In diesem Test wollen wir euch eine ganz besondere Festplatte vorstellen: die Seagate IronWolf Pro mit 30 TB Speicherplatz. Ihre Besonderheit ist die Technik im Inneren, die diese Kapazität erst ermöglicht. Seagate selbst spricht dabei von der Festplattenplattform „Mozaic 3+”, die auf die Heat-Assisted-Magnetic-Recording-Technologie (HAMR) setzt. Was es damit auf sich hat und wie sich die Enterprise-NAS-Festplatte in der Praxis verhält, erfahrt ihr im folgenden Test.
Daten
| Technische Daten – Seagate IronWolf Pro 30 TB | |
|---|---|
| Modell | ST30000NT011 |
| Formfaktor | 3,5 Zoll |
| Schnittstelle | SATA (6 GBit/s) |
| Aufnahmeverfahren | Conventional Magnetic Recording (CMR) HAMR (Heat Assisted Magnetic Recording) |
| Kapazität | 30 TB |
| Cache | 512 MB |
| Leistungsaufnahme | 8,3 W (Betrieb) 6,8 W (Leerlauf) 1,2 W (Standby) |
| Zuverlässigskeitsprognose (MTBF) | 2.500.000 Stunden |
| Besonderheiten | Ausgelegt für beliebig große Festplattenverbunde Drehschwingungssensoren Heliumgefüllt 3 Jahre „Rescue Data Recovery Service“ |
Übersicht
Rein äußerlich betrachtet, handelt es sich bei der Seagate IronWolf Pro (30 TB) um eine 3,5-Zoll Festplatte mit SATA-Interface. Sie ist für den Dauerbetrieb in beliebig großen Festplatten-Raids ausgelegt. Grundsätzlich ist in 15 Varianten in Größen von 2 bis 32 TB erhältlich. Allerdings sind nur die vier Größten Varianten mit der nagelneuen HARM Technologie ausgestattet, konkret sind es folgende SKUs:
- IronWolf Pro (24 TB) ST24000NT031
- IronWolf Pro (28 TB) ST28000NT000
- IronWolf Pro (30 TB) ST30000NT011
- IronWolf Pro (32 TB) ST32000NT000
Technik

In der mit Helium gefüllten 3,5-Zoll-Festplatte kommen zehn Platter mit jeweils 3 TB Kapazität zum Einsatz. Sie werden von 20 Köpfen gelesen bzw. beschrieben. Die Mosaic-3+-Plattform von Seagate zeichnet sich durch eine höhere Schreibdichte pro Platter aus, die durch eine spezielle Struktur der Platter erreicht wird. Um diese effektiv zu beschreiben, kommt die HAMR-Technologie (Heat-Assisted Magnetic Recording) zum Einsatz. Bei diesem Schreibverfahren kommen ein Nanophotonen-Laser und eine Quantenantenne zum Einsatz. Diese fokussieren für einen Moment mit höchster Präzision die Wärme und bewirken so in Nanosekunden eine Veränderung am Aufzeichnungsmedium.
Seagate ist aktuell der einzige Hersteller, der eine HAMR-Technologie in bereits erhältlichen Festplatten einsetzt. Die aktuell größte verfügbare Festplatte des Herstellers fasst 32 TB, was einer Kapazität von 3,2 TB pro Platter entspricht. Laut Herstellerplänen sollen zukünftige Festplatten eine Dichte von bis zu 5 TB pro Platter besitzen, wodurch möglicherweise Festplatten mit bis zu 50 TB in einer normalen 3,5-Zoll-HDD möglich wären.
Abgesehen von der HAMR-Technologie und den Eigenschaften der Mosaic-3+-Plattform handelt es sich um eine herkömmliche Enterprise-NAS-Festplatte. Die Scheiben im Inneren rotieren mit einer Geschwindigkeit von 7.200 U/min, die maximale kontinuierliche Übertragungsrate beträgt 275 MB/s und die Festplatte verfügt über einen 512 MB großen Schreibcache. Da es sich bei allen Festplatten der IronWolf Pro Serie um CMR-Festplatten (Conventional Magnetic Recording) handelt, ist eine konsistent gute Leistung zu erwarten.
Die IronWolf-Pro-Serie ist für den dauerhaften Einsatz in Multi-Bay-RAID-Systemen konzipiert. Zu diesem Zweck ist sie mit Drehschwingungssensoren ausgestattet, die Schwingungen – beispielsweise durch andere Festplatten in einem Array verursacht – erkennen und kompensieren. Die Festplatten sind für ein Workload-Rating von bis zu 550 TB pro Jahr ausgelegt und der Hersteller gewährt eine eingeschränkte Garantie von 5 Jahren.
Praxis
Wir haben die IronWolf NAS Festplatte in verschiedenen Szenarien getestet. Als Testsystem kam ein Windows-PC auf Basis eines NZXT N7 B850 mit einem AMD Ryzen 5 7500F zum Einsatz.
Benchmarks
Um einen ersten Überblick über die Leistung zu erhalten, ziehen wir den CrystalDiskMark heran. Unsere Testparameter sind drei Durchläufe mit jeweils 1 GiB.

Die sequenzielle Leistung der Seagate IronWolf Pro 30 TB ist in allen vier Disziplinen nahezu identisch. Beim sequenziellen Lesen und Schreiben erreichen wir unabhängig von der Warteschlangentiefe eine Geschwindigkeit von etwa 286 MB/s. Diese Ergebnisse lagen leicht über denen der von uns getesteten Ironwolf Pro 20 TB. Da die Testparameter jedoch nicht identisch sind, sind die Ergebnisse nicht direkt vergleichbar. Wie bei mechanischen HDDs üblich, bewegen sich die Leistungsergebnisse für zufällige Zugriffe im unteren einstelligen Bereich. Abhängig von der Warteschlangentiefe lagen die Ergebnisse bei der Lesegeschwindigkeit zwischen 0,94 und 3,43 MB/s und bei der Schreibgeschwindigkeit zwischen 2,65 und 3,05 MB/s.
Zur genaueren Untersuchung der Abhängigkeit der IO-Größe setzen wir den ATTO Disk Benchmark ein.

Die Ergebnisse zeigen, dass die maximalen Transferraten bereits ab einer IO-Größe von 8 KB erreicht werden. In der Praxis bedeutet dies, dass auch bei der Übertragung vieler kleiner Datenpakete eine hohe Transferleistung erzielt werden kann.
Belastungstest
Mit der neuen IronWolf Pro 30 TB kommt erstmals im großen Stil die wegweisende HAMR-Technologie zum Einsatz. Um zu prüfen, wie sich diese enorme Datendichte auf die Performance im Alltag auswirkt, haben wir die Festplatte einem intensiven Langzeitschreibtest unterzogen. Da die Transferrate bei mechanischen Laufwerken physikalisch bedingt von der Position der Schreib-Lese-Köpfe abhängt – mit den höchsten Geschwindigkeiten in den äußeren Spuren der Platter –, haben wir die gesamte Kapazität einmal sequenziell beschrieben. Das folgende Diagramm verdeutlicht den charakteristischen Geschwindigkeitsverlauf über die gesamte Oberfläche der 30-TB-Festplatte.

Die Messergebnisse des linearen Schreibtests bestätigen die theoretischen Erwartungen an das 30-TB-Laufwerk: Zu Beginn des Tests, im äußeren Bereich der Platter, erreicht die IronWolf Pro eine Spitzenrate von 285,9 MB/s. Im weiteren Verlauf zeigt sich die für mechanische Festplatten charakteristische degressiv abfallende Kurve, da die Datendichte pro Umdrehung zum inneren Radius hin abnimmt. Über die gesamte Kapazität hinweg ergibt sich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 216,9 MB/s, wobei die Performance am langsamsten Punkt (ganz innen) auf 113,5 MB/s sinkt. Bemerkenswert ist dabei die hohe Konstanz des Schreibvorgangs über die gewaltige Zeitspanne von fast 60 Stunden. Bis auf ein paar einzelne Einbrüche zeigt sich die Leistung in einer vergleichsweise konstanten und nur flach abfallenden Leistungskurve.
Vergleicht man die IronWolf Pro 30TB mit einer herkömmlichen CMR-Festplatte, In unserem Fall mit einer IronWolf Pro 20TB, so zeigt sich, dass die neue Festplatte über die gesamte Kapazität hinweg vergleichbare Schreibgeschwindigkeiten aufweist. Die 30-TB-Variante mit HAMR-Technologie zeigt generell eine leicht erhöhte maximale Schreibgeschwindigkeit, aber auch eine im gleichen Maß geringere minimale Schreibgeschwindigkeit.
Unterm Strich können wir daher an dieser Stelle schlussfolgern, dass mit der neuen HAMR-Technologie keineswegs mit einer Einschränkung der Schreibleistung zu rechnen ist.
Stromverbrauch und Lautstärke
| IronWolf Pro 30TB | IronWolf Pro 20TB | |
|---|---|---|
| Modellnummer | ST30000NT011 | ST20000NE000 |
| Durchschnittliche Leistungsaufnahme im Leerlauf | 6,8 W | 5,5 W |
| Durchschnittliche Leistungsaufnahme im Betrieb | 8,3 W | 7,7 W |
| Durchschnittliche Leistungsaufnahme im Standby-Modus | 1,2 W | 1 W |
| Geräuschpegel, Leerlauf | 28 dB(A) | 28 dB(A) |
| Geräuschpegel bei Suche | 32 dB(A) | 32 dB(A) |
Ein Blick auf die technischen Daten zur Leistungsaufnahme und Geräuschentwicklung zeigt, dass die Kapazitätssteigerung mit einem moderat höheren Energiebedarf einhergeht. So nimmt die IronWolf Pro 30 TB im Leerlauf durchschnittlich 6,8 W und im Betrieb 8,3 W auf, während die 20-TB-Variante mit 5,5 W bzw. 7,7 W etwas darunter liegt – ein Tribut an die komplexere HAMR-Technik. Überraschend ist jedoch die akustische Charakteristik: Obwohl das Datenblatt für beide Modelle identische Werte von 28 dB(A) im Leerlauf und 32 dB(A) bei Suchzugriffen angibt, wirkt die neue 30-TB-Festplatte im praktischen Einsatz bei zufälligen Zugriffen subjektiv leiser. Das typische mechanische Klacken der Schreib-Lese-Köpfe klingt gedämpfter und weniger präsent.
Fazit
Die Seagate IronWolf Pro 30 TB ist mehr als nur ein Kapazitätsupdate: Sie stellt die erfolgreiche Premiere der HAMR-Technologie im Consumer- und NAS-Segment dar. Im Test überzeugt die Festplatte mit einer Spitzenleistung von über 285 MB/s und einer hohen Stabilität im Langzeitschreibtest.
Obwohl der absolute Stromverbrauch der HAMR-Festplatte höher ist als der von Ironwolf-Varianten ohne HAMR, zeigt sich in Relation zur Kapazität eine gesteigerte Effizienz. Das macht sie besonders für große RAID-Systeme attraktiv.
Wer maximale Speicherdichte pro Einschub sucht und dabei keine Kompromisse bei der Geschwindigkeit eingehen möchte, findet in der neuen IronWolf Pro das derzeit technisch machbare Maximum. Die HAMR-Technologie hat ihre Feuertaufe bestanden und beweist, dass mechanische Festplatten auch in der Ära massiver Datenberge noch lange nicht zum alten Eisen gehören.
Pro:
+ Hohe und stabile Transferraten
+ Sehr hohe Speicherdichte
+ Hohe Zuverlässigkeitsprognose
+ 5 Jahre Garantie
Kontra:
– N/A












