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Battle Brothers im Test

Diethelm The Lone Wolf. Ein kampferprobter Söldner, der durch die Welt streift, um Monster abzuschlachten, Banditen einen Kopf kürzer zu machen und gestohlene Gegenstände zum Eigentümer zurückzubringen. Eine Ein-Mann-Armee, schwer gepanzert und mit einem Zweihänder bewaffnet. Auf der Suche nach geeigneten Kameraden, um eine ernst zu nehmende Söldnertruppe zu bilden und sich einen Namen zu machen, der bis an den letzten Winkel der bekannten Welt gelangt. Eine Truppe, die von allerlei Fraktionen für viel Geld angeheuert wird. Eine militärische Gewalt, die im Kriegsfall für oder gegen eine Fraktion beeinflusst werden kann und sich parallel an dem erbeuteten Vermögen bereichert. So oder so ähnlich könnte eine der Geschichten aussehen, die man während Battle Brothers erlebt.

 

Das Spiel kurz erklärt

Battle Brothers ist ein 2017 erschienenes Taktik-Rollenspiel des deutschen Entwicklerstudios Overhype Studios, welches seit 2021 auch auf der Nintendo Switch gespielt werden kann. Aufgrund der enthaltenen Monster und Quests handelt es sich dabei um ein dem Fantasy-Genre angesiedeltes Spiel. Orks, Wyvern, Untote und Goblins dürfen einfach nicht fehlen. Ziel ist es, im Laufe der Zeit eine Söldnertruppe auf die Beine zu stellen und immer schwierigere Quests zu bestreiten, die jederzeit den Tod der Truppen bedeuten können – dabei aber auch immer mehr Geld einbringen. Vermögen, welches für Nahrung, Arznei, Ausrüstung und Training der Kameraden genutzt werden muss.

Schauplatz ist eine zufällig generierte Open-World-Weltkarte, die verschiedene Landschaften aufweist und daher auch optisch für Abwechslung sorgt. Die Gegnertypen können sich dabei je nach Ort unterscheiden. So lassen sich im frostigen Norden Trolle finden, die von der Schwierigkeit von Dark Souls erinnern. Mit dem Unterschied, dass tot auch tot bedeutet – wird das Leben aller Brüder beendet, hilft nur ein altes Savegame oder direkt der Neustart.

 

Wir haben es in der Hand

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Neben der zufällig generierten Weltkarte werden auch die im Spiel vorkommenden Texte und Kampfkarten zufällig ausgewählt. Wirklich packend ist die Geschichte also nicht, im Fokus steht aber sowieso vielmehr unsere Kompanie – das kann wiederum überaus motivierend sein. Zu Beginn des Spiels lässt sich eine Hintergrundgeschichte auswählen, die gerade den Anfang des Gameplays maßgeblich beeinflussen kann. Als „Lone Wolf“ besteht unsere Kompanie, wie im Einleitungstext auch, anfangs aus einem einzigen Mann. Dieser ist als Ausgleich bereits zu Beginn außerordentlich gut ausgerüstet. Kleinere Quests können wir so, mit etwas Glück und Können (siehe Kapitel „Glück und Können“), selbst erfolgreich bestreiten und das Geld einkassieren. Kurzfristig müssen aber Söldner angeheuert werden, damit sich uns auch taktisch mehr Möglichkeiten offenbaren.

Entscheiden wir uns dagegen für „Band of Poachers“, besteht unsere Kompanie aus drei mit Fernkampfwaffen ausgestatteten Brüdern. Jeder Hintergrund bietet, neben der Vorauswahl an Söldnern, eigene Vor- und Nachteile. In diesem Fall bewegen sich unsere Einheiten auf der Weltkarte schneller und gegnerische Einheiten können vor einem Kampf begutachtet werden, dafür verkleinert sich jedoch unser Inventar – und damit die Anzahl an Gegenständen, die wir unserem Gegner abnehmen können. Je nach Hintergrund kann sich das Gameplay stark verändern oder erschweren. Als „Oathtaker“ können wir zwar bereits zu Beginn auf zwei schwer gepanzerte Brüder zurückgreifen, müssen dafür unterwegs immer wieder Quests bestehen – welche uns dann aber Boni gewähren können. Der Ansatz ist insgesamt hervorragend gelungen und sorgt für Abwechslung.

 

Das Kampfsystem

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In der Welt gibt es viele Aufträge, die flexibel angenommen werden können. Wird einer davon akzeptiert, steht man wohl oder übel bald einem Gegner gegenüber. Was dann folgt, ist eine Kampfkarte und ein harter Brettspielkampf, bei dem wir ums Überleben unserer Einheiten ringen. Greifen wir den Gegner an, haben wir Zugriff auf ein paar eingeschränkte Informationen wie „Ein paar Räuber“. Über die genaue Anzahl und Ausstattung der Gegner werden keine Angaben gemacht, nähere Infos lassen sich aber im Wiki finden.

Auf der mit Hexfeldern versehenen 2D-Karte sollten wir das Terrain zu unserem Vorteil nutzen. Ein erhöhter Stand bietet so eine höhere Reichweite für Fernkampfwaffen und erhöhte Trefferchancen. Die Wahl der Waffen stellt auch eine der schwierigsten Herausforderungen dar – Zweihandwaffen können oft in einem Radius wirken oder das übernächste Feld attackieren. Dolche können Rüstung ignorieren und hohen Schaden verursachen, aber nur, wenn sie auch treffen. Armbrüste richten mehr Schaden an, müssen aber jeweils nachgeladen werden. Das wiederum kostet Aktionspunkte und ermüdet den Kameraden.

Die Positionierung der eigenen Einheiten lässt sich auf der Weltkarte einstellen. Das ist sinnvoll und notwendig, da unsere Einheiten im Kampf leichten Verletzungen bis schweren Behinderungen ausgesetzt werden. Verliert einer der Söldner ein Auge, verringert sich so unter anderem seine Treffergenauigkeit. Diese Verletzungen müssen verheilen, nicht nur die Positionierung spielt also eine Rolle, sondern vielleicht auch ein Austausch gegen eine gesunde Person. In einen Hinterhalt zu gelangen ist auch möglich, dann stehen wir ungeordnet und müssen uns erst richtig aufstellen.

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Um vor dem Gegner zum Zug zu kommen, lässt sich für jeden Bruder nach einem Levelaufstieg das Attribut Initiative steigern. Natürlich ist es auch möglich, Ausdauer, Gesundheit, Moral und weitere Merkmale zu verbessern. Einige dieser Attribute sind möglicherweise mit einem, zwei oder sogar drei Sternen versehen – in diesem Fall erhöht sich die zufällig gewürfelte Höhe an Aufstieg um die Anzahl an Sternen. Auch können zusätzlich Fähigkeiten ausgewählt werden, die den Charakter überlebensfähiger, effektiver im Kampf oder flexibler machen.

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Waffen, Rüstungen, Nahrung und vieles mehr lässt sich in Dörfern oder Städten erwerben. Die Preise schwanken dabei sehr stark, je nachdem, wo welche Ressourcen oder Handelsgegenstände produziert werden. Zusätzlich können Ereignisse wie „Hungersnot“ auftreten, die einen massiven Preisanstieg der dazu passenden Güter zur Folge haben. Damit die Kameraden im Kampf nicht sterben, sollten diese bestmöglich ausgerüstet sein. Schwere Panzerungen und effektive Waffen stellen neben der Verpflegung das A und O einer überlebensfähigen Kompanie dar.

 

Glück und Können

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Selbst wenn die Ausrüstung gut, die Moral hoch und die Einheit schlachterprobt ist – je nach Schwierigkeitsgrad mag das nicht viel heißen. Jeder Angriff wird gewürfelt, der daraus resultierende Glücksfaktor kann gefallen – oder sehr frustrieren. Kritische Treffer bei geringstmöglicher Trefferchance schüren Euphorie, während mehrmaliges Verfehlen des Gegners trotz 90 % Chance den Tod bedeuten kann. Um unnötigen Frust zu umgehen, sollte man an jede Quest vorsichtig herantreten. Auch ist es keine Schande, eine Aufgabe abzubrechen. Der daraus entstehende Schaden bei der jeweiligen Fraktion ist verkraftbar und kann aufgearbeitet werden.

 

Grafik und Performance

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Um die grafische Darstellung zu beschreiben, könnte man an dieser Stelle weit ausholen und viel umschreiben. Oder eben zusammengefasst formulieren: Die Grafik ist zweckmäßig und nicht mehr zeitgemäß, kann aber durch viel Liebe zum Detail punkten. Die Darstellung der Höhenstufen im Kampf ist verwirrend und hätte besser gelöst werden können. Jede Einheit besetzt ein Hexagon, übergroße Monster gibt es kaum. Ein Lindwurm ist zwar überaus groß, belegt aber zwei einzelne Felder statt eines großen. Wie das sein kann? Torso und Schwanz wurden geteilt. Alles in allem gefallen uns aber die über die Felder hüpfenden Büsten.

Aufgrund dieser grafischen Darstellung läuft das Spiel, wie in manchem Screenshot zu sehen, hervorragend auf unserem Testrechner. Die verbaute 6800 XT läuft @stock und lässt nicht mal die Lüfter höher drehen, die Auslastung spiegelt das wider. Auf der iGPU des 12700K läuft das Spiel in 3840 x 1600 dagegen weniger gut. Es wird also für maximale Grafikeinstellungen und sehr hohe Auflösungen etwas mehr als eine Kartoffel zum Spielen benötigt.

 

Endgame und Langzeitmotivation

Beendet man genug Quests für eine Fraktion, bekommt man Zugriff auf höherrangige und deutlich gefährlichere Aufgaben. Kommt es zum Krieg, kann einen diese Fraktion sogar militärisch unterstützen. Weiterhin gibt es sogenannte Endgame-Szenarien, in denen die Welt von einem Übel heimgesucht werden kann. Möglich sind unter anderem Krieg zwischen mehreren Fraktionen, massive Angriffe von Untoten oder große Horden an Orks. In keinem der Fälle ist das Überleben der eigenen Söldnereinheit gesichert. Diese Unsicherheit hilft, das dauerhaft doch repetitive Spiel interessant zu halten. Freundet man sich mit seinen Brüdern an und übersteht viele Kämpfe mit diesen, holt Battle Brothers einen immer wieder an den Bildschirm.

 

Abschließende Bewertung und Meinung des Autors

Battle Brothers hat mich überzeugt und konnte mich bereits fast 100 Stunden an meinen Monitor fesseln. Die Kompanie wachsen zu sehen, die Brüder mit besserer Ausstattung aufrüsten, in einer Arena gegen Monster kämpfen und schwierigste Zeiten zusammen überstehen – das Konzept ist genial. Mit Bestandteil dieser Bewertung sind auch die DLCs, die über die Jahre nach und nach dazu gekommen sind. Es wurden weitere Gegner, andere Städtetypen und vieles mehr ergänzt. Der Schwierigkeitsgrad ist hoch, mit genug Vorsicht aber durchaus zu managen.

Abgesehen von der altbackenen Grafik und der manchmal unschönen Repetition, bietet zumindest mir das Spiel genug Langzeitmotivation – über 100 Stunden sind ohne Probleme möglich. Ob diese Zeit reicht, um zum Meister des Spiels zu werden? Fraglich. Das Kampfsystem in Kombination mit den verschiedenen Gegnern ist dann doch etwas zu tiefgründig. Insgesamt bin ich von Battle Brothers so überzeugt, dass ich allen Freunden von knackigen Rundenstrategie und Sandkasten-RPGs eine klare Empfehlung aussprechen kann.

Begeisterter Gamer und Audiophiler, sowie selbsternannter Nerd. Stets auf der Suche nach dem Maximum.
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