Mit der Vanguard Air 99 Wireless löst CORSAIR die K100 Air Wireless ab und bringt deren Low-Profile-Konzept unter dem neuen Vanguard-Markennamen mit aktualisierter Technik zurück. Im Vergleich zur kabelgebundenen Vanguard 96 setzt die Air 99 auf optische OPX-Schalter statt mechanischer Switches und bietet Tri-Mode-Konnektivität über Slipstream v2, Bluetooth und USB. Das 99-%-Layout behält den Nummernblock bei, ergänzt um sechs dedizierte SD-Keys mit Elgato Stream Deck-Integration, ein 1,9-Zoll-LCD-Display und einen multifunktionalen Drehregler. Ob die Kombination aus Low-Profile-Bauweise, 8.000 Hz Hyper-Polling und bis zu 55 Stunden Akkulaufzeit in der Praxis überzeugen können, klären wir im folgenden Test.
Verpackung, Inhalt, Daten
Verpackung


Die CORSAIR Vanguard Air 99 Wireless wird in der für Corsair typischen gelb-schwarzen Verpackung geliefert. Auf der Vorderseite ist die Tastatur durch eine großflächige Abbildung samt beleuchteter RGB-Tasten zu sehen. Am linken Rand sind die sechs SD-Keys (S1–S6) gut erkennbar. Logos für Slipstream, Bluetooth, Elgato Stream Deck und 8.000 Hz Hyper-Polling sind rund um die Abbildung platziert, darunter findet sich der Hinweis „Optical-Mechanical Gaming Keyboard“. Der Modellname ist in der gelben Banderole oben rechts prominent abgedruckt.
Die Rückseite listet die wichtigsten Features in mehreren Sprachen auf, darunter Deutsch, und zeigt die Tastatur aus verschiedenen Perspektiven. In der rechten oberen Ecke sind die Logos für Bluetooth, Slipstream, Virtual Stream Deck und Corsair Web Hub abgebildet. Unten rechts befindet sich eine Kompatibilitätstabelle für Windows, macOS, Xbox und PlayStation sowie Zertifizierungssymbole und die Modellnummer.
Inhalt


Neben der Tastatur selbst befinden sich folgende Bestandteile im Lieferumfang:
- USB-C-auf-USB-A-Kabel (1,8 m, gummiert)
- USB-A-auf-USB-C-Adapter
- 6 Mac-Tastenkappen mit Apple-Beschriftung
- 6 Stream Deck Icon Tastenkappen
- Slipstream-v2-USB-Dongle (im Gehäuse der Tastatur untergebracht)
- Dokumentation
Eine Handballenauflage, wie sie bei der kabelgebundenen Vanguard 96 beiliegt, ist bei der Vanguard Air 99 Wireless nicht im Lieferumfang enthalten. Ebenfalls fehlen ein Tastenkappen- oder Switch-Abzieher. Angesichts der fest verbauten, nicht austauschbaren optischen Switches ist Letzteres allerdings nachvollziehbar.
Daten
| Technische Daten – CORSAIR Vanguard Air 99 Wireless | |
|---|---|
| Layout | 99 % (Compact Full-Size) |
| Gehäuse | Aluminium (Oberseite), Kunststoff (Unterseite) |
| Farbvarianten | Schwarz, Weiß |
| Tastenkappen | ABS Single Shot (DE-Layout) |
| Schalter | CORSAIR OPX Low Profile optisch, linear, 45 g, 1,5 mm Auslösung, 2,5 mm Gesamthub, 80 Mio. Anschläge, vorgeschmiert, 1-Pin |
| Konnektivität | Tri-Mode: Slipstream v2 (2,4 GHz) / Bluetooth / USB-A (kabelgebunden) |
| Polling-Rate | Bis zu 8.000 Hz (kabelgebunden und kabellos) |
| NKRO | Full Key Rollover mit 100 % Anti-Ghosting |
| Display | 1,9 Zoll IPS, 320 × 170, 350 cd/m² |
| SD-Keys | 6 dedizierte Stream Deck Tasten + Launch Key |
| Drehregler | Multifunktional (Lautstärke, Scrollen, Helligkeit, Zoom, Makro) |
| Schalldämpfung | 5 Lagen (PU-Plate-Foam, Switch-Foam, Switch-Film, Dämpfungsschaum, PET-Folie) |
| Montage | Gasket Mount |
| Akku | 4.170 mAh Lithium-Polymer, 3,7 V |
| Akkulaufzeit | Bis zu 55 h (2,4 GHz, RGB aus, LCD 20 %) / 29 h (2,4 GHz, RGB an, LCD 20 %) |
| Ladezeit | Ca. 5 h (vollständig), ca. 30 Min. für 4,96 h Laufzeit |
| Konsolenkompatibilität | Xbox One, Xbox Series X |
| Profile | 5 (1 Onboard, 4 über Web Hub) |
| Software | CORSAIR Web Hub (webbasiert), Elgato Stream Deck App |
| Kabel | 1,8 m USB-C auf USB-A, gummiert |
| Abmessungen | 425,63 × 137,63 × 26,27 mm |
| Gewicht | 915 g |
| Garantie | 2 Jahre |
| UVP | 279,99 € (EU) |
Details
Gehäuse & Verarbeitung
Die Vanguard Air 99 Wireless setzt auf ein zweigeteiltes Gehäusekonzept: Die Oberseite besteht aus Aluminium, die Unterseite aus Kunststoff. Im 99-%-Layout bringt es die Tastatur auf Abmessungen von 425,63 × 137,63 × 26,27 mm bei einem Gewicht von 915 g. Trotz Low-Profile-Bauweise also kein Leichtgewicht, was vor allem dem 4.170-mAh-Akku geschuldet sein dürfte. Die Chassishöhe liegt bei lediglich 18 mm, die Gesamthöhe inklusive Tastenkappen beträgt 26,27 mm. Damit fällt die Tastatur sehr flach aus. An der Unterseite befinden sich ausklappbare Füße zur Höhenverstellung. Der USB-C-Anschluss zum Laden und für den kabelgebundenen Betrieb befindet sich an der Rückseite.
Im Inneren kommt ein Gasket-Mount-System zum Einsatz, bei dem die Switch-Platine über Gummipuffer vom Gehäuse entkoppelt ist. Ergänzt wird dies durch eine fünflagige Schalldämpfung, bestehend aus PU-Plate-Foam, Switch-Foam (Oberseite), Switch-Film (Unterseite, TPU), einem Dämpfungsschaum (IXPE) und einer PET-Folie. Die Switch-Plate selbst besteht laut Corsair aus Polycarbonat (PC). An der linken Seite des Gehäuses befinden sich die sechs SD-Keys, oben rechts sind Display, Drehregler und die Funktionstasten für Game Mode und Stream Deck Launch untergebracht. Auf der Unterseite sitzt ein 3-Wege-Schalter zum Umschalten zwischen 2,4-GHz-, Bluetooth- und Off-Modus. Der Slipstream-v2-USB-Dongle wird magnetisch am oberen Gehäuserand verstaut und lässt sich dort sicher transportieren.
Tastenkappen & Switches
Die Vanguard Air 99 Wireless wird in der hier vorliegenden DE-Variante mit ABS Single Shot Tastenkappen ausgeliefert. PBT Double Shot Kappen sind laut Corsair den Layouts NA, KR, TW und UK vorbehalten. Eine Unterscheidung, die in der Keyboard-Community kontrovers aufgenommen werden dürfte, da ABS für seine geringere Langlebigkeit und das schnellere Entwickeln von Glanzstellen bekannt ist. Der Stößel der OPX Low Profile Switches ist im Cherry-MX-Kreuzformat gehalten, sodass sich grundsätzlich auch Tastenkappen von Drittanbietern mit entsprechendem Stempel verwenden lassen. So lassen sich zumindest die Keycaps später selbst tauschen.

Bei den Schaltern setzt Corsair auf die hauseigenen CORSAIR OPX Low Profile Switches. Diese optischen Schalter nutzen Infrarotlicht zur Auslöseerkennung und kommen damit ohne mechanischen Kontakt aus, was die Entprellung überflüssig macht. Im Vergleich zu den Standard-OPX-Schaltern (wie etwa in der K100 oder K70 Pro verbaut) unterscheiden sich die Low-Profile-Varianten in wesentlichen Kennwerten: Der Auslösepunkt liegt bei 1,5 mm statt 1,0 mm, der Gesamthub bei 2,5 mm statt 3,2 mm, und die Lebensdauer wird mit 80 Millionen Anschlägen statt 150 Millionen angegeben. Die Auslösekraft beträgt unverändert 45 g. Laut Corsair sind die Switches vorgeschmiert und verfügen über ein neuartiges gewölbtes Linsendesign, das eine gleichmäßigere RGB-Ausleuchtung ermöglichen soll. Der Aufbau besteht aus einem Gehäuseoberteil aus Polycarbonat, einem POM-Stößel und einem Gehäuseunterteil aus PA66 (Nylon). Ein verstärkter Metallschild soll die Infrarot-Lichtschranke vor Interferenzen schützen.
Die Switches sind mit nur einem Befestigungsstift (1-Pin) in der Platine verankert. Beim Abziehen einer Tastenkappe wurde im Test versehentlich auch der darunter sitzende Switch mit aus dem Sockel gelöst, wobei die Infrarot-Sensorik auf der Platine freigelegt wurde. Corsair bewirbt die Air 99 Wireless allerdings nicht als Hot-Swap-fähig. Da die OPX Low Profile Switches proprietär sind, nicht separat erhältlich und optische Schalter aufgrund herstellerspezifischer PCB- und Sensordesigns nicht untereinander kompatibel sind, ist ein Austausch gegen Switches anderer Hersteller konstruktionsbedingt nicht möglich.
LCD-Display & Drehregler

Rechts oben in der Tastatur ist ein 1,9 Zoll großes IPS-Display mit einer Auflösung von 320 × 170 Pixeln und einer Helligkeit von laut Hersteller 350 cd/m² eingelassen. Über den Corsair Web Hub lassen sich eigene Bilder und GIFs auf das Display laden, unterstützt werden die Formate GIF, JPG und BMP mit einer maximalen Dateigröße von 500 KB pro Bild. Insgesamt bietet der Speicher Platz für bis zu 350 statische Bilder oder 20 GIFs, je nach Dateigröße. Im Betrieb zeigt das Display kontextabhängige Informationen an: den aktiven Verbindungsmodus, den Akkustand, die gewählte Drehregler-Funktion oder den Status von Funktionen wie FlashTap oder Game Mode. Zwischen den Ansichten wird per FN + Pfeiltasten gewechselt.
Der daneben platzierte Drehregler aus Metall ist multifunktional ausgelegt und lässt sich über FN-Kombinationen in verschiedene Modi schalten: Lautstärke (Standard), vertikales und horizontales Scrollen, Helligkeitssteuerung, Zoom und Makroaufnahme. Jeder Modus wird über eine farbige LED-Anzeige auf der entsprechenden Numpad-Taste signalisiert und auf dem LCD-Display visualisiert. Der Regler reagiert auf Drehbewegungen in beide Richtungen sowie auf Drücken, im Lautstärkemodus etwa schaltet ein Druck auf Stumm.
SD-Keys & Stream Deck-Integration

An der linken Seite der Tastatur befinden sich sechs dedizierte SD-Keys (S1 – S6), ergänzt durch einen separaten Launch Key oben rechts neben dem Display. Die SD-Keys sind von den regulären Tasten durch ein blaues, halbtransparentes Keycap-Design abgesetzt und werden über die Elgato Stream Deck App konfiguriert, nicht über den Corsair Web Hub. Über die App lassen sich den Tasten per Drag-and-Drop Aktionen zuweisen, darunter Hotkeys, Ordnernavigation, Mediensteuerung, Multi-Actions oder Anwendungsstarts. Für die SD-Keys steht laut Corsair allerdings nur ein einzelnes Profil zur Verfügung.
Der Launch Key soll im Regelbetrieb das Virtual Stream Deck öffnen, wenn die Stream Deck App bereits läuft, oder die App starten, falls sie noch nicht aktiv ist. Ist die Stream Deck App nicht installiert, leitet ein Tastendruck auf die Download-Seite weiter. Corsair kennzeichnet einige dieser Funktionen im Reviewer’s Guide allerdings als „Future behavior (aiming to be ready by launch)“. Ob alle Funktionen zum Marktstart verfügbar sind, bleibt daher abzuwarten.
Zusätzlich schaltet die Stream Deck-Integration ein virtuelles Stream Deck frei, über das sich auf dem Bildschirm beliebig viele zusätzliche virtuelle Tasten anlegen und mit Aktionen belegen lassen. Die Konfiguration erfolgt ausschließlich über die Elgato Stream Deck App, die für Windows und macOS verfügbar ist.
Praxis
Tippgefühl & Akustik
Die Low-Profile-Bauweise der OPX-Schalter bringt einen spürbar kürzeren Hub mit sich als bei Standard-Tastaturen. Mit 1,5 mm Auslösepunkt und 2,5 mm Gesamthub bewegt sich der Tastenweg deutlich unter dem, was von herkömmlichen mechanischen Switches bekannt ist. Wer von einer klassischen mechanischen Tastatur umsteigt, muss sich zunächst an den flacheren Anschlag gewöhnen. Die Finger gleiten eher über die Tasten, als dass sie in sie eintauchen. In Kombination mit der linearen Charakteristik und der niedrigen Auslösekraft von 45 g reagiert die Tastatur sehr direkt, was bei ungewohnter Nutzung anfangs zu versehentlichen Auslösungen führen kann. Wie bei vergleichbaren Low-Profile-Tastaturen mit optischen Schaltern, etwa der ASUS ROG Falchion RX Low Profile, stellt sich nach einer Eingewöhnungsphase jedoch ein flüssiges und zügiges Tippgefühl ein.
Akustisch profitiert die Vanguard Air 99 Wireless von der fünflagigen Schalldämpfung und dem Gasket-Mount-System. Die Kombination aus PU-Plate-Foam, Switch-Foam, Switch-Film, Dämpfungsschaum und PET-Folie sorgt für ein gedämpftes, dezentes Anschlaggeräusch. Verglichen mit Low-Profile-Tastaturen, die nur auf ein oder zwei Dämpfungslagen setzen, fällt das Ergebnis hörbar ruhiger aus. Ein tiefes „Thock“, wie es manche Enthusiasten-Keyboards liefern, darf man konstruktionsbedingt nicht erwarten, aber das Klangbild ist für eine Low-Profile-Tastatur angenehm gleichmäßig und frei von metallischem Nachhall. Die vorgeschmierten Schalter tragen zu einem konsistenten Anschlag bei, seitliches Spiel der Tastenkappen ist gering.
Durch die flache Bauform liegt die Tastatur niedrig auf dem Schreibtisch, was eine natürlichere Handgelenkposition ermöglicht als bei Tastaturen mit höherem Profil. Eine Handballenauflage wird nicht mitgeliefert. Bei der geringen Bauhöhe von 26,27 mm ist dies weniger problematisch als bei einer Standard-Tastatur, da das Handgelenk kaum angewinkelt werden muss. Wer dennoch eine Auflage bevorzugt, muss auf Zubehör von Drittanbietern zurückgreifen.
Konnektivität & Akkulaufzeit
Die Vanguard Air 99 Wireless bietet drei Verbindungsmodi: Slipstream v2 über den beigelegten USB-Dongle für eine latenzarme 2,4-GHz-Funkverbindung, Bluetooth mit bis zu drei parallel gespeicherten Geräten sowie eine kabelgebundene Verbindung über das mitgelieferte USB-C-auf-USB-A-Kabel. Zwischen den Modi wird über einen physischen 3-Wege-Schalter an der Unterseite gewechselt. Wird das Kabel eingesteckt, schaltet die Tastatur automatisch in den kabelgebundenen Modus.

Das Bluetooth-Pairing erfolgt über FN-Tastenkombinationen: FN + Home für Gerät 1, FN + PgUp für Gerät 2 und FN + PgDn für Gerät 3. Die jeweilige Taste blinkt während des Pairings blau und leuchtet bei erfolgreicher Verbindung drei Sekunden lang durchgehend. Für die Slipstream-Verbindung wird FN + Entf für zwei Sekunden gehalten. Im Bluetooth-Modus lässt sich zwischen den drei gespeicherten Geräten direkt per Tastendruck wechseln, ohne erneut pairen zu müssen. Die Umschaltung zwischen verschiedenen Plattformen, etwa PC, Mac und Konsole, wird durch die beigelegten Mac-Tastenkappen und einen speziellen PlayStation-Modus (FN + Windows für fünf Sekunden) erleichtert.
Corsair gibt die Akkulaufzeit mit bis zu 55 Stunden im 2,4-GHz-Modus bei ausgeschalteter RGB-Beleuchtung und 20 % LCD-Helligkeit an. Bei unserem Test konnten wir diesen Wert erreichen, wichtig ist eine Pollingrate von 1.000 Hz. Mit eingeschalteter Beleuchtung sinkt dieser Wert auf 29 Stunden. Im Bluetooth-Modus liegen die Werte mit 57 bzw. 29 Stunden geringfügig höher. Unter Alltagsbedingungen, also mit aktiver Beleuchtung und gelegentlicher LCD-Nutzung, dürfte eher mit einer deutlich reduzierten Laufzeit von zwei Tagen zu rechnen sein, bevor die Tastatur ans Ladekabel muss. Wer die 8.000 Hz dauerhaft nutzt, sollte mit einer spürbar kürzeren Laufzeit rechnen. Die vollständige Ladezeit beträgt laut Hersteller etwa 5,2 Stunden, das konnten wir im Test bestätigen. Das ist ein eher hoher Wert, der sich durch den großen 4.170-mAh-Akku erklären lässt. Immerhin liefert eine 30-minütige Ladung bereits knapp fünf Stunden Betriebszeit, was für eine Abend-Session ausreichen dürfte.
Der Akkustand wird auf dem LCD-Display farbcodiert angezeigt: Grün ab 51 %, Gelb zwischen 31 und 50 %, Rot zwischen 16 und 30 % und blinkend Rot unter 15 %. Bei einem Akkustand unter 5 % schaltet sich die Tastatur automatisch ab.
Software (Corsair Web Hub & Stream Deck App)
Die Konfiguration der Vanguard Air 99 Wireless erfolgt über zwei getrennte Software-Lösungen. Für die Tastatur selbst, also Beleuchtung, Tastenbelegung, Drehregler, FlashTap, Display und Game Mode, kommt der Corsair Web Hub zum Einsatz, eine webbasierte Oberfläche, die ohne Softwareinstallation direkt im Browser läuft. Für die sechs SD-Keys und den Launch Key ist hingegen die Elgato Stream Deck App zuständig, die lokal installiert werden muss.
Der Corsair Web Hub ermöglicht die Anpassung von bis zu fünf Profilen mit jeweils eigenen Einstellungen. In der Lighting-Effects-Sektion lassen sich bis zu fünf Beleuchtungsebenen konfigurieren. Im Hardware-Modus, also ohne aktive Web-Hub-Verbindung, stehen hingegen bis zu 20 Ebenen aus dem Onboard-Speicher zur Verfügung. Über den Key-Assignments-Tab können sowohl die Haupt- als auch die FN-Ebene jeder Taste frei belegt werden, darunter Tastaturbefehle, Maustasten, Mediensteuerung, Makros und Texteingaben. Für den Drehregler lässt sich festlegen, welche Modi über die FN-Kombinationen erreichbar sein sollen. Änderungen werden in Echtzeit auf die Hardware geschrieben.
Zu beachten ist, dass der Web Hub einen Chromium-basierten Browser voraussetzt. Firefox und Safari werden nicht unterstützt. Corsair weist darauf hin, dass eine iCUE-Unterstützung in Entwicklung ist, ein Zeitrahmen dafür aber nicht feststeht. Für Nutzer, die bereits in das iCUE-Ökosystem investiert haben, könnte dies eine relevante Einschränkung darstellen.
Die Elgato Stream Deck App verbindet sich beim Start automatisch mit der Tastatur und erlaubt die Belegung der SD-Keys per Drag-and-Drop. Zur Verfügung stehen unter anderem Multi-Actions, Hotkeys, Ordnernavigation, Soundboard-Funktionen und Anwendungsstarts. Für die SD-Keys wird allerdings nur ein einzelnes Profil unterstützt. Über die App lässt sich zudem ein Virtual Stream Deck freischalten, das als schwebende Oberfläche auf dem Bildschirm zusätzliche konfigurierbare Tasten bereitstellt.
Die Aufteilung auf zwei separate Anwendungen, Web Hub für die Tastatur und Stream Deck App für die SD-Keys, ist funktional nachvollziehbar, da Corsair und Elgato hier jeweils ihre eigene Plattform einbringen. Im Alltag bedeutet dies aber, dass für eine vollständige Konfiguration zwei Programme parallel geöffnet sein müssen. Eine einheitliche Oberfläche wäre komfortabler gewesen.
Beleuchtung
Die Vanguard Air 99 Wireless verfügt über eine vollständige RGB-Beleuchtung mit einzeln ansteuerbaren LEDs pro Taste. Ab Werk stehen zehn Onboard-Lichteffekte zur Verfügung, die über FN-Kombinationen direkt an der Tastatur gewechselt werden können: Horizon, Water Color, Spiral Rainbow, Rainbow Wave, Type Lighting Key, Type Lighting Ripple, Color Shift, Color Pulse, Color Wave sowie eine statische Einzelfarbe, die sich durch wiederholtes Drücken in acht Farben durchschalten lässt. Effektgeschwindigkeit und -richtung lassen sich ebenfalls per FN-Shortcut anpassen.
Über den Corsair Web Hub können die Effekte weiter individualisiert und in bis zu fünf Ebenen übereinander gelegt werden. Die SD-Keys am linken Rand sind mit blauen, halbtransparenten Kappen bestückt und heben sich optisch von der restlichen Beleuchtung ab. Laut Corsair soll das gewölbte Linsendesign der OPX Low Profile Switches für eine gleichmäßigere RGB-Ausleuchtung sorgen als bei früheren Generationen. Die Keycap-Beschriftungen leuchten dank der ABS-Kappen mit Durchschein-Beschriftung klar ab, was zu einer guten Lesbarkeit führt.
Im Game Mode wechselt die Beleuchtung standardmäßig auf einen roten Ripple-Effekt beim Aktivieren und eine statische rote Beleuchtung im aktiven Zustand. Die Farbe lässt sich im Web Hub ändern, der Ripple-Effekt selbst kann dort nur komplett deaktiviert, aber nicht farblich angepasst werden. Wie bei allen kabellosen Tastaturen gilt: Die RGB-Beleuchtung ist der größte Einzelverbraucher beim Akku. Wer die volle Beleuchtung dauerhaft nutzt, halbiert die Akkulaufzeit nahezu: von 55,6 auf 29,1 Stunden im Slipstream-Modus. Wer unterwegs auf maximale Laufzeit angewiesen ist oder den Akku schonen möchte, sollte die Beleuchtung reduzieren oder ganz deaktivieren.
Gaming-Features (FlashTap, Game Mode, Hyper-Polling)
Die Vanguard Air 99 Wireless bringt mehrere auf kompetitives Gaming ausgerichtete Funktionen mit, die sich einzeln oder in Kombination nutzen lassen.
FlashTap (SOCD) regelt, wie die Tastatur mit gleichzeitig gedrückten, entgegengesetzten Richtungstasten umgeht. Das ist ein Thema, das vor allem in Shootern relevant ist, wo Spieler etwa A und D gleichzeitig drücken, um schnelle Richtungswechsel auszuführen. Ab Werk ist FlashTap deaktiviert. Per FN + rechte Shift-Taste lässt es sich im Hardware-Modus aktivieren, beschränkt auf die Tasten A und D im Modus „Last Priority“. Es wird also immer die zuletzt gedrückte Richtung ausgegeben. Im Corsair Web Hub stehen zwei weitere Modi zur Verfügung: „Neutral“ (kein Output bei gleichzeitigem Druck) und „First Priority“ (die zuerst gedrückte Taste hat Vorrang). Dort lassen sich auch andere Tastenpaare zuweisen. Ist FlashTap aktiv, leuchten die betroffenen Tasten dauerhaft bernsteinfarben.
Der Game Mode wird über eine dedizierte Taste oben rechts aktiviert und optimiert die Tastatur für den Spielbetrieb: Die Windows-Taste wird gesperrt, die Scan-Rate erhöht sich auf 4.000 Hz und der Energiesparmodus wird deaktiviert. Die Polling-Rate liegt im Game Mode standardmäßig bei 1.000 Hz und kann über den Web Hub auf bis zu 8.000 Hz erhöht werden. Beim Aktivieren spielt die Tastatur einen roten Ripple-Effekt ab und wechselt auf eine statische rote Beleuchtung. Optional lässt sich FlashTap auch an den Game Mode koppeln, sodass es beim Aktivieren automatisch eingeschaltet wird.
Das 8.000 Hz Hyper-Polling steht sowohl im kabelgebundenen als auch im kabellosen Betrieb über Slipstream v2 zur Verfügung. Im Standard-Modus arbeitet die Tastatur mit 1.000 Hz, die höhere Rate muss über den Web Hub oder den Game Mode explizit aktiviert werden. Corsair bezeichnet die kabellose 8.000-Hz-Übertragung als „True 8,000Hz“, ermöglicht durch die Slipstream-v2-Technologie. Bereits bei Tests der kabelgebundenen Vanguard 96 ließ sich der Unterschied zwischen 1.000 und 8.000 Hz in der Praxis kaum wahrnehmen. Der Sprung ist messbar, für die meisten Nutzer im Alltag aber eher ein technisches Argument als ein fühlbarer Vorteil. Für kompetitive Spieler auf höchstem Niveau kann der reduzierte Input-Lag von 1 ms auf 0,125 ms dennoch relevant sein.
Fazit
Mit der Vanguard Air 99 Wireless bringt Corsair eine kabellose Variante der Vanguard-Reihe auf den Markt, die in Sachen Funktionsumfang kaum Wünsche offen lässt. Tri-Mode-Konnektivität mit 8.000 Hz Hyper-Polling auch im Funkbetrieb, sechs SD-Keys mit Elgato Stream Deck-Integration, ein LCD-Display, ein multifunktionaler Drehregler, FlashTap SOCD und eine fünflagige Schalldämpfung mit Gasket Mount. Die Feature-Liste ist beeindruckend. Die Verarbeitungsqualität überzeugt mit der Aluminium-Oberseite, und die flache Low-Profile-Bauweise ermöglicht eine ergonomisch günstige Handposition auch ohne Handballenauflage.
Dem stehen einige Kritikpunkte gegenüber. Die ABS Single Shot Tastenkappen bei europäischen Layouts sind in dieser Preisklasse äußerst schwer zu rechtfertigen, zumal Corsair für andere Regionen PBT Double Shot liefert. Die OPX Low Profile Switches bieten mit 80 Millionen Anschlägen und 1,5 mm Auslösepunkt spürbar konservativere Werte als die Standard-OPX-Schalter und lassen sich mangels Kompatibilität nicht austauschen. Die Ladezeit von über fünf Stunden für eine vollständige Ladung ist hoch, und die Software-Situation, zwei getrennte Apps ohne iCUE-Unterstützung zum Marktstart, bleibt eine Baustelle. Die UVP von 279,99 € positioniert die Air 99 Wireless am oberen Ende des Marktsegments, wo sie sich gegen starke Konkurrenz behaupten muss.
Unterm Strich liefert Corsair eine ambitionierte kabellose Gaming-Tastatur, die vor allem durch ihre Vielseitigkeit und das durchdachte Gesamtpaket aus Produktivitäts- und Gaming-Features punktet. Wer eine Full-Size-Tastatur mit kabelloser Anbindung, Stream Deck-Integration und niedrigem Profil sucht, findet am Markt aktuell keine vergleichbare Alternative.
Pro:
+ Tri-Mode-Konnektivität
+ Elgato Stream Deck-Integration mit sechs SD-Keys
+ LCD-Display und multifunktionaler Drehregler
+ FlashTap SOCD mit drei Modi
+ Gute Akkulaufzeit (bis zu 55 Stunden)
Kontra:
– ABS Single Shot Tastenkappen (DE-Layout)
– Switches proprietär und nicht austauschbar
– Zwei getrennte Software-Lösungen nötig
– Hohe UVP von 279,99 €
































