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Scythe Ninja 4 – quadratisch, praktisch, gut?

Der überall viel gelobte „Scythe Ninja“ ist mittlerweile in der vierten Version erhältlich und hat vor allem bei der Größe etwas zugelegt, beim Gewicht aber 180g abgespeckt. Die Ninja-Serie zeichnet sich seit jeher besonders durch sehr gute Temperaturen bei geringer Lüfterdrehzahl bzw. Lautstärke (deshalb Ninja) aus. Gerade deshalb gehört diese Serie immer zu den etwas wuchtigeren Zeitgenossen, wobei allerdings nur noch 6 statt vorher 8 Heatpipes verbaut werden. Weiterhin verbaut „Scythe“ nun einen noch langsamer drehenden Lüfter aus der GlideStream-Reihe. Wir wollen nun überprüfen, ob „Scythe“ mit der neuesten Version seines Kühlers den Erwartungen gerecht wird oder ob bedingt durch das geringe Downsizing auch Ansätze zur Kritik gegeben sind.

Schauen wir uns zuerst die technischen Daten an:

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Autor: Bastion​

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Wir danken Scythe für die freundliche Bereitstellung des Testmusters und freuen uns auf eine weiterhin enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit.​

Vorstellung und Lieferumfang

Wie schon am Anfang angesprochen besitzt der „Scythe Ninja 4“ nur noch 6 statt der vormals 8 Heatpipes. Diese sind aus Kupfer, vernickelt und 6 mm dick. Die Bodenplatte besteht ebenfalls aus Kupfer und ist vernickelt. Der Kühler ist von 120x120x160 mm (Ninja 3) auf 128 x 130 x 155 (Ninja 4) leicht gewachsen, hat aber 180 g im Gegensatz zum Vorgänger an Gewicht verloren (inklusive Lüfter). Die Deckplatte ist aus einem glänzenden Metall gefertigt in der eine Art Windrose eingestanzt ist, was womöglich zeigen soll, dass man beim Scythe Ninja 4 den Lüfter von allen vier Seiten anbringen kann (maximal 2 Lüfter gleichzeitig).

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Aus technologischer Sicht bewirbt der japanische Kühlerspezialist die Weiterentwicklung seiner M.A.P.S Technologie, die sich nun T.M.A.P.S (Three-dimensional Multiple Airflow Pass-through Structure) nennt. Durch eine veränderte Lamellenstruktur kann eine weitere Kühllamelle ohne eine Beeinflussung von Gewicht und Gesamthöhe ermöglicht werden. Dies soll vor allem im niedrigen Drehzahlbereich die Kühlleistung steigern. Diese neue Technologie erklärt auch, warum Scythe die Anzahl der Lamellen (36 statt 38) sowie deren Abstand (2,3 statt 2,0 mm) verändert hat.

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Beim Blick auf die Verarbeitungsqualität sind wir sehr zufrieden. Leider hatte unser Testexemplar verbogene Kühllamellen im unteren Bereich an jeder Ecke. Die Auswirkungen auf die Kühlleistungen sollten marginal sein, zumal man diese Lamellen leicht in die eigentliche Position zurückbiegen kann. Eventuell ist es auch ein Transportschaden. Wir gehen aber davon aus, dass dies kein Massenphänomen ist.

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Beim Lüfter setzt „Scythe“ auf einen sehr drehzahlarmen „Scythe GlideStream 120 (SY1225HB1212H-PS)“ aus eigenem Hause. Dieser wird mittels Lüfterklammern am Kühler befestigt. Mit minimal 300 U/min ist der Lüfter bei 4dbA flüsterleise, in unserem Fall lag die niedrigste Drehzahl bei 410 U/min, was ebenfalls keinen schlechten Wert darstellt. Sehr gut gefallen hat mir der am Lüfter angebrachte „Schaltknopf“ mit dem man den Lüfter je nach persönlichen Vorlieben manuell in eine Art 5, 7 oder 12V Modus versetzen kann. Zum Herumschalten ist diese Funktion in einem geschlossenen Gehäuse eventuell vernachlässigbar, bei offenen Konfigurationen aber durchaus praktisch.

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Im Lieferumfang enthalten sind der Kühler, die Montageutensilien, eine Montageanleitung, eine Spritze Wärmeleitpaste, zusätzliche Lüfterklammern, der Lüfter Scythe GlideStream 120 (SY1225HB1212H-PS) und ein langer Schraubendreher.

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Montage

Zuallererst eine kleine Einschränkung. Normalerweise sind die Kühler heutzutage für alle Sockel zu gebrauchen, beim „Scythe Ninja 4“ gibt es ein kleines Problem mit bestimmten AMD-Backplates. Bei Backplates die anstatt einer Verschraubung auf Kunststoffpins zur Befestigung des Sockels mit der Rückplatte setzen kann der „Scythe Ninja 4“ nicht montiert werden.

Wie schon angedeutet benutzen wir bei einem AMD-System die Standard-Backplate, dadurch müssen wir nicht zwingend das Mainboard ausbauen. Bei Intel-Systemen liegt eine alternative Rückplatte bei.

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Die Prozedur ähnelt dem anderer Kühler. Auf die Standard Backplate stecken wir Abstandshalter und schrauben danach eine Art Rahmen um den Sockel herum. Danach tragen wir die mitgelieferte Wärmeleitpaste auf und platzieren den Kühler. Anschließend verschrauben wir den Kühler fest mit einer Art Brücke. In unserem Fall mussten wir noch Abstandshalter verwenden, was aber abhängig von der Ausführung des Sockels ist. Diese sind aber essentiell, weil ansonsten der Kühler zu lasch auf dem Prozessor aufliegt. Jetzt müssen wir nur noch den Lüfter mit den mitgelieferten Lüfterklammern anbringen und wir sind fertig.

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Wie auf dem Bild ersichtlich kann man auch hohen Arbeitsspeicher einsetzen, der Abstand zum Kühler ist aber trotzdem gering. Somit kann der „Scythe Ninja 4“ nicht mit jedem Arbeitsspeicher betrieben werden, wobei ich besonders von RAM mit extrem hohem Heatspreader abraten würde. Da der Lüfter aber wie schon beschrieben an allen 4 Seiten angebracht werden kann, könnte bei einer intelligenten Anordnung des Lüfters sogar letzteres möglich sein.

Scythe verspricht auf ihrer Website eine kurze Montagezeit mit wenigen Arbeitsschritten, was sie letztendlich auch einhalten können. Die Installation ist unkompliziert (auch dank dem mitgelieferten Schraubendreher) und geht auch für Ungeübte leicht von der Hand.

Testsystem und Methodik

Als Testsystem kommt ein etwas betagtes System zum Einsatz, bei welchem ein Prozessor mit 90 Watt Verlustleistung verbaut ist. Die TDP ist zum Beispiel heutzutage Standard bei Gamer Prozessoren der Firma Intel und stellt somit auch einen gewissen Bezug zur Realität trotz des Alters dar.

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Wir haben jeweils die Temperatur im Leerlauf und unter Last bei verschiedenen Lüfterdrehzahlen gemessen. Jede Messung wurde nach fünfzehnminütigen Halten der Geschwindigkeit aufgenommen und zwischendurch das System heruntergefahren. Die Raumtemperatur betrug ungefähr 22°C. Zum Einstellen einer hundertprozentigen Prozessorlast nutzten wir das Programm „Prime95“, zum Auslesen der Prozessortemperatur „AIDA64“ und zum Einstellen der Lüftergeschwindigkeit „Speedfan“.

Einschätzung der Kühlleistung und Lautstärke

Zum besseren Verständnis hier eine Tabelle zur Zuordnung der Prozentzahlen zur Lüfterdrehzahl. Die Abweichungen der Maximaldrehzahl vom Herstellerwert sind normal, da erstens Messfehler des PWM-Signals vorliegen können und zweitens der Hersteller 10% für die Abweichung von der Maximaldrehzahl angibt.

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Wir haben uns bei den Lüfterdrehzahlen (anders als sonst) an den verschiedenen Geschwindigkeitsmodi orientiert, die uns der Lüfter bietet. Deshalb sind die gemessenen Werte besonders im niedrigen Drehzahlbereich auch etwas höher als üblich. Nichtsdestotrotz überzeugt der verbaute Lüfter besonders im geringen Drehzahlbereich in Bezug auf die Lautstärke. Da in diesem Abschnitt die Lagergeräusche meist lauter als die Luftgeräusche sind ist es umso erstaunlicher, dass der Lüfter flüsterleise arbeitet. Wir erreichten mit unserem Exemplar zwar keine 300 U/min (Herstellerangabe), doch ich denke dass die gemessenen 410 U/min mit unserem Testsystem trotzdem einen akzeptablen Wert darstellen. Ab 66% der maximalen Lüfterdrehzahl dreht der Ventilator aber ordentlich auf und erzeugt einen hörbaren Luftstrom. Da der „Scythe Ninja 4“ aber eher für niedrige Drehzahlen konzipiert ist, passen Lüfter und Kühler perfekt zusammen.

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Bei der Beurteilung der Kühlleistung fällt uns auf, dass der „Scythe Ninja 4“ immer eine Spitzenposition einnimmt und die Kontrahenten auf die hinteren Plätze verweist. Natürlich müssen wir auch immer im Hinterkopf behalten, dass der „Scythe Ninja 4“ zusammen mit seinem Kollegen „Mugen Max“ die teuersten Vertreter im Testfeld sind. Trotzdem kann unser Probant meistens einen Vorsprung von 1-2 °C gegenüber dem Konkurrenten „Scythe Mugen Max“ vorweisen. Insgesamt weist der „Scythe Ninja 4“ also eine hervorragende Kühlleistung auf, sowohl im Leerlauf als auch unter Volllast.

Fazit

Mit dem „Scythe Ninja 4“ versucht der japanische Kühlerspezialist sowohl eine sehr gute Kühlleistung als auch eine geringe Lautstärke in einem Produkt zu vereinen. Dass das eine Attribut das andere dabei nicht ausschließt, beweist der Kühler eindrucksvoll. Besonders gut hat uns der Lüfter aufgrund seiner sehr geringen minimalen Drehzahl sowie der Kühler aufgrund seiner vielseitigen Einsatzmöglichkeiten gefallen. Wer also einen leisen und leistungsstarken Kühler für zurzeit etwa 40€ sucht, ist beim „Scythe Ninja 4“ genau richtig beraten.

Somit hat sich der „Scythe Ninja 4“ unseren Gold- und Silent-Award verdient.

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Pro:

+ sehr gute Kühlleistung
+ sehr leiser Lüfter
+ vielseitig einsetzbar (flexible Lüftermontage, zweites Paar Lüfterklammern)

Contra:

– Mainboard muss zum Einbau ausgebaut werden (Intel)
– (bei manchen AMD-Systemen nicht montierbar)
– (bei unserem Testexemplar war die Verarbeitung der unteren Lamellen mangelhaft)

Wir danken Scythe für die freundliche Bereitstellung des Testmusters und freuen uns auf eine weiterhin enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit.

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