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Womit Google und Apple bei der Entwicklung einer Corona-App alle zum Staunen brachten

Bereits seit einigen Wochen ist eine App in aller Munde. Es geht dabei um eine Application auf mobilen Geräten, die die Verbreitung des Corona-Virus aufspüren soll. Diskutiert wird dabei vor allem darüber, wie die Interessen von Regierung und Techriesen gelagert sind. Und das ist durchaus überraschend.

Einige europäische Länder – darunter auch Deutschland – planen derzeit Tracing Systeme oder Apps zu nutzen, die eine Verbreitung des Corona Virus und damit Infektionsketten nachvollziehbar machen. Das würde Gesundheitsbehörden die Arbeit enorm erleichtern und würde natürlich auch einer Eindämmung des Virus zugute kommen. Das Prinzip ist so einfach wie klar: Jeder kann freiwillig Symptome melden und angeben, ob sie oder er positiv auf Corona getestet wurde. Eine App wird dann automatisch all diejenigen alarmieren, mit denen die erkrankte Person während der vergangenen Tage Kontakt hatte. Gleichzeitig würde sie die verdächtigen Personen zu einem Test aufrufen und in häusliche Quarantäne bitten. Dafür bräuchte die App natürlich ein Orts-Tracking der Nutzerinnen und Nutzer. Genau gesagt sieht das dann so aus: Alle Vorlieben der Menschen, die die App nutzen, sind so gut wie nachvollziehbar. Spielt jemand also gerne Jackpot Spiele und fühlt sich dabei wie im Casino Las Vegas oder läuft jemand täglich die gleiche Route zum Lieblingsbäcker – kann das aber wirklich in der App festgehalten werden?

Derzeit gibt es unterschiedliche Ideen für derartige Tracking-Mechanismen. PEPP-PT soll dabei als Rahmen für alle Corona-Apps zum Einsatz kommen und in ganz Europa laufen. Die Nutzerdaten sollen dabei auf einem zentralen Server gespeichert werden.

Das schweizerische Open-Source-Projekt D3PT hingegen setzt auf dezentrales Tracking und sichert die Daten mithilfe der API auf den Nutzergeräten. Dieser dezentrale Ansatz dient den Entwicklern von D3PT dazu, den Nutzerinnen und Nutzern dieser Tracing-Methode einen maximalen Schutz der Privatsphäre zu sichern.

Auf GPS setzen beide Systeme zur Bestimmung des Nutzerstandortes aber nicht. Denn ein solches Tracking ist laut den Richtlinien der Europäischen Kommission zu Contact Tracing nicht erwünscht. Warum ist das so? Es geht um die Auswirkungen auf die Nutzerprivatsphäre. Stattdessen kommt das Protokoll Bluetooth Low Energy (BLE) zum Einsatz, das die Entfernung zwischen einzelnen Geräten mithilfe von Funksignalen bestimmt.

Außerdem haben Google und Apple da etwas in Petto. Sie haben bereits eine Tracing-Lösung entwickelt, die mihtilfe von APIs laufen soll. Und das geht so: Smartphones können über diese Schnittstelle einen key austauschen, der bei einer Covid-19-Diagnose mit Zustimmung des Nutzers in eine Cloud lädt. Die sogenannten Corona-Apps können dann die betroffenen Kontakte des Infizierten informieren ­– und zwar ohne dass die Tracking-Daten zentral gespeichert werden müssen.

Die Bundesregierung wollte ursprünglich wohl auf das PEPP-PT-System setzen. Daraufhin hagelte es allerdings jede Menge Kritik – unter anderem auch von Google und Apple selbst. Obwohl die Nutzung der App und der Tracing-Systeme freiwillig bleiben soll, fürchten Datenschützer um eine zunehmende Überwachung – und das auch noch nach dem Ende der Corona-Krise.

Eine Rückverfolgung und Alarmierung von Covid-19-Patienten ohne die Unterstützung von Google und Apple dürfte aber von Anfang an zum Scheitern verurteilt sein. Die Bundesregierung hat wohl deshalb angekündigt, statt auf die einst geplante zentrale Lösung mithilfe von PEPP-PT auf eine dezentrale Variante setzen zu wollen.