Die Resident-Evil-Reihe gehört zu den wenigen Spieleserien, die sich über Jahrzehnte hinweg bewähren konnten und unter Gamern noch immer einen sehr guten Ruf genießen. Während viele andere Marken die Geduld ihrer Spieler immer wieder auf die Probe stellen, schafft es Capcom immer wieder, der Serie neue Impulse zu geben. Mal wird das Gameplay komplett umgekrempelt, mal wird wieder stärker auf klassische Elemente gesetzt. Genau in dieser Tradition steht auch Resident Evil Requiem. Wer die Reihe schon lange verfolgt, weiß, dass Resident Evil den Spielstil gerne von Spiel zu Spiel verändert. Manchmal steht Horror klar im Mittelpunkt, manchmal Action. Requiem versucht sichtbar, beides miteinander zu verbinden. Das Ergebnis ist ein Spiel, das sich stellenweise sehr vertraut anfühlt, gleichzeitig aber auch einige neue Ideen ausprobiert. Unsere genauen Eindrücke erfahrt Ihr in unserem spoilerfreiem Review.

Setting & Atmosphäre

Wenn wir an die klassischen Resident Evil Spiele denken, dann denken wir in erster Linie an Atmosphäre. Genau hier zeigt Requiem relativ schnell, dass Capcom nach wie vor weiß, wie man Spannung aufbaut. Schon die ersten Stunden vermitteln ein Gefühl von Unsicherheit, welches sich durch weite Teile des Spiels zieht. Viele der Orte, die wir besuchen, wirken verlassen, beschädigt oder schlicht unheimlich. Gebäude sind teilweise stark heruntergekommen, Räume wirken chaotisch und in manchen Bereichen hat man das Gefühl, dass hier seit langer Zeit niemand mehr gewesen ist. Diese Räumlichkeiten sind jedoch oft mehr als nur Kulisse, viele Orte erzählen eine Geschichte, ob durch Gegenstände mit denen interagiert werden kann, Akten oder anderen Schriftstücken, durch die Komposition des Mobiliars in einem Raum, oder gar einer Kombination aus allen drei. Besonders eindrucksvoll ist die Verwendung von Licht und Schatten. Dunkle Bereiche werden häufig nur durch schwache Lichtquellen oder Taschenlampen erhellt. Dadurch entstehen starke Kontraste und Schatten, die das Gefühl vermitteln, dass hinter jeder Ecke etwas lauern könnte. Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Tempo. Requiem nimmt sich Zeit, Spannung aufzubauen. Wir laufen nicht ständig durch hektische Actionsequenzen, sondern bewegen uns häufig langsam und vorsichtig durch Räume und Korridore. Genau diese ruhigeren Momente sorgen dafür, dass selbst kleine Ereignisse deutlich intensiver wirken. Wie in allen guten Horrorspielen spielen Geräusche ebenfalls eine große Rolle. Ein entferntes Klappern, ein Geräusch hinter einer Tür oder ein gedämpftes Stöhnen um die Ecke erzeugen das unbestreitbare Gefühl, dass man nicht alleine ist. Das Spiel verlässt sich nicht ausschließlich auf Jumpscares, sondern baut die Spannung auf indem es den Spieler zwingt ständig auf der Hut zu sein.

Gameplayloop

Der grundlegende Gameplayloop von Resident Evil Requiem orientiert sich stark an den klassischen Elementen der Serie. Wir erkunden verschiedene Bereiche, sammeln Gegenstände, lösen Rätsel und müssen gleichzeitig darauf achten, mit unseren Ressourcen sinnvoll umzugehen. Ein zentraler Bestandteil, wie in vielen Survival-Horror Spielen, ist das Ressourcenmanagement. Munition, Heilungsgegenstände und andere wichtige Items sind nicht unbegrenzt vorhanden. Dadurch entsteht automatisch eine gewisse Spannung, weil wir ständig überlegen müssen, wie wir mit unseren Vorräten umgehen. Auch das Inventarsystem spielt wieder eine wichtige Rolle. Platz im Inventar ist begrenzt, sodass wir ständig entscheiden müssen, welche Gegenstände wirklich wichtig sind. Diese Mechanik sorgt dafür, dass man häufiger zurück zu sicheren Bereichen geht, um Ausrüstung zu sortieren oder Gegenstände zu lagern. Nicht jeder Gegner muss zwangsläufig bekämpft werden. In vielen Situationen ist es sinnvoller, eine Begegnung zu vermeiden oder einen anderen Weg zu suchen. Gerade diese Entscheidungen sorgen dafür, dass sich das Spiel deutlich anders anfühlt als typische Actionspiele. Der Wechsel zwischen ruhigen Erkundungsphasen und intensiveren Begegnungen sorgt außerdem dafür, dass das Spieltempo immer wieder variiert. Gerade wenn man längere Zeit unterwegs war, ohne auf größere Gefahren zu stoßen, wirkt eine plötzliche Begegnung mit einem Gegner automatisch intensiver. Insgesamt bleibt der Gameplayloop angenehm klassisch, ohne altmodisch zu wirken. Die Mischung aus Erkundung, Planung und gelegentlichen Kämpfen funktioniert auch heute noch erstaunlich gut.

Puzzles

Puzzles gehören seit den ersten Teilen zur DNA von Resident Evil, und auch Requiem bleibt dieser Tradition treu. Überall in der Spielwelt stoßen wir auf verschlossene Türen, seltsame Mechanismen oder Hinweise, die zunächst keinen Sinn ergeben. Viele dieser Puzzles basieren auf Beobachtung. Hinweise sind häufig direkt in der Umgebung versteckt oder in Dokumenten beschrieben. Wer aufmerksam spielt und sich Zeit nimmt, die Umgebung zu untersuchen, kann die meisten Aufgaben relativ logisch lösen. Uns hat besonders gefallen, dass viele Rätsel tatsächlich mit der Umgebung verbunden sind. Statt einfach nur Codes einzugeben, müssen wir manchmal Gegenstände kombinieren, Symbole vergleichen oder bestimmte Hinweise miteinander verknüpfen. Einige Aufgaben erfordern allerdings etwas mehr Geduld. Manchmal müssen wir mehrere Orte besuchen, um die benötigten Informationen zu sammeln. Erst wenn alle Hinweise zusammenpassen, ergibt sich die Lösung. Genau diese Momente sorgen für ein sehr befriedigendes Gefühl, wenn man das Rätsel schließlich selbst löst. Allerdings gibt es auch Situationen, in denen man länger sucht, als es eigentlich nötig wäre. Gelegentlich wirken manche Puzzle etwas zu kompliziert konstruiert. Zum Glück bleibt das aber eher die Ausnahme. Insgesamt tragen die Rätsel viel dazu bei, dass sich das Spieltempo immer wieder verändert. Nach intensiveren Momenten bieten sie eine ruhigere Phase, in der wir uns stärker auf Beobachtung und Logik konzentrieren müssen.

Grafik & Performance

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Technisch hinterlässt Resident Evil Requiem einen besonders starken Eindruck. Die verwendete RE-Engine gehört mittlerweile zu den ausgereiftesten Technologien, die Capcom zur Verfügung hat, was an vielen Stellen äußerst spürbar ist. Die Umgebungen sind sehr detailliert gestaltet. Besonders Innenräume wirken erstaunlich glaubwürdig. Beschädigte Möbel, verschmutzte Wände oder kleine Details auf Tischen und Regalen sorgen dafür, dass viele Räume lebendig wirken. Die Beleuchtung in Resident Evil Requiem ist besonders gut gelungen. Lichtquellen werden dynamisch dargestellt und erzeugen realistische Schatten. Gerade in dunklen Bereichen sorgt das für eine sehr intensive Atmosphäre. Auch die Charaktermodelle können sich sehen lassen. Gesichter sind detailliert animiert und zeigen viele kleine Bewegungen, die Emotionen glaubwürdig transportieren. Dadurch wirken Gespräche deutlich lebendiger als in älteren Teilen der Serie. Während unserer Spielzeit lief das Spiel außerdem sehr stabil. Abstürze oder größere technische Probleme sind uns nicht aufgefallen. Selbst in Szenen mit mehreren Gegnern bleibt die Bildrate konstant. Gerade in Zeiten, in denen viele große Spiele mit technischen Schwierigkeiten starten, ist das definitiv ein Pluspunkt. Requiem wirkt alles in einem sehr gut optimiert. Resident Evil Requiem ist nicht nur auf PC ein grafisches Meisterwerk. Durch das PSSR2 feature der Playstation 5 Pro sieht es auch auf Konsole aus wie ein spielbares Kunstwerk.

MindestanforderungenEmpfohlen
Betriebssystem:Windows 11 (64bit)Windows 11 (64bit)
Prozessor: Intel corei5-8500 / AMD Ryzen 5 3500Intel Core i7-8700 / AMD Ryzen 5 5500
Arbeitsspeicher:16 GB RAM16 GB RAM
Grafik:GeForce GTX 1660 6GB /  Radeon RX 5500 XT 8GBGeForce RTX 2060 Super 8GB / Radeon RX 6600 8GB
DirectXVersion 12Version 12

Musik & Sounddesign

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Beim Sounddesign zeigt Resident Evil Requiem einmal mehr, warum diese Serie im Horror-Genre so gefeiert wird. Geräusche spielen eine äußerst wichtige Rolle für die Atmosphäre. Viele Bereiche des Spiels sind zunächst relativ ruhig. Statt ständig von Musik begleitet zu werden, hören wir häufig nur Umgebungsgeräusche. Genau das sorgt dafür, dass selbst kleine Geräusche plötzlich sehr präsent und prägnant wirken. Schritte, entfernte Bewegungen oder seltsame Geräusche hinter Wänden lassen sich oft genau lokalisieren. Gerade mit Kopfhörern entsteht dadurch ein sehr intensives Gefühl von Räumlichkeit. Die Musik selbst wird sehr gezielt eingesetzt. In ruhigen Momenten bleibt sie meist im Hintergrund oder fehlt komplett. Wenn sie einsetzt, merkt man sofort, dass sich die Situation verändert. Die Musik versucht nicht ständig, Spannung zu erzwingen, sondern unterstützt die Atmosphäre genau dann, wenn es notwendig ist. Gerade in Kombination mit dem Leveldesign entsteht dadurch eine sehr dichte Klangkulisse, die bedeutend zur Wirkung des Spiels beiträgt.

Deutsche Sprachausgabe

Die deutsche Synchronisation hat uns insgesamt positiv überrascht. Die Sprecher liefern außerordentlich überzeugende Leistungen ab und schaffen es, die Figuren glaubwürdig darzustellen. Dialoge wirken größtenteils natürlich und passen gut zur jeweiligen Situation. Gerade in ruhigeren Gesprächen merkt man, dass sich die Sprecher Mühe gegeben haben, Emotionen authentisch zu vermitteln. Natürlich erreicht die deutsche Version nicht ganz die Qualität des englischen Originals, aber insgesamt bewegt sich die Synchronisation auf einem guten Niveau. Spieler, die lieber mit deutscher Sprachausgabe spielen, müssen hier also keine großen Abstriche machen.

Fazit

Resident Evil Requiem zeigt deutlich, dass Capcom die Stärken der eigenen Serie sehr gut kennt und noch besser in Szene setzen kann. Das Spiel kombiniert klassische Survival-Horror-Mechaniken mit moderner Technik und schafft es dabei, eine sehr dichte Atmosphäre aufzubauen. Zwar ist nicht jede Idee im Spiel ist perfekt umgesetzt, aber dennoch bleibt das Gesamtpaket überzeugend. Für Fans der Reihe ist Resident Evil Requiem definitiv ein interessanter Titel, da er viele bekannte Stärken der Serie aufgreift und gleichzeitig versucht, neue Akzente zu setzen. Am Ende bleibt ein sehr solides Survival-Horror-Spiel, das uns über die recht kurze Zeit von 12 Stunden dennoch gut unterhält. Capcom zeigt mit diesem Titel wieder einmal, dass Resident Evil auch nach all den Jahren noch längst nicht zum alten Eisen gehört.

Pro:
– Grafisches Meisterwerk
– Strategische Freiheit
– Hoher Wiederspielwert

Contra:
– HoherPreis
– Kurze Spielzeit

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