prusa gerade hier gedacht hat. Für die Lager liegt ein gedruckter Schmiermittel-Applikator bei, ein Stück Nylonfilament dient zum Einfädeln der Kabel, und das X-holder-Werkzeug übernimmt nebenbei das Herausführen der Kabelbinder. Solche Details erleichtern die fummeligen Schritte spürbar.
Weiterführend bei Prusa: Idler-Spannung richtig einstellen (Knowledge Base) und der Forenbeitrag Geräusche am Nextruder.
xLCD
Die Montage des xLCD ist schnell erledigt. Wichtig ist, die Steckverbindungen gerade und vollständig einzustecken und die Flachbandkabel nicht zu knicken. Ein nicht ganz sitzender Stecker ist die häufigste Erklärung, wenn das Display später nicht anspringt.
Weiterführend bei Prusa: der Forenbeitrag Display bleibt dunkel.
Elektronik und Verkabelung
Vor dem Heizbett steht der elektrische Teil an. Das Netzteil wird am Rahmen verschraubt und über die Klemmleiste mit dem 24-Volt-Strang verbunden, eine Abdeckung sichert die Anschlüsse. Die weiteren Verbindungen zum xBuddy-Board laufen über Steckkontakte. Beim Umgang mit der Platine ist auf Schutz vor statischer Entladung zu achten, ansonsten verläuft auch dieser Abschnitt unkompliziert.
Y-carriage und Heizbett
Mit 58 Schritten ist dies das längste Kapitel, und es zieht sich entsprechend. Immer wieder werden Muttern eingezogen und Schrauben gesetzt, das ist gegen Ende des Aufbaus mehr Fleißarbeit als Herausforderung. Bei den Y-Lagern zahlt sich erneut Sorgfalt aus, ihre Ausrichtung und die Riemenspannung entscheiden mit darüber, ob die Y-Achse den Self-Test besteht. Besondere Aufmerksamkeit verdient die Verkabelung des Heizbetts. Die Zugentlastung muss sauber sitzen, und das Kabel darf in der Abdeckung weder gequetscht noch über scharfe Kanten geführt werden. Dieser Bereich gilt bauformübergreifend als langfristige Schwachstelle, weil dauerhaft geknickte Litzen mit der Zeit brechen können. Die Muttern ziehen wir mit der Schrauben-Einzug-Technik kontrolliert ein, ohne zu viel Kraft, um die gedruckten Teile nicht zu beschädigen. Trotz der vielen Wiederholungen fügen sich die Teile am Ende jedes Schritts sauber zusammen, nichts sitzt schief oder muss erzwungen werden.
Weiterführend bei Prusa: Selftest-Fehler an der Y-Achse (Knowledge Base).
Endmontage und Inbetriebnahme
Zum Abschluss folgen die letzten Baugruppen: Die Elektronik wird mit ihrer gelochten Abdeckung verschlossen, und oben am Rahmen kommen der doppelte Spulenhalter für zwei Spulen sowie die Filamentführung hinzu, die das Filament über einen PTFE-Schlauch zum Extruder leitet und ein Verheddern verhindert. Danach folgt die geführte Endkontrolle.
Der Drucker durchläuft einen Self-Test, der Verkabelung, Achsen und Sensorik prüft. Meldet er an X- oder Y-Achse einen Fehler, liegt die Ursache fast immer in der Riemenspannung oder einem klemmenden Lager, also in den Punkten aus den vorigen Kapiteln. Anschließend richtet der Loadcell-Sensor die erste Schicht automatisch ein. Ein zu tiefer erster Layer ist ein klassisches Erstinbetriebnahme-Thema und wird über die Erstschicht-Kalibrierung justiert. Zum Abschluss stehen Firmware und, optional, die Netzwerkanbindung per WLAN oder Ethernet an. Erst wenn der Drucker vollständig läuft, sollten Erweiterungen wie das MMU3 oder das Enclosure folgen. Wer beim Aufbau auf Fragen stößt, findet im offiziellen Prusa-Forum gebündelte Erfahrungen anderer Erbauer.
Weiterführend bei Prusa: Selftest-Fehler beheben (Knowledge Base), Probleme mit der ersten Schicht und Erstschicht-Kalibrierung.
Aufwand und Anfängertauglichkeit
Unser Aufbau hat knapp zwölf Stunden gedauert, verteilt auf mehrere Sitzungen. Erwähnenswert ist dabei, dass parallel die Dokumentation für dieses Review entstand, also Notizen und Fotos, was die Bauzeit spürbar verlängert hat. Nennenswerte Schwierigkeiten sind dabei nicht aufgetreten, was maßgeblich an der hervorragenden Anleitung liegt, die jeden Schritt eindeutig beschreibt. Zur Einordnung: Berichte vergleichbarer Bausätze reichen grob von sechs Stunden bei viel Erfahrung bis etwa fünfzehn Stunden. Die eigentliche Anforderung liegt damit weniger in einzelnen Handgriffen als in der Summe, also in den vielen kleinen Teilen und der schieren Länge des Prozesses, der gegen Ende durchaus ermüdet.
Dank der ausführlichen Anleitung mit ihren farbcodierten Bildern und Kontrollpunkten ist der Bausatz auch für Einsteiger ohne technische Vorerfahrung zu bewältigen. Etwas Geduld und Sorgfalt vorausgesetzt, ist ein Scheitern unwahrscheinlich. Der Lohn ist nicht nur ein fertiger Drucker, sondern auch das Verständnis für jede Baugruppe, das sich bei späterer Wartung und Reparatur auszahlt.
Fazit
Als reiner Bausatz hinterlässt der MK4S in diesem ersten Teil einen überaus ordentlichen Eindruck. Der Bausatz ist durchdacht zusammengestellt: vollständiges Werkzeug, nach Typ sortierte und beschriftete Beutel mit Ersatzschrauben sowie eine Anleitung, die mit farbcodierten Bildern, Kontrollpunkten und lückenloser Schrittfolge auch technisch weniger geübte Erbauer sicher durch die Montage führt. Kleine, durchdachte Hilfen wie das Cheatsheet, der gedruckte Schmiermittel-Applikator oder die Nylon-Einfädelhilfe zeigen, dass der Aufbau selbst als Teil des Produkts verstanden wird. Die Teile sind passgenau und fügen sich sauber zusammen. In unserem Aufbau verlief die Montage in knapp zwölf Stunden ohne nennenswerte Probleme.
Dem stehen einige Reibungspunkte gegenüber. Wo es um konkrete Kräfte und Mengen geht, bleibt die Anleitung unscharf, gerade beim Schmiermittel lässt sich kaum kontrollieren, wie viel tatsächlich auf das Lager gelangt. Der Permanentmarker, der schon früh gebraucht wird, fehlt im Karton, und die Beschriftung einzelner Muttern lädt zu Verwechslungen ein. Dass der Aufbau in Summe mehrere Stunden fordert und gegen Ende ermüdet, ist bei einem Bausatz dieser Tiefe zu erwarten und kein Mangel, sondern Teil des Konzepts. Auch die Kabelführung am Heizbett verlangt Sorgfalt, das ist bauformübergreifend ein bekannter Aufmerksamkeitspunkt.
Preislich liegt der Bausatz mit 719 Euro rund 280 Euro unter der montierten Variante. Wer die Zeit investiert, spart also nicht nur Geld, sondern erarbeitet sich zugleich das Verständnis für jede Baugruppe, das bei späterer Wartung oder Reparatur hilft. Für Einsteiger ist der Weg über den Bausatz dank der Anleitung gangbar, für erfahrene Anwender ohnehin eine Frage von Zeit und Geduld.
Eine abschließende Bewertung des Druckers ist das ausdrücklich noch nicht. Dieser erste Teil betrachtet allein den Aufbau, und der hat uns bereits rundum überzeugt: durchdachter Bausatz, hervorragende Anleitung, sauber gefertigte Teile. Wenn der MK4S im Betrieb hält, was Vorbereitung und Verarbeitung versprechen, kann das ein richtig guter Drucker werden. Genau das sehen wir uns im darauffolgenden Test an, wie er sich in Druckqualität und Alltag schlägt.
Pro
+ Vollständiges, brauchbares Werkzeug im Lieferumfang
+ Sehr gute Anleitung mit farbcodierten Bildern und Kontrollpunkten
+ Nach Typ sortierte, beschriftete Beutel inklusive Ersatzschrauben
+ Durchdachte Aufbauhilfen (Cheatsheet, Schmiermittel-Applikator, Nylon-Einfädelhilfe, X-holder)
+ Riemenspannung dank offiziellem Belt tuner objektiv per Frequenz prüfbar
+ Passgenaue Teile, sauberer Zusammenbau
+ Kein Löten oder Crimpen nötig, auch für Einsteiger machbar
+ Preisvorteil gegenüber der montierten Variante, dazu Wartungs-Knowhow
Kontra
– Unscharfe Vorgaben bei Anzugskräften und Schmiermittelmenge
– Permanentmarker als beiliegendes Zubehör wäre wünschenswert


































































































