Wir reden oft über CPUs, GPUs und die schnellsten NVMe-SSDs für Gaming und Workstations. Doch in den IT-Abteilungen der Unternehmen weht seit kurzem ein deutlich schärferer Wind. Mit der Umsetzung der NIS2-Richtlinie ist IT-Sicherheit nicht mehr nur „Nice-to-have“, sondern gesetzliche Pflicht. Das hat massive Auswirkungen auf die Hardware-Beschaffung, Server-Räume und die Anforderungen an moderne Netzwerk-Appliances.
Ein Gastbeitrag zur IT-Sicherheit
Wer sich privat mit Hardware beschäftigt, weiß: Ein System ist nur so stark wie sein schwächstes Glied. Ein High-End-PC mit einem billigen Netzteil ist ein Risiko. Genau dieses Prinzip überträgt der Gesetzgeber nun auf die europäische Wirtschaft. Die „Network and Information Security Directive 2“ (NIS2) ist in nationales Recht übergegangen und zwingt Unternehmen dazu, ihre digitale Abwehr hochzufahren.
Für Tech-Enthusiasten und IT-Admins, die unsere Reviews lesen, bedeutet das: Der Fokus verschiebt sich. Es geht nicht mehr nur um Performance pro Watt, sondern um „Security by Design“ und die Frage: Ist diese Hardware überhaupt noch compliant?
Von der Software zur Hardware: Sicherheit fängt beim Chip an
Lange Zeit wurde Cybersecurity als reines Software-Thema behandelt. Virenscanner drauf, Firewall konfigurieren, fertig. NIS2 ändert diesen Blickwinkel, indem es den „Stand der Technik“ fordert. Und der Stand der Technik im Jahr 2026 ist tief in der Hardware verwurzelt.
Veraltete Router, Switches ohne Firmware-Support oder Server ohne TPM-Module (Trusted Platform Module) werden unter NIS2 zum Haftungsrisiko. Unternehmen müssen sicherstellen, dass ihre physische Infrastruktur modernen Angriffsszenarien standhält.
Das betrifft konkrete Hardware-Features:
- Hardware-basierte Verschlüsselung: Self-Encrypting Drives (SEDs) bei SSDs und HDDs werden im Enterprise-Umfeld zum Standard, um Daten bei Diebstahl physisch zu schützen.
- Secure Boot & TPM: Was Windows 11 im Consumer-Bereich forciert hat, ist im Unternehmensumfeld unter NIS2 essenziell. Die Integrität des Boot-Vorgangs muss hardwareseitig garantiert sein.
- Netzwerk-Segmentierung: Die Zeiten, in denen alles über einen flachen Switch lief, sind vorbei. Moderne Layer-3-Switches und dedizierte Security-Gateways sind notwendig, um Netzwerke physisch und logisch zu trennen (Zero Trust Architektur).
Supply Chain Attacks: Vertraue keinem Bauteil blind
Ein besonders spannender Aspekt für Hardware-Kenner ist die in NIS2 geforderte „Sicherheit der Lieferkette“. Wir alle erinnern uns an Engpässe und Sicherheitslücken in Chipsätzen. Das Gesetz verlangt nun, dass Unternehmen genau prüfen, woher ihre Komponenten kommen.
Für Hardware-Hersteller (Vendors) bedeutet das: Sie müssen transparenter werden. Ein Mainboard-Hersteller oder ein Anbieter von IoT-Sensoren muss nachweisen können, dass seine Firmware sauber ist und keine Backdoors in den verbauten Controllern stecken. Kauft ein betroffenes Unternehmen Hardware ein, muss es diese Prüfung dokumentieren. Das dürfte den Markt für „Billig-Hardware“ im B2B-Sektor deutlich ausdünnen, da Noname-Importe oft die nötigen Sicherheitszertifikate nicht liefern können.
Was Admins jetzt wissen müssen: Die NIS2 Anforderungen im Detail
Doch was bedeutet das konkret für den Arbeitsalltag des Admins, der gerade das Budget für das nächste Server-Upgrade plant? Es reicht nicht mehr, Hardware nur hinzustellen. Der Gesetzgeber fordert ein aktives Risikomanagement.
Die spezifischen nis2 anforderungen umfassen eine ganze Palette an Maßnahmen, die technische Implikationen haben:
- Konzepte für die Zugriffskontrolle: Dies stärkt die Nachfrage nach Hardware-Token (FIDO2, YubiKeys) und biometrischen Zugangssystemen für Serverräume. Das Passwort allein ist tot.
- Asset Management: Man kann nicht schützen, was man nicht kennt. Automatisierte Tools, die das Netzwerk scannen und jedes Stück Hardware inventarisieren, sind Pflicht. Veraltete Geräte („Shadow IT“), die irgendein Mitarbeiter mal ins Netzwerk gehängt hat, müssen raus.
- Business Continuity & Backup: NIS2 verlangt, dass der Betrieb auch während eines Angriffs weiterlaufen kann oder schnell wiederhergestellt wird. Das ist ein direktes Argument für redundante Storage-Systeme (SAN/NAS), Offsite-Backups und Failover-Cluster. Für Hardware-Käufer heißt das: Mehr Budget für Redundanz.
- Verschlüsselung: Wie oben erwähnt, müssen Daten „at rest“ (auf der Platte) und „in transit“ (im Netzwerk) verschlüsselt sein. Das erfordert CPUs und Netzwerkarten, die Verschlüsselung (wie AES-NI) ohne Performanceverlust in Echtzeit abwickeln können.
Der „Stand der Technik“ als bewegliches Ziel
Ein kritischer Punkt im Gesetz ist der Begriff „Stand der Technik“. In der Hardware-Welt dreht sich das Rad extrem schnell. Was heute als sicher gilt (z.B. bestimmte Schlüssellängen bei der Verschlüsselung oder bestimmte Firewall-Durchsatzraten bei Deep Packet Inspection), kann in zwei Jahren veraltet sein.
Für Unternehmen bedeutet dies kürzere Hardware-Lebenszyklen. Der alte Server, der seit 8 Jahren brav im Keller summt, aber keine Firmware-Updates mehr bekommt, ist unter NIS2 ein Compliance-Verstoß. Das Gesetz fungiert hier als Investitionstreiber: IT-Infrastruktur muss modern gehalten werden, um den gesetzlichen Anforderungen zu genügen.
Incident Reporting: Wenn die Hardware Alarm schlägt
Neben der Prävention ist die Detektion entscheidend. NIS2 schreibt strenge Meldepflichten vor (24 Stunden für eine Frühwarnung an das BSI). Um das zu leisten, benötigen Admins Hardware, die „spricht“.
Moderne Firewalls und Intrusion Detection Systeme (IDS) müssen so konfiguriert sein, dass sie Anomalien nicht nur loggen, sondern aktiv melden. Die Integration von SIEM-Systemen (Security Information and Event Management), die Logs von Routern, Servern und Endpoints zentral sammeln und auswerten, wird zum Standard. Wer hier auf veraltete Hardware setzt, die keine detaillierten Telemetrie-Daten liefert, fliegt im Blindflug – und riskiert Bußgelder.
Fazit: Hardware und Compliance wachsen zusammen
Für die Leser von HardwareInside ist die Botschaft klar: Die Ära, in der man IT-Sicherheit als lästiges Software-Add-on betrachtete, ist vorbei. NIS2 macht Sicherheit zu einem fundamentalen Baustein der Hardware-Architektur.
Wer beruflich IT-Entscheidungen trifft oder Systeme baut, sollte sich intensiv mit den neuen Regularien auseinandersetzen. Die gute Nachricht für Techies: Es ist das perfekte Argument, um beim CFO endlich das Budget für moderne, leistungsfähige Hardware locker zu machen. Denn Investitionen in aktuelle Server, Switches und Security-Appliances sind jetzt keine reinen „Kosten“ mehr, sondern eine gesetzlich geforderte Versicherung für den Fortbestand des Unternehmens.
Letztlich profitieren wir alle davon: Wenn die digitale Infrastruktur robuster wird – vom Wasserwerk bis zum Online-Shop – sind auch unsere privaten Daten sicherer. Und das fängt eben beim richtigen Chip an.
Tipp für PC-Builder im Firmenumfeld: Achtet bei der Zusammenstellung von Office-Workstations und Servern ab sofort penibel auf die Firmware-Support-Zyklen der Hersteller. Hardware, die in einem Jahr „End of Life“ ist, ist heute bereits ein Fehlinvestment. Setzt auf Plattformen mit langfristigem Support (LTS) und garantieren Sicherheitsupdates.










