Mit der zweiten Staffel von „Fallout” setzt Amazon Prime Video die Erfolgsgeschichte der Serienadaption einer der größten Videospielreihen aller Zeiten konsequent fort. Die Handlung knüpft direkt an das explosive Finale der ersten Staffel an und führt das Publikum in die ikonische Mojave-Wüste und die postapokalyptische Metropole New Vegas – ein Schauplatz, der vor allem Fans von „Fallout: New Vegas” vertraut vorkommen dürfte.
Das Ende der ersten Staffel hatte schonungslos die Karten offengelegt:
Lucy erfuhr, dass ihr Vater Hank als hochrangiger Vault-Tec-Mitarbeiter eine friedliche Gemeinschaft an der Oberfläche zerstört und damit auch indirekt den Tod ihrer Mutter zu verantworten hatte. Der Ghoul machte sich auf die Suche nach seiner Frau und Tochter, die sich offenbar in einem geheimen Bunker befanden. Maximus wiederum machte sich die Kaltfusionstechnologie zu eigen, die ihm eine potenziell unerschöpfliche Energiequelle und damit eine enorme Verantwortung bescherte.
Aufbruch nach New Vegas

Die Handlung setzt kurz nach dem Finale der zweiten Staffel ein. Lucy und der Ghul verfolgen Hank nach New Vegas, wo er sich einem geheimen Projekt aus der Vorkriegszeit widmet. Parallel dazu setzt Maximus seine Hoffnungen in die Bruderschaft, die in mehrere Fraktionen zerfallen ist und mit internen Machtkämpfen ringt. Auch die Handlungsstränge rund um die drei Vaults werden vorangetrieben: Ihre Bewohner sehen sich mit ganz eigenen Problemen konfrontiert, die zunehmend die Grundfesten des gesamten Systems ins Wanken bringen.
Mit dem Ortswechsel nach New Vegas erweitert die Serie ihren geografischen und thematischen Horizont. Die Welt wird größer und gleichzeitig komplexer.
Mr. House: Mehr als nur ein Bösewicht

Ein zentraler neuer (und alter) Charakter der Staffel ist Mr. House. In der Zeit vor dem Krieg war er das Genie hinter RobCo Industries und wurde später zum selbsternannten Herrscher von New Vegas. Spieler kennen ihn als machtbewussten Strippenzieher. Die Serie widmet sich dieser Staffel vielen Faccetten des Charakters und zeigt ihn so noch von anderen Seiten.
Mit fortschreitender Handlung wird Mr. House zunehmend nuancierter dargestellt. Seine Motivation entpuppt sich als Mischung aus Selbstsucht, Kontrollbedürfnis und einer durchaus nachvollziehbaren Vision von Ordnung. Gerade für Zuschauer ohne Spielkenntnisse bietet dieser Handlungsbogen einen spannenden Zugang zu einem der komplexesten Charaktere des Fallout-Universums.
Auch Figuren wie Barb werden mit mehr Tiefe ausgestattet. In der ersten Staffel wirkte ihr Vorschlag, einen Atomkrieg auszulösen, um ein Unternehmensmonopol zu sichern, schockierend abrupt. In Staffel zwei wird deutlich tiefer gegangen: Barbs Ideologie, ihre Ängste und ihr Glaube an eine „notwendige” Zerstörung werden differenzierter beleuchtet. Coopers Versuch, ihre Beweggründe zu verstehen, verleiht dieser Entwicklung emotionale Tiefe.
Fanservice mit Substanz
Fans von „Fallout: New Vegas” kommen in dieser Staffel voll auf ihre Kosten. Bekannte Orte, vertraute Figuren und zahlreiche subtile Anspielungen sorgen für Wiedererkennungswert, ohne den narrativen Fluss zu stören. Gleichzeitig bleibt die Serie auch für Neulinge zugänglich.
Was die Spiele angeht, muss jedoch noch über einen Elefanten im Raum geredet werden: Welches Ende von „Fallout: New Vegas” ist nun eigentlich eingetreten? Die Serie verfolgt eine ähnliche Herangehensweise wie es in Fallout 4 der Fall war: Es wird kein konkreter Ausgang der Spiele übernommen, sondern nur einzelne Ereignisse. Somit bleibt die Handlung den Spielern überlassen und stellt dennoch eine Fortsetzung der übergreifenden Geschichte dar.
Fazit
Die zweite Staffel von „Fallout” baut souverän auf den Stärken ihres Vorgängers auf. Sie wagt sich an größere Themen heran, vertieft ihre Charaktere und nutzt mit New Vegas einen der beliebtesten Schauplätze des Franchises sinnvoll aus. Anstelle reiner Enthüllungen stehen nun Konsequenzen, moralische Grauzonen und ideologische Konflikte im Fokus. Für Fans der Spiele ist die Staffel eine Liebeserklärung. Serienfans erwartet eine ungewöhnlich komplexe, düster-humorige und zugleich erschreckend aktuelle Auseinandersetzung mit Macht, Kapitalismus und menschlicher Hybris. Die Ödnis war selten so faszinierend.
Die komplette zweite Staffel ist aktuell bei Prime Video verfügbar. Außerdem ist aktuell die erste Staffel bei Youtube kostenlos verfügbar.









