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Silverstone Tundra TD02-E – ein ebenwürdiger Nachfolger?

Silverstone ist vor allem für seine Gehäuse bekannt, bietet aber auch andere Produkte an, wie die hauseigene Wasserkühler-Serie Tundra – und ein Exemplar aus dieser Serie haben wir durchgetestet. Es handelt sich dabei um die Kompaktwasserkühlung, die auf den Namen Silverstone Tundra TD02-E hört und als Nachfolger für den TD02 einspringt. Silverstone will damit eine günstige, einfache und schlichte Wasserkühlung anbieten und den unteren Preisbereich angreifen, denn der Nachfolger hat eine offizielle Preisempfehlung von 105 Euro, was deutlich unter dem Straßenpreis für das alte Modell liegt.

Die Kompaktwasserkühlung mit dem 240mm-Radiator hat einige Veränderungen durchgemacht und unterscheidet sich deutlich vom Vorgängermodell. Die Radiatorhöhe ist von 45mm auf 27mm geschrumpft (so dick sind aktuell praktisch alle Radiatoren bei Wasserkühlungen). Er nimmt weiterhin 2x 120mm Lüfter auf und wird deswegen mit 240mm vermarktet. Seine Länge ist aber 278mm. Das sollte bei der Installation bedacht werden. Auch die Plastikabdeckung vom Vorgänger ist nicht mehr vorhanden. Somit verliert die Wasserkühlung ihr einzigartiges Design, passt mit der schwarzen Farbe dafür deutlich besser zu der restlichen Hardware. Die Schläuche sind gleich lang geblieben, das Material wurde gewechselt – jetzt sind sie aus Gummi und sehen sehr gut aus. Der Kühlerblock hat einige kosmetische Änderungen verpasst bekommen und passt optisch besser zu dem aktuellen dunklen Design der Wasserkühlung. Dazu kommt die Unterstützung für den Sockel 2011-V3, auf welchem die Wasserkühlung auch getestet wird.

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Für die freundliche Bereitstellung des Testsamples und das uns damit entgegengebrachte Vertrauen geht unser besonderer Dank an Silverstone. Wir hoffen weiterhin auf eine gute Zusammenarbeit.

Autor: Cryonic

Verpackung und Hardware

Verpackung:

Die helle, vorwiegend in Blau bedruckte Verpackung zeigt die Wasserkühlung und listet alle Funktionen sowie die technische Details.

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Öffnet man den Karton, kommt einem sofort das einfache, aber übersichtliche Handbuch in schwarz/weiß entgegen. Diese enthält die Installationsanleitungen für alle Sockel – Vorbildlich, vor allem in einer Zeit, wo immer mehr Hersteller darauf verzichten und einen zwingen, ihre Homepage zu besuchen. Unter der weichen Kunststoffabdeckung und dem Handbuch finden wir alles weitere in einer passgenauen Pappschale: Die Wasserkühlung selbst, 2 120mm Lüfter und einen kleine Karton, der alle Kleinteile beinhaltet. Der Radiator, die Lüfter und der Kühlerblock sind zusätzlich mit Plastiktüten geschützt.

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Die Verpackung ist umweltfreundlich, stabil genug, um auch groben Umgang zu überstehen und sie ist schlicht gehalten. In der kleinen Box befinden sich alle Schrauben, das nötige Installationsmaterial für alle Sockel, eine kleine Spritze mit Wärmeleitpaste sowie 2 Adapter für die Lüfteranschlüsse – 1x mit Molex und 1x Y-Adapter von einem Lüfteranschlüss für 2 Lüfter. Der kleine Molexadapter ist nicht gesleeved, der Y-Adapter ist sauber in Schwarz gesleeved, genau wie das Anschlusskabel für die Pumpe. Alles ist in perfektem Zustand, es gibt keine Transportschäden.

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Hardware:

Silverstone setzt auf ein interessantes Design beim Rohrradiator mit geraden Lamellen, die parallel angeordnet sind. Dies soll die Wärmeübertragung um bis zu 40% verbessern und nebenbei spart es auch Materialkosten.

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Die Seiten sind mit Carbon-Schienen verkleidet, die recht gut aussehen und den einfachen, schwarzen Radiator optisch etwas aufwerten. Am Radiator sind die 310mm langen Schläuche aus schwarzem Gummi befestigt. Die Länge ist ausreichend, um in kleinen Gehäusen nicht zu stören. Wer aber ein größeres Gehäuse hat oder den Radiator vorne installieren will, kommt mit der Länge nicht mehr hin. Und ein weiteres nettes Detail: Der Radiator verfügt auf jeder Seite über Gummiaufkleber über den Befestigungspunkten. Das dämpft die Vibrationen und ist gerne gesehen.

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Der Kühlerblock ist aus vernickeltem Aluminium mit einer Kupferplatte. Der gesamte Kühlerblock kommt ohne Schrauben aus und macht optisch einiges her. Ein Wasserzusatz verhindert die Metallreaktion. In diesem Preisbereich ist es nicht ungewöhnlich. Alles komplett aus Kupfer zu fertigen (Radiator, Kühlerblock) wäre zu teuer.

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Auf dem Kühlerblock ist ein Aufkleber mit der Warnung „Please remove before install“ und dies sollte man auch dringend machen. Diese Lösung ist praktisch und somit kann jeder selbst entscheiden, welche Wärmeleitpaste benutzt wird und diese passend auf die CPU auftragen. Oben auf dem Kühlerblock sitzt ein beleuchtetes Silverstone-Logo, eine Schneeflocke mit blauer LED dahinter. Die Pumpe im Kühlerblock ist auch ohne Schrauben befestigt und wird über einen 3-Pin Stecker angeschlossen, bevorzugt auf CPU-FAN.

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Die schwarz/weißen Lüfter hingegen verfügen über 4-Pin PWM-Anschlüsse und lassen sich so wunderbar über das Motherboard steuern.

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Das Installationsmaterial ist vollständig. Leider gibt es keine Ersatzschrauben. Es wird genau so viel mitgeliefert, wie für die Installation benötigt wird.

Installation

Die Installation auf dem 2011-V3 Sockel ist sehr einfach und dauert nur wenige Minuten. Da die Backplate bei diesem Sockel nicht benötigt wird, muss man nicht hinter dem Motherboard arbeiten. Auf anderen Sockeln sieht das Ganze etwas anspruchsvoller aus. Die Schrauben und passende Bohrungen sind sauber verarbeitet und dürften keine Probleme bereiten

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Durch die mitgelieferte, aber nicht aufgetragene Wärmeleitpaste hat man an dieser Stelle noch etwas Streicharbeit. Die mitgelieferte Wärmeleitpaste reicht für 2 Anwendungen auf großen Prozessoren aus und für 3-4 Anwendungen auf Prozessoren mit kleinem Heatspreader. So was sieht man gerne! Die Verkabelung gestaltet sich sehr einfach – Die Pumpe wird an den CPU-FAN Anschluss gesteckt, die Lüfter auf 2 Case-FAN Anschlüsse. Kann das Motherboard die Case-Fans nicht über PWM steuern, sollte die Pumpe über den mitgelieferten Adapter an Molex angeschlossen werden (sie kann nicht gesteuert werden, nur über Spannung mit einem passenden Adapter) und die Lüfter über den beiliegenden Y-Adapter entsprechend an den freigewordenen CPU-FAN Anschluss. Die Kabel sind etwas kurz geraten und dürften nicht auf jedes Board ohne Verlängerung passen. Gerade bei den Lüftern hätten weitere 10cm nicht geschadet.

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Das Handbuch ist nur zum Teil angepasst worden und enthält noch viele Daten von dem alten TD02 Modell. So sind z.B. noch alte Abmessungen drin, der Radiator ist aber 27mm dick und nicht 45. Die Version auf der Silverstone-Webseite hat alle neuen Daten drin und ein paar Seiten mehr. Leider hat sie es nicht in die Verpackung geschafft.

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Kühlleistung und Lautstärke

Testsystem:

CPU: Intel i7 5820K @ 4,4GHz 1,25V
Motherboard: ASUS X99-A
RAM: Crucial Ballstix Sport DDR4 16GB @ 2666Mhz
Gehäuse: Phanteks Enthoo Luxe
Gehäuselüfter: 4x Enermax TB.Silence 140mm, fixed @ 650RPM.
GPU: Gigabyte GTX 970 Windforce 3x
Netzteil: Be Quiet! Pure Power 530W L8 CM

Temperatur:

Um die Kühlleistung entsprechend zu testen, nehmen wir eine CPU mit 140W TDP und übertakten diese um knapp 30%. Die Kühlung schafft es, die stark übertaktete CPU auch mit maximaler Auslastung durch Prime95 ausreichend zu kühlen. Die Messung erfolgt mit CoreTemp, angegeben wird immer die höchste Kerntemperatur. Der Raum ist mit 18°C recht kühl, im Sommer darf man gerne einige °C dazurechnen und da wird es schon knapper. Als Wärmeleitpaste kommt die mitgelieferte von Silverstone zum Einsatz. Im Vergleich mit der NZXT Kraken X61 sehen die Temperaturen folgendermaßen aus:

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Lautstärke:

Und hier kommen wir zu dem Hauptkritikpunkt der Tundra: Sie ist laut. Verdammt laut. Die Pumpe ist leise, aber hörbar – Das ist aber nicht selten und betrifft praktisch alle All In One Wasserkühlungen. Das was hier Krach macht, sind die 2 Lüfter, die zwischen 1500 und 2500 Umdrehungen schaffen. Selbst im Idle sind die Lüfter mehr als deutlich zu hören und unter Last sind sie unerträglich laut. Wobei das eigentlich nicht sein muss. Regelt man sie manuell, ist die Temperatur kaum höher, obwohl sie bei 1500RPM fixiert werden. Da zeigen sich die Sparmaßnahmen deutlich. Wer sich diese Kühlung zulegt, muss noch 2 Ersatzlüfter einplanen oder mit einem sehr lauten System leben.

Fazit

Silverstone greift aggressiv den unteren Preisbereich an und muss sich neben den Konkurrenzprodukten von Raijintek, Enermax & Antec behaupten. Das ausgefallene Design und der dicke Radiator sind Geschichte, was bleibt noch? Die Kühlleistung ist gut, die Verarbeitung sehr gut und der Preis niedrig. Die üblichen Probleme der Kompaktwasserkühlungen bleiben aber.

Die enorme Lautstärke ist ein großes Problem. Damit ist Silverstone aber nicht allein.
Die Lüfter drehen einfach zu schnell und sind zu laut. Daran lässt sich nicht rütteln. Und auch die Gummipads an dem Radiator helfen nicht weiter. Ein niedriger Preis darf nicht auf Kosten der Lautstärke realisiert werden. Ein guter Luftkühler in dem Preisbereich bis 90€ bringt dieselbe Leistung, ist aber deutlich leiser. Hier muss sich die Tundra TD02-E mit den besten Luftkühlern wie Be Quiet! Dark Rock Pro 3, Noctua NH-D15 und Phanteks PH-TC14PE messen, die alle weniger kosten und verliert den Kampf. Natürlich ist die Optik der Wasserkühlung dafür besser.

Wer eine günstige Wasserkühlung sucht, sich nicht an hoher Lautstärke stört oder andere Lüfter verwenden will, kann hier für derzeit 100€ zugreifen. Besonders für kleine Systeme, die keinen Platz für einen großen Twin-Tower-Kühler haben, ist dies eine gute Lösung.

Pro:
+ Günstig
+ Ausreichende Kühlleistung für alle Prozessoren auf dem Markt
+ Einfach zu installieren
+ Gute Verarbeitung

Contra:
– Besonders unter Last sehr laut
– Pumpe nicht steuerbar
– Blaue LED passt farblich nicht zu jedem System

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