In Teil 1 unseres Tests haben wir den Original Prusa MK4S als Bausatz von Grund auf zusammengebaut. Jetzt folgt der Praxisteil: Wie schlägt sich der selbst gebaute Drucker im Alltag? Wir nehmen ihn in Betrieb, prüfen die Druckqualität an mehreren Testdrucken vom 3DBenchy über einen Überhang-Test bis zum zweifarbigen Print-in-Place-Modell, ordnen Tempo, Lautstärke und Stromverbrauch ein und zeigen die drei Wege, auf denen man beim MK4S zum Druck kommt. Am Ende steht unser Gesamturteil samt Award. Gedruckt haben wir mit PLA, die genauen Testbedingungen nennen wir an den jeweiligen Stellen.
Inbetriebnahme und Aufstellung
Erste Inbetriebnahme und erster Druck
Als Erstes wollten wir wissen, ob der selbst gebaute MK4S auch auf Anhieb sauber druckt. Vor dem eigentlichen Druck wird aufgeheizt und kalibriert, wobei die Düse in zwei Temperaturstufen fährt. Das Heizbett geht dabei (im Falle von PLA) direkt auf seine Drucktemperatur von rund 57 Grad. Die Düse heizt bei PLA zunächst nur auf etwa 170 Grad. Diese reduzierte Temperatur ist Absicht: Sie hält das Filament weich genug, ohne dass es tropft und Flecken auf der Druckplatte hinterlässt, während der Drucker das Bett vermisst. Dabei tastet die Düse das Heizbett an mehreren Punkten ab, in unserem Fall rund neun, und erstellt daraus eine Höhenkarte (Mesh Bed Leveling). Eine manuelle Erstschicht-Kalibrierung wie bei älteren Druckern entfällt. Den Abstand zwischen Düse und Platte ermittelt der Loadcell-Sensor selbst.

Erst danach steigt die Düsentemperatur auf den eigentlichen Druckwert, bei unserem PLA auf rund 230 Grad. Bevor der Druck beginnt, gibt die Düse vorne links auf der Druckplatte etwas Material ab, um die Spitze von Resten zu befreien. Dann legt der MK4S los. Als ersten Druck haben wir einen einfarbigen 3DBenchy gewählt, das bekannte Test-Boot. Er war nach etwa 17 Minuten fertig, wovon gut drei Minuten auf das Aufheizen und die Kalibrierung entfielen. Das ist bemerkenswert flott und deutet an, wozu der MK4S dank Input Shaper in der Lage ist.
Aufstellung: der Stand muss wirklich fest sein
Der MK4S druckt ab Werk sehr schnell. Einen der von Prusa vorbereiteten Speed-Benchys druckt er in rund vierzehn Minuten, und genau bei diesem Tempo zeigte sich, wie empfindlich der Drucker auf den Untergrund reagiert. Auf unserer eigentlich stabilen, schweren Kiste traten deutliche Wellen an der Oberfläche auf, sogenanntes Ringing. Die Kiste wirkt fest, gibt unter den harten Beschleunigungen des Druckers aber doch nach, und bei voller Geschwindigkeit reicht genau das schon aus.
Der Gegentest war eindeutig. Direkt auf dem Boden aufgestellt, wo nichts mehr nachschwingt, wurde die Oberfläche deutlich ruhiger. Ein wackeliger Stand ist also ein klarer Faktor. Der Input Shaper gleicht die Eigenschwingungen des Rahmens aus, ein mitschwingender Untergrund liegt außerhalb seiner Reichweite.

Für die Praxis heißt das: Der MK4S liefert auch bei hohem Tempo sehr gute Ergebnisse, verlangt dafür aber einen wirklich verwindungssteifen, nicht nachgebenden Standort. Ein solide wirkender Tisch genügt nicht zwangsläufig. Wer die Geschwindigkeit voll ausreizen will, stellt den Drucker auf eine schwere, absolut ruhige Fläche, sonst nimmt man die Wellen mit oder muss die Geschwindigkeit drosseln.
Nachspannen der Y-Achse
Ein Detail aus dem Bausatz-Alltag: Selbst auf dem festen Boden kehrten die Wellen nach den ersten Drucken ganz leicht zurück. Dieses Fehlerbild, leichtes Ringing bei hohem Tempo trotz stabilen Stands, deutet auf die Riemenspannung. Bei einem selbst gebauten Kit ist das gut möglich, sei es, weil sich die Zahnriemen nach den ersten Drucken und Heizzyklen noch etwas setzen, oder weil unsere von Hand eingestellte Spannung beim Aufbau nicht perfekt saß. Wichtig zur Einordnung: Das betrifft in erster Linie den Bausatz. Ein fertig montierter MK4S wird werkseitig gespannt und getestet, dort ist dieser Punkt in aller Regel schon abgehakt.
Nachmessen und Nachspannen war eine Sache von unter fünf Minuten. Prusa bietet dafür den Belt tuner an, der über das Mikrofon von Smartphone oder Rechner die Frequenz des angezupften Riemens misst und anzeigt, ob die Spannung stimmt, ganz ähnlich dem Stimmen einer Gitarrensaite. Bei uns war die Y-Achse etwas zu locker. Nach dem Nachspannen war das Ergebnis deutlich besser und die Wellen verschwunden.
Testdrucke
3DBenchy: vom Speed-Demo zum sauberen Druck
Als ersten Qualitätstest haben wir den 3DBenchy genutzt, und er zeigt anschaulich, dass zwei Dinge über das Ergebnis bestimmen: der Stand und das gewählte Profil. Insgesamt haben wir ihn dreimal gedruckt, zweimal das schnelle Vierzehn-Minuten-Demo, einmal auf der wackeligen Kiste und einmal auf festem Boden, und einmal die langsamere Dreißig-Minuten-Variante. Den Stand haben wir oben geklärt, auf dem Boden waren die Wellen weg. Makellos war dieser Druck aber trotzdem nicht, die Wände wirkten stellenweise etwas unregelmäßig. Das liegt nicht am Drucker, sondern am Profil. Die mitgelieferten Benchys sind auf maximales Tempo getrimmt, und in vierzehn Minuten bleibt für eine feine Oberfläche schlicht keine Zeit.
Also haben wir denselben Benchy mit einem ruhigeren Profil neu gedruckt. Das geht praktischerweise direkt vom Smartphone über Prusas Cloud-Slicer EasyPrint, ganz ohne PC. Dort stehen drei Stufen zur Wahl: Schnell in rund neunundzwanzig Minuten, Ausbalanciert in etwa einer Stunde und sieben Minuten und Detailliert in gut einer Stunde und dreizehn Minuten. Schon die schnellste EasyPrint-Stufe ist mit ihren rund dreißig Minuten spürbar gemächlicher als das Vierzehn-Minuten-Demo. Und das Ergebnis war nahezu hervorragend, mit einer deutlich glatteren Oberfläche als bei den schnellen Demos.
Bemerkenswert ist, dass der Vierzehn-Minuten-Benchy mit nachgespanntem Riemen und festem Stand schon ziemlich ordentlich aussieht, für schnelle oder funktionale Drucke also durchaus ausreicht. Wer die feinste Oberfläche will, gibt dem Drucker über ein langsameres Profil einfach etwas mehr Zeit. Kurz gesagt: Der MK4S druckt schnell und sauber, über das Profil wählt man nur, was im Moment wichtiger ist, Tempo oder Optik.
Überhang-Test: Neigung ohne Stützen
Wie weit der MK4S überhängende Flächen ohne Stützmaterial schafft, haben wir mit einem gestuften Überhang-Test geprüft, der von 45 bis 85 Grad reicht. 45 Grad gelten als klassische Grenze für das Drucken ohne Stützen, 85 Grad liegen bewusst jenseits dessen, was Prusa beim MK4S verspricht (etwa 70 bis 75 Grad). So wird der Punkt sichtbar, an dem die Unterseite abzusacken beginnt.
Gedruckt haben wir das Modell über EasyPrint mit der mittleren Stufe Balanced bei 0,15 mm Schichthöhe und 15 Prozent Infill. Diese Stufe ist bewusst gewählt, sie druckt langsamer und feiner als das schnelle Profil und gibt den Überhängen mehr Kühlzeit pro Schicht, was den fairen Rahmen für einen solchen Test bildet. Feine Werte wie die Temperatur lassen sich in EasyPrint nicht anpassen, für einen praxisnahen Test aus der Standardumgebung heraus ist das aber genau richtig.
Beim Slicen weist EasyPrint zudem auf die steilen Überhänge hin und empfiehlt Stützmaterial. Diese Warnung ignorieren wir bewusst, denn genau das ist der Zweck des Tests, nämlich zu sehen, wie weit der MK4S ohne Stützen kommt.
Das Ergebnis deckt sich gut mit Prusas Angabe. Bis 65 Grad ist der Überhang tadellos, bis 73 Grad noch ziemlich gut, darüber baut die Qualität sichtbar ab, und ab 80 Grad zeigen sich deutliche Artefakte. Zu sehen ist das vor allem an der Unterseite, wo die Bahnen durchhängen und ausfransen. Prusa nennt für den MK4S dank der 360-Grad-Kühlung Überhänge bis etwa 70 bis 75 Grad, und genau in diesem Bereich liegt auch unser Ergebnis. Beachtlich ist, wie weit der Drucker ganz ohne Stützmaterial kommt, die klassische Grenze von 45 Grad lässt er weit hinter sich.
Zwei Farben über manuelle Farbwechsel
Für einen Farbtupfer haben wir einen Print-in-Place-Fidget gewählt, ein Modell mit ineinander gelagerten Ringen, das sich fertig beweglich aus dem Drucker löst, ganz ohne Zusammenbau. Die zweite Farbe holen wir über manuelle Filamentwechsel im laufenden Druck: An festgelegten Höhen pausiert der Drucker, wir tauschen die Rolle und drucken weiter. Über zwei solche Wechsel entsteht ein waagerechtes Farbband in der Mitte, also unten und oben die eine, dazwischen die andere Farbe. So funktioniert Mehrfarbdruck mit nur einem Extruder und ohne Zusatzhardware.

Praktisch heißt das, man schneidet das Modell zunächst wie gewohnt und setzt den Farbwechsel durch Doppelklick danach im vollwertigen PrusaSlicer in der Schicht-Vorschau, am rechten Höhenregler an der gewünschten Stelle. Das ist ein gutes Beispiel dafür, wofür man den Desktop-Slicer statt des schlanken EasyPrint nimmt. Wichtig zu wissen: Auf diesem Weg lassen sich nur waagerechte Farbbänder erzeugen, weil ein Wechsel immer an eine Höhe gebunden ist. Die drehbaren Ringe farblich vom Rahmen abzusetzen wäre so nicht möglich. Gleichzeitig fordert der Print-in-Place-Charakter die Präzision heraus, die Ringe müssen sich am Ende frei drehen und dürfen nicht verkleben.
Ein Detail aus der Praxis betrifft die Wechselstellen selbst. Beim Pausieren bleibt die Düse zunächst heiß und gibt langsam etwas Material ab, das sogenannte Oozing. Viel ist das nicht, eher ein dünner Faden als ein Schwall, und weil man für den Rollenwechsel ohnehin am Drucker steht, ist das Zeitfenster kurz. Lässt man den Drucker länger pausiert stehen, senkt er die Düsentemperatur nach einer Weile selbst ab und fordert vor dem Fortsetzen zum erneuten Aufheizen auf, dann tropft auch nichts mehr. Der eigentliche Kniff betrifft das Wiederanfahren: Nach dem Spülen der neuen Farbe hängt ein Faden an der Düse, den man mit einer Pinzette festhält und im Moment des Fortsetzens abreißen lässt, während der Druckkopf wegfährt. So kommt die Düse sauber am Werkstück an. Das kostet pro Wechsel nur wenige Sekunden Aufmerksamkeit, gehört beim manuellen Farbwechsel aber dazu.

Eingerichtet wird der Farbwechsel im vollwertigen PrusaSlicer: Nach dem Slicen setzt man in der Vorschau am rechten Höhenregler die Wechselpunkte, hier bei 5 und 10 mm. Die Vorschau zeigt die drei Höhenbänder dann in Platzhalterfarben, die tatsächliche Farbe entscheidet sich erst am Drucker beim jeweiligen Wechsel.
Wer echten Mehrfarbdruck ohne Handarbeit will, also automatische Wechsel und Farben frei innerhalb einer Schicht, greift zum optionalen MMU3. Es wechselt zwischen bis zu fünf Filamenten und wird von PrusaSlicer direkt unterstützt. In diesem Test behandeln wir es nicht, es ist der Ausbaupfad darüber hinaus.
Der Druck lief in rund vier Stunden und neununddreißig Minuten bei etwa 85 Gramm PLA durch, das Ergebnis überzeugt. Die ineinander gelagerten Ringe lösen sich fertig beweglich von der Platte und drehen frei, ohne dass etwas verklebt, das macht einen gelungenen Print-in-Place-Druck aus. Auch die beiden Farbwechsel sitzen sauber: Oben und unten ist der Fidget in Prusa Galaxy Silver gehalten, in der Mitte läuft ein oranges Band um, mit klar abgegrenzten Übergängen. Der eingangs beschriebene Pinzetten-Kniff hat sich bezahlt gemacht, lediglich am vorderen Rand blieb ein winziger Materialrest zurück, wie er beim manuellen Wechsel kaum ganz zu vermeiden ist. Unterm Strich zeigt das Teil zweierlei: Der MK4S druckt bewegliche Mechanik auf Anhieb passgenau, und zweifarbig geht auch ohne MMU3, sofern man den kleinen Handgriff beim Wechsel mitmacht.

Ganz nebenbei ist dieser Druck auch ein Maßhaltigkeitstest, und zwar ein anspruchsvollerer als ein simpler Kalibrierwürfel. Damit sich die ineinander gelagerten Ringe sauber voneinander lösen und danach spielfrei, aber leichtgängig drehen, müssen die feinen Spalte zwischen ihnen exakt eingehalten werden. Das ist gelungen, nichts ist verklebt, nichts hakt. Das spricht für eine präzise Mechanik und eine gleichmäßige Maßtreue über die gesamte Fläche des Druckbetts, immerhin misst das Teil gut 120 Millimeter im Durchmesser. Einen separaten Kalibrierwürfel haben wir uns deshalb bewusst gespart, das bewegliche Modell ist im Alltag der aussagekräftigere Beleg für saubere Toleranzen.
Weiterführend bei Prusa: Rotarings, Print-in-Place Fidget auf Printables und das optionale MMU3 für den MK4S für automatischen Mehrfarbdruck.
Lautstärke, Stromverbrauch und Kosten
Lautstärke
Im Betrieb ist der MK4S kein flüsterleiser Drucker, aber auch kein störend lauter. Die Schrittmotoren erzeugen bei den schnellen Fahrten ein hörbares, leicht surrendes Arbeitsgeräusch, das mit dem Tempo steigt. Den größten Anteil am Geräusch haben auf Dauer allerdings die Lüfter, allen voran das Bauteilkühlungsgebläse, das bei Überhängen und feinen Schichten hochdreht. Wer den Drucker im selben Raum stehen hat, nimmt ihn deutlich wahr, im Nebenzimmer bei geschlossener Tür verschwindet er dagegen weitgehend.
Für ruhigere Umgebungen bietet der MK4S einen Stealth-Modus, der die Bewegungen zurücknimmt und dadurch leiser, aber etwas langsamer druckt. Bei unserem Rotarings-Druck lag der Unterschied laut Slicer bei rund einer Viertelstunde, etwa vier Stunden einundfünfzig Minuten im Stealth-Modus gegenüber vier Stunden vierunddreißig Minuten im normalen Modus. Für einen Druck über Nacht oder im Wohnraum ist das ein guter Kompromiss, wer maximales Tempo will, bleibt im normalen Modus.
Weiterführend bei Prusa: Power-Modes des MK4S.
Stromverbrauch und Kosten
Prusa nennt für die MK-Baureihe einen mittleren Verbrauch von rund 80 Watt beim Druck mit Standard-PLA und etwa 120 Watt bei höher temperiertem Material wie ABS. Kurz beim Aufheizen, wenn Bett und Düse gemeinsam von Raumtemperatur hochfahren, liegt die Spitze deutlich höher, fällt danach aber schnell wieder auf dieses Niveau zurück. Das verbaute Netzteil ist auf 240 Watt ausgelegt.
Einordnen lässt sich das gut: 80 Watt im PLA-Druck sind weniger, als viele Haushaltsgeräte im Dauerbetrieb ziehen, und entsprechen grob einer Handvoll LED-Lampen. Auch subjektiv passt das, der Drucker heizt weder den Raum spürbar auf noch fällt er als Stromfresser auf. Der kurze Mehrverbrauch beim Aufheizen ist der teuerste Moment, der eigentliche Druck danach ist genügsam. Konkret heißt das pro Druck sehr wenig: Überschlägig gerechnet mit den rund 80 Watt und etwa 37 Cent je Kilowattstunde kostet ein schneller Benchy nur rund einen Cent Strom, der rund viereinhalbstündige Print-in-Place-Druck etwa 14 Cent. Auch das Material fällt kaum ins Gewicht. Gedruckt haben wir mit Prusas eigenem Filament, Prusa Orange und Prusament Galaxy Silver, zum Kilopreis von 28,04 Euro. Damit kostet der Benchy mit seinen 6 Gramm rund 17 Cent Material, der Print-in-Place mit rund 85 Gramm etwa 2,40 Euro.
Software, Material und Ausbau
Wie gedruckt wird: App, Browser oder Slicer
Ein Punkt, der im Alltag positiv auffällt: Man kommt beim MK4S auf mehrere Wegen zum Druck, und keiner davon verlangt Vorwissen. Grundlage für die meisten ist, dass der Drucker per WLAN oder Ethernet ins Netz geht und über Prusas Cloud-Dienst Prusa Connect erreichbar ist.

Am bequemsten geht es direkt über die Prusa-App auf dem Smartphone. Dort stöbert man in der Modellplattform Printables, lässt ein Modell über den Cloud-Slicer EasyPrint aufbereiten und schickt es an den Drucker, dazu kommen Start, Pause, Stopp und die Überwachung von Temperatur und Fortschritt. Weil das über Prusa Connect läuft, funktioniert es auch von unterwegs, man muss also nicht am Drucker sitzen.

Der zweite Weg ist EasyPrint im Browser an einem beliebigen Rechner. Eingeloggt in den eigenen Prusa-Account öffnet man den Slicer als Website, ganz ohne Installation. EasyPrint ist eine bewusst abgespeckte, aufgeräumte Variante des großen Slicers und übernimmt das Einrichten der Profile automatisch, geschnitten wird in der Cloud auf Prusas Servern. Diesen Weg haben auch wir für die ersten Testdrucke genutzt. Grenzen gibt es bei sehr großen oder extrem detaillierten Modellen und bei viel Stützmaterial, außerdem gilt ein tägliches Zeitlimit fürs Slicen.
Wer die volle Kontrolle will, greift zum dritten Weg, dem PrusaSlicer als installierbare Anwendung für Windows, macOS und Linux. Die Software ist kostenlos und quelloffen, bringt über 180 getestete und automatisch aktualisierte Profile mit und richtet sich beim ersten Start über einen Assistenten ein. Für Einsteiger gibt es einen Simple-Modus mit reduzierten Optionen, für Fortgeschrittene die Modi Advanced und Expert.

Wichtig für alle, denen Datenschutz und Unabhängigkeit von der Cloud wichtig sind: Man muss den MK4S nicht über Prusa Connect betreiben. Neben dem Cloud-Dienst bringt der Drucker mit PrusaLink eine lokale Weboberfläche mit, die nur im eigenen Netzwerk erreichbar ist. Darüber lassen sich Dateien hochladen, Drucke starten und der Fortschritt überwachen, ohne dass die Daten das lokale Netzwerk verlassen. Wer ganz ohne Netzwerk arbeiten will, sliced in PrusaSlicer lokal auf dem eigenen Rechner und übergibt die fertige Datei per USB-Stick direkt an den Drucker. Prusa Connect ist damit optional, für den Fernzugriff von unterwegs praktisch, aber kein Muss. Einzig EasyPrint bildet die Ausnahme, weil das Slicen dort in der Cloud auf Prusas Servern läuft; wer das nicht möchte, bleibt beim lokalen PrusaSlicer.
Auffällig ist, wie niedrig die Einstiegshürde bleibt. Für den ersten Druck braucht man weder Vorkenntnisse noch eine lange Einarbeitung: Modell aus Printables wählen, vorbereitetes Profil nehmen, senden. Die getunten Voreinstellungen nehmen einem die schwierigen Entscheidungen ab, und wer später mehr will, wächst über den Slicer und dessen erweiterte Modi ganz von selbst hinein.
Weiterführend bei Prusa: Prusa-App, EasyPrint und PrusaSlicer.
Materialvielfalt und Ausbau: womit der MK4S wächst
Unsere eigenen Testdrucke liefen komplett mit PLA, das war für die Beurteilung von Qualität, Tempo und Alltag die naheliegende Grundlage. Der MK4S kann aber deutlich mehr. Ab Werk kommt er mit den gängigen Materialien problemlos zurecht, also PLA, PETG, ASA, ABS sowie flexiblen Filamenten wie TPU. Dank des vollmetallischen Hotends, das bis rund 290 Grad heizt, und des bis etwa 120 Grad warmen Druckbetts sind darüber hinaus auch technischere Werkstoffe wie Polycarbonat und Nylon (PA) möglich. PrusaSlicer bringt für all das fertige, automatisch aktualisierte Profile mit, man wählt das Material also aus einer Liste, statt Temperaturen und Kühlung selbst zu erraten.
Eine Einschränkung betrifft die Düse. Verbaut ist eine Messingdüse in der High-Flow-Ausführung, ideal für die gängigen Kunststoffe. Für abrasive, mit Kohle- oder Glasfasern gefüllte Filamente nutzt sich Messing schnell ab, hier lohnt der Wechsel auf eine gehärtete Düse. Das ist ein günstiges Verschleißteil und schnell getauscht, sollte man aber wissen, bevor man Fasermaterial einlegt.
Interessant wird der MK4S dadurch, dass er kein abgeschlossenes System ist, sondern sich gezielt ausbauen lässt. Grob gibt es drei Richtungen, je nachdem, was man vorhat. Wer automatischen Mehrfarb- oder Mehrmaterialdruck will, greift zum bereits erwähnten MMU3, das bis zu fünf Filamente selbstständig wechselt. Wer viel mit ABS, ASA, Polycarbonat oder Nylon drucken möchte, ist mit dem Original-Prusa-Enclosure gut bedient, einer Einhausung, die die Wärme im Bauraum hält und so das Verziehen dieser Materialien deutlich reduziert. Für die Dämpfe und den Geruch, die vor allem ABS und ASA abgeben, gibt es dazu ein optionales Filtersystem mit HEPA- und Aktivkohlefilter. Und wer mehr Bauraum oder gleich einen geschlossenen CoreXY-Drucker braucht, kann den MK4S per Umbausatz in den neueren Prusa CORE One umwandeln, der laut Prusa auf kleinerer Stellfläche mehr Druckvolumen bietet und dank beheizter Kammer die anspruchsvollen Materialien souveräner verarbeitet.
Genau dieser Umbaugedanke ist ein Prusa-Markenzeichen, das man nicht unterschätzen sollte. Die Baureihe ist konsequent auf Aufrüstbarkeit ausgelegt, statt auf Wegwerfen und Neukaufen. Wer früher einen MK3 hatte, konnte ihn per Umbausatz zum MK4 machen, den MK4 wiederum zum MK4S, und heute führt der Weg vom MK4S weiter zum CORE One. Dabei werden viele bewährte Teile weiterverwendet, etwa Druckbleche, Hotend und Düsen. Für Käufer heißt das: Wenn Prusa künftig Neuerungen bringt, steht in der Regel nicht der Ersatz des ganzen Druckers im Raum, sondern ein überschaubarer Umbausatz. Das schützt die Investition und ist gerade beim Bausatz, den man ohnehin selbst zusammengebaut und dabei kennengelernt hat, ein stimmiger Ansatz.
Weiterführend bei Prusa: Filament- und Materialeinstellungen des MK4S, das Original-Prusa-Enclosure für den MK4S und der Umbausatz vom MK4S zum CORE One.
Funktionsdrucke aus dem Alltag
Den größten Nutzen eines Druckers merkt man dort, wo er ein konkretes Problem löst, oft schneller als der Weg in den Laden. Zwei Beispiele aus unserem Alltag zeigen das gut.
Das erste ist eine trockene Filament-Aufbewahrung, für die wir die Bauteile gedruckt haben und die das Filament später vor Feuchtigkeit schützen soll, ein Thema, das gerade bei anspruchsvolleren Materialien wichtig wird. Das Modell baut auf einer handelsüblichen Vorratsdose auf und hält eine einmal getrocknete Rolle über ihre gesamte Nutzungsdauer trocken. Ein Trockenmittelbehälter sitzt im Deckel und lässt sich zum Nachtrocknen im Ofen einfach herausnehmen, ein eingesetztes Hygrometer zeigt die Restfeuchte an. Im Inneren hält eine federbelastete Rückspulmechanik die Rolle mittig, sodass sie die Dosenwand nicht berührt und loses Filament ohne Verhaken wieder einzieht, selbst wenn die Dose gekippt wird. Zusammengebaut wird ohne Bohren und ohne Schrauben, überwiegend per Steck- und Rastverbindung, dazu kommen nur wenige nicht gedruckte Teile wie Kugellager, eine Feder, eine Schaumstoffdichtung und Trockenmittel, optional ein NFC-Tag zur digitalen Zuordnung der Rolle.

Das komplette Modell mit allen Druckteilen und Videoanleitungen für den Zusammenbau findet sich auf Printables: Filament Storage 2026.
Noch deutlicher wurde der Nutzen an einem Sonntag, an dem kein Laden geöffnet hatte. Für die Reinigung unseres externen Radiators, ein MO-RA IV 400, brauchten wir zwei Adapter, die es so nicht von der Stange gab. Also haben wir sie kurzerhand selbst gedruckt: einen Adapter von Außengewinde auf eine 10-mm-Schlauchtülle, um unseren Duschschlauch mit dem 16/10 Wasserkühlungsschlauch zu verbinden und den Radiator mit Druck durchzuspülen, sowie einen Aufsatz für eine 5-Liter-Flasche destilliertes Wasser aus dem Drogeriemarkt, um anschließend sauber nachzuspülen. Ohne den Drucker wäre das Vorhaben am fehlenden Zubehör und am geschlossenen Handel gescheitert, so war es in kurzer Zeit gelöst. Das ist der praktische Mehrwert, den ein zuverlässiger Drucker im Alltag liefert: passende Teile auf Zuruf, dann wenn man sie braucht.

Fazit
Nach dem Aufbau aus Teil 1 und dem Praxistest hier fällt unser Gesamturteil sehr positiv aus. Der MK4S liefert genau das, was man sich von einem gut abgestimmten Drucker wünscht: Die automatische Erstschicht über den Loadcell-Sensor sitzt zuverlässig, ohne dass man von Hand einen Live-Z-Wert suchen müsste, und die Druckqualität ist hervorragend und maßhaltig. Dass sich ein Print-in-Place-Modell mit ineinander gelagerten Ringen sauber löst und frei dreht, zeigt das eindrücklich. Auch das Tempo überzeugt, sobald zwei Voraussetzungen stimmen: ein wirklich fester Untergrund und eine korrekt gespannte Y-Achse. Beides haben wir im Test erst herstellen müssen, danach war auch der schnelle Druck sehr ordentlich. Besonders gefällt uns, wie niedrig die Einstiegshürde bleibt. Über die App, den Browser-Slicer EasyPrint oder den vollwertigen PrusaSlicer kommt man praktisch ohne Vorkenntnisse zum ersten Druck.
Ehrlich benennen muss man den Preis. Der MK4S ist im Vergleich zur schnell gewachsenen Konkurrenz teuer, die vor allem aus Fernost oft mehr Ausstattung fürs Geld bietet und den Einstieg günstiger macht. Wer nur gelegentlich ein paar Teile druckt, findet dort möglicherweise das passendere Angebot. Seine Stärken spielt der MK4S dagegen bei intensiver und langfristiger Nutzung aus. Der Drucker ist konsequent offen und reparierbar, komplett zerlegbar und ohne geklebte Teile, die Firmware und die Baupläne sind offengelegt. Er ist weitreichend ausbaubar, vom MMU3 über das Enclosure bis zum Umbau auf den CORE One, und über die Baureihen hinweg aufrüstbar, was die Investition schützt, statt sie mit dem nächsten Modell zu entwerten. Prusa legt die Maschinen auf Dauerbetrieb aus und betreibt selbst eine große Druckerfarm rund um die Uhr. Dazu kommen Entwicklung und Fertigung in der EU mit entsprechend guter Ersatzteil- und Supportlage. Für Vielnutzer, Werkstätten und alle, denen Offenheit, Langlebigkeit und ein europäischer Ansprechpartner wichtig sind, können das die entscheidenden Vorteile sein, die den höheren Preis rechtfertigen.
Zusätzlich attraktiv für Interessierte ist die Verfügbarkeit als Bausatz. Wer ihn selbst aufbaut, spart nicht nur gegenüber der fertig montierten Variante (22.09.26: 647€ respektive 799€), sondern versteht danach jede Baugruppe seines Druckers. Dieses Wissen zahlt sich bei Wartung, Fehlersuche und späteren Umbauten unmittelbar aus, man ist seiner Maschine nicht ausgeliefert, sondern beherrscht sie. Wie dieser Aufbau abläuft und worauf es dabei ankommt, haben wir ausführlich im ersten Teil dieses Tests beschrieben.
In Summe ist der Original Prusa MK4S ein rundum gelungener Drucker, der bei Qualität, Bedienbarkeit und Ausbaufähigkeit überzeugt und sich seinen Preis über Langlebigkeit und Offenheit verdient. Wir vergeben unseren Spitzenklasse-Award.
Pro
+ Hervorragende, maßhaltige Druckqualität, auf Anhieb und ohne manuelle Erstschicht-Kalibrierung
+ Sehr niedrige Einstiegshürde über App, EasyPrint oder PrusaSlicer mit fertigen Profilen
+ Hohes Drucktempo dank Input Shaper, bei festem Stand und korrekter Riemenspannung auch sauber
+ Konsequent offen und reparierbar, komplett zerlegbar, Firmware und Baupläne offengelegt
+ Weitreichend ausbaubar (MMU3, Enclosure, Umbau zum CORE One) und über Baureihen hinweg aufrüstbar
+ Auf Dauerbetrieb ausgelegt, Entwicklung und Fertigung in der EU mit guter Ersatzteil- und Supportlage
+ Als Bausatz erhältlich, der eigene Aufbau vermittelt tiefes Verständnis für Wartung und Reparatur
Kontra
– Hoher Anschaffungspreis
– Komfortabler Mehrfarbdruck kostet mit dem MMU3 extra, ab Werk geht Mehrfarbdruck nur über manuellen Filamentwechsel mit etwas Handarbeit

























