Wavemaster TWO NEO im Test

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Praxistest

Dem aufmerksamen Leser sollte aufgefallen sein, dass wir bei den Audioinputs kein Wort über Bluetooth verloren haben. KLAR haben die Wavemaster TWO Neo eine Bluetooth-Funktion, was diese Lautsprecher extrem interessant werden lässt. Äußerlich vermitteln sie das Bild eines längst überholten (aber dennoch eleganten) Stereo-Soundsystems, doch im Inneren der Speaker brodelt einiges Potential. Wir konnten kein Gerät finden, das wir nicht mit den TWO NEO verbinden konnten. Die Xbox haben wir über das optische Input, das Macbook über die Cinch und unsere mobilen Geräte über Bluetooth anschließen können. Auch DVD-Player, TV und Plattenspieler fanden problemlos Anschluss. Für den Studiogebrauch fehlen die XLR-Anschlüsse. Aber darüber können wir gerne hinwegsehen, denn wer von uns nutzt schon ein Audiointerface á la Steinberg? Wohl nur die wenigsten.

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Um zwischen den Quellen auswählen zu können, haben wir mehrere Möglichkeiten. Wir können mehrfach auf den Volumen-Drehregler drücken bis uns die jeweilige Farbe der integrierten LED die Audioquelle bestätigt. Beispielsweise leuchtet die LED türkis, wenn wir ein Cinch-Gerät angeschlossen haben. Ebenso einfach können wir auch auf der Fernbedienung den Button für „Source“ betätigen.

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In der Praxis nutzen wir ohnehin meistens die Fernbedienung, denn mit ihr können wir Hoch- und Tiefton anpassen, lauter und leiser stellen, den Ton komplett muten oder Loudness-Anpassungen vornehmen.

Selbstverständlich spielt auch der Stromverbrauch in der Praxis eine Rolle. Wir messen im Nahfeldbereich bei ca. 65 dBA einen Stromverbrauch von 10,5 Watt während wir „Make it Rain“ von Ed Sheeran hören. Wir können aber auch anders und messen bei Limp Bizkits „Eat you alive“ knapp 32 Watt verbrauch bei einer Lautstärke von 92 dBA.

Kommen wir nun endlich zum Sound-Check.

Sound-Check

Da wir eine gute Bandbreite verschiedener Genres abdecken möchten, hören wir uns die folgenden Lieder an:

  • Major Lazer „Lean On“
  • LMFAO „Rock The Beat II“
  • Gregory Porter „Liquid Spirit“
  • Xavier Naidoo „Woman in Chains“

In der Sparte des reinen Musikgenusses, steigen wir mit elektronischer Musik ein und bahnen uns den Weg über Hip Hop, Jazz und Pop bis hin zu gefühlvolle Balladen. Bei allen Titeln beträgt die Bitrate 320 kBit/s und die Abtastrate 48,000 kHz.

Beginnen werden wir mit Major Lasers „Leon On“. Anfangs baut sich die Grundstimmung des Liedes langsam auf. Die ersten 10 Sekunden klingen schon so harmonisch, dass wir kaum den Einsatz der Stimme erwarten können. Da ist sie auch schon, eine minimal rauchige Frauenstimme setzt glasklar ein und wird anschließend von sauberen kurzknackigen Bässen verfolgt. Das Lied wird von sanften elektronischen Hintergrundtönen und einer präsenten Stimme und knackigen Bässen dominiert. Jedoch kommen trotz der Dominanz die Hats und Crshes vor jedem Refrain optimal zur Geltung. Die Dynamik ist unbeschreiblich weitläufig und voluminös. Die indischen Einflüsse liegen meist im Hochtonbereich: Das Gesamtspiel aus elektronischen Sounds und klassischem Gesang ist hervorragend.

Jetzt wollen wir es wissen und versuchen die Grenze des Machbaren auszureizen. „Rock The Beat II“ (unser Lautsprecherkiller) von LMFAO ist und bleibt da unser treuster Track. Standlautsprecher wie die Jamo S626 bringen das ganze Haus zum beben. Die TWO Neo sind aber auch nicht von schlechten Eltern. Die extrem schnellen und tiefen Bassschläge und der noch tiefere Nachhall dieser reizen die TWO Neo bis ins letzte aus. Wir können mehr deutlich den Bass verzerrungsfrei abspielen, der Druck eines Subwoofers fehlt aber leider. Glücklicherweise können wir, wenn uns danach ist, einen Subwoofer an den TWO Neo anschließen. Das ist definitiv die Grenze des Machbaren im Bereich elektronischer Musik.

Wir probieren es nun mit den absoluten Stärken der TWO Neo und schweifen um auf akustische Instrumente und unverwechselbare Stimmen: Gregory Porter wird uns behilflich sein. Einen konkreten Track benötigen wir nicht und bleiben einfach beim Album „Liquid Spirit“, denn sein Sound spiegelt in allen Tracks Percussions, High-Hats, Hand-Claps, Kontrabass und Trompeten wieder. Und ja, der Sound ist der absolute Wahnsinn. Wir behaupten, dass uns nicht eine einzige Klangnuance verloren geht. Gerade „Hey Laura“ und „Brown Grass“ versprühen einen solch waren Klang, dass wir uns bei geschlossenen Augen Porters Anwesenheit vorstellen können. Am besten kommt der Klang, wenn wir die Speaker auf Ohrhöhe ausrichten und etwa in einem Winkel von 30° vor uns platzieren. Dabei sollte der Abstand relativ gering sein. Etwa eine Armlänge reicht für diese Nahfeldmonitore aus, damit ihr die volle Klangvielfalt mitbekommt.

Wir könnten ewig weiter den vielen tollen Interpreten und Titeln lauschen, jedoch möchten wir einen letzten Eindruck sammeln und genießen das Duett zwischen Xavier Naidoo und Yvonne Betz „Woman in Chains“ auf dem Unplugged Album „Wettsingen in Schwetzingen“:
Das Schlagzeug spielt trocken und knackig auf, das Klavier sanftmütig und hallig. Es hat den Anschein, dass das Schlagzeug mehrspurig aufgenommen wurde, denn wir hören exakt heraus, welche Schlagzeugelemente wo zu verorten sind. Xaviers Stimme setzt ein. Im Hintergrund sind Beckenwirbel zu vernehmen. Es baut sich so langsam eine wohlige Stimmung auf und wir erkennen an den höchsten Frequenzen die Akustik einer Konzerthalle. Machen wir die Augen zu, merken wir, welches Klangvolumen diese relativ kleinen Lautsprecher besitzen. Obwohl wir die Lautsprecher eindeutig seitlich von uns positioniert haben, könnten wir schwören, dass Xavier vor uns steht, wenige Meter dahinter das Schlagzeug, der Flügel steht links daneben, erstrahlt aber in alle Richtungen. Yvonne betritt den Raum: Ihre Stimme ist etwas präsenter, denn es wird höher und wärmer. Xavier bringt erneut eine rauchige Klangfarbe ins Spiel während Yvonne gesanglich in den Hintergrund rückt. Das gleiche passiert nun umgekehrt und Yvonne setzt zum Streich an. Ein stimmlich starkes Crescendo tritt ein, während Xavier es ihr gleichtut. Beide Stimmen harmonieren perfekt. Nun ertönt die Trompete und wir können es erneut nicht in Worte fassen, wie präsent jede kleinste Nuance zu uns vordringt. Langsam tauen wir auf und ergeben uns der Klangvielfalt, welche auf höchstem Niveau zu unseren Ohren tritt. Wir bekommen eine kleine Atempause, denn das Instrumentensolo setzt ein und überflutet uns mit einer Frequenzvielfalt aller vorhandenen Instrumente. Besonders die Trompeten kommen langsam aus dem Hintergrund hervor. Nun übernimmt das Schlagzeug die Instrumentenpräsens und der Sound rückt von Ohrmuschel zu Ohrmuschel und wieder zurück. Es ist ein faszinierendes Klangerlebnis. Wir sind hin und weg.

Es ist der blanke Wahnsinn, was diese Speaker in ihrem Kerngebiet auf die Ohren bringen. Wir sind beeindruckt.

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2 Kommentare

    • Philipp_Bär am

      Ja, die sind der Hammer, ich höre die täglich und bin rundum zufrieden. Letztens bin ich mit denen gegen meine Küchenplatte gestoßen (volle Wucht), die hatten nicht mal nen Kratzer.

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